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Heinrich Ignaz Franz von Biber: MISSA SALZBURGENSIS

26.09.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

8435408099127 Heinrich Ignaz Franz von Biber: MISSA SALZBURGENSIS  – Alia Vox SA-CD – Jordi Savall legt erstmals eine auch technisch überragende Version der berühmten Biber Messe vor

Schon Reinhard Goebel mit seiner Musica Antiqua Köln und Paul McCreesh mit den Gabriel Consort & Players haben sich nach einer Aufführung in der St. Pauls Cathedral 1997 an die hochkomplexe Aufgabe gewagt, dieses polyphone Meisterwerk auf Tonträger zu bannen. 2015 hat der spanische Grandseigneur und Meister der Alten Musik Jordi Savall in der Kollegienkirches des Chateau de Cardona in Katalonien mit dem Mitstreitern Hespérion XXI, Le Concert des Nations und La Capella de Catalunya diese mehrchörige Musik erneut auf Tonträger gebannt. Mit den hervorragenden Vokalssolisten wie Hanna Bayodi-Hirt, Marianne Beate Kielland, Pascal Bertin, David Sagastume, Nicholas Mulroy, Lluis Vilamajo, Marco Scavazza, Daniele Carnovich und Antonio Abete.

Ergebnis: Der Ton ist räumlich großartig eingefangen und bedeutet einen Fortschritt gegenüber der verdienstvollen 18 Jahre älteren Aufnahme. Die Messe symbolisiert „mit ihrer Üppigkeit und dem zielsicheren Einsatz der musikalischen Möglichkeiten die Allmacht und Größe der göttlichen, politischen und religiösen Herrschaft“ (Savall). Savall hat sich schon anlässlich der Salzburger Pfingstfestspiele 1999 mit dem Requiem und der Missa Bruxellensis XXIII  von Biber befasst und trotz der extrem schwierigen akustischen Bedingungen im Salzburger Dom (Vermeiden von allzu schnellen harmonischen Wechseln ist Pflicht) dem Publikum und damit auch mir  eine hervorragende, unvergessene Aufführung beschert.

Wie schon in Wien im Rahmen des Festivals Resonanzen 2014 ist auf der CD die Missa Salzburgensis mit der Motette Plaudite tympana gekoppelt. Zur Vervollständigung des Programms hat Savall eine Fanfare von Bartholomäus Riedl, die Sonata Sancti Polycarpi à 9 und die berühmte Instrumentalkomposition Battaglia à 10 gewählt. Wobei letztere eine Art „Etikettenschwindel“ darstellt, ist sie doch schon 2002 entstanden und daher keine Neuaufnahme, wie man das ohne näheres Hinsehen annehmen könnte. Was aber der hohen Kunst aller Ausführenden keinen Abbruch tut.

In der Missa Salzburgensis muss der Dirigent nicht weniger als 54 Stimmen „ordnen“, einem komplexen Kontrapunkt Herr werden und ein räumliches Gleichgewicht bei der Aufstellung der verschieden stark kontrastierenden Stimm. und Instrumentalensembles herstellen. Savall hat bei der Aufstellung der Chöre im Schiff des Kollegiatsstifts von Cardona versucht, die räumliche Verteilung im Salzburger Dom nachzuahmen. Mit überwältigender Wirkung! „Nur schwer können wir uns vorstellen, wie die Salzburger im Jahr 1682 diese wahrhaft strahlende, einem planetarischen Nebel gleichende musikalische Erscheinung aufgenommen haben“ räsoniert Savall im Booklet, um dann zu folgern, dass sich vermuten lässt, „dass sie genau so bewegt und sprachlos waren wie wir es heute sind.“

Grandios! Eine eindeutige Empfehlung für alle, die laut dem Dirigenten dem Glanz des Barock „mit dem ewigen Lob himmlischen Lebens, einer neuen Friedensbotschaft und dem Versprechen universeller Erlösung“ huldigen wollen.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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