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HEIDELBERG: SUMMERNIGHTDREAMERS – Musiktheater nach Henry Purcell, Benjamin Britten und John Casken

04.10.2020 | Oper international

Heidelberg: Summernightdreamers/Musiktheater nach H.Purcell, B.Britten und John Casken  3.10.2020


Oben Joao Terleira, Jenifer Lary, unten: Ipca Ramanovic, Pascal Zurek. Foto: Theater Heidelberg

Man muss die Inhaltsangabe im Programmheft dreimal lesen, um einigermaßen schlau daraus zu werden, was die AutorInnen des neuen Musiktheaters „Summernightdreamers“, Idee & Konzept von Andrea Schwalbach, Ulrike Schumann und Elias Grandy, in ihrer Kompilation von Musiken aus H.Purcells  aus der Semi-Opera ‚The Fairy Queen‘, B.Brittens Dramatischer Kantate für Mezzosopran und kleines Orchester und J.Caskens ‚Trackway of Time‘ für Bariton & Kammerorchester eigentlich bezweckten. Man konnte denken, dass es darum gehen werde, ein heiteres Shakespeare-Theater, dazu inspirierte englische Klassik-Highlights zu präsentieren. So kam es aber zu einer schwierigen Verknüpfung von Elfenspuk mit deren Obergott Hymen nach Purcells Werk und den tragisch-dramatischen Gesängen der Phaedra und ihres wahnsinnig gewordenen Gemahls Theseus, der dazu eine Kirchturmuhr weiterstellen soll, um einen Schmerzenstag von dem folgenden ablösen zu lassen, was in dem ‚Trackway of Time‘ (2015) von John Casken behandelt wird. Diese Musik im Schlepptau von Brittens Kantate sticht aber in keiner Weise hervor und gerät auch szenisch überhaupt nicht schlüssig. 

Im Graben dirigiert Elias Grandy mal mit, mal ohne Taktstock ein Kammerorchester, von dem die Celli, die Kontrabässe, Fagotte und Cembalo auch namentlich genannt werden. Bei Purcell und besonders bei Brittens Kantate finden sie zu einem homogenen expressiven Spiel zusammen, das die Sänger gut trägt.

Anne Neuser baut für Regisseurin Andrea Schwalbach eine zweistöckige Drehbühne, in deren Obergeschoß mit Tannenbäumchen die Nymphen zugange sind. Unten befinden sich zwei kleine Räume für Königin und König, wo letzterer auf einem Kanapee wie ausquartiert auch schläft. Die Königin lamentiert in einem großen Ohrensessel, die Nymphen spitzeln immer wieder durch Fenster und Luken hinein und und stibitzen auch das Glas mit dem Gift, das sich Phaedra bereitet hat und ersetzen es mit purem Wasser. Eine Nymphe ist in Gott Hymen (sonst wohl Puk) verliebt, scheitert aber an dessen ‚Häuslichkeit‘, indem er auch meist mit einer Tasse Kaffee gezeigt wird. Alles ist in einer dunkel nächtlichen Stimmung gehalten.

Die aufwändigen Kostüme mit viel Tüll und Seide stammen von Alexandre Corazzola: weißes Seidengewand, dunkelrote Robe für die Königin, verschiedene Samtbademäntel für den König,  Tutus und weiße Seidenleggins für die Elfen. Hymen ist an goldenen Schafshörnern, einem bunten Renaissance-Röckchen und nackten Beinen erkenntlich. 

Er wird von Ipca Ramanovic und seinem angenehmen Bariton gestaltet. Die 1.Elfe ist Jenifer Lary mit schön stilisiertem bis neckischem  Sopran. Die 2.Elfe gibt als männliche Variante Joao Terleira tenoral und öfter mit witzigen Passagen im Falsett. Die dritte ‚ältere‘ Elfe, Katharina Morfa mit locker geführtem Mezzo, wird eher als „Trampel“ dargestellt.

Den König gibt Pascal Zurek mit Glatze,Bart und Zöpfen. Ihm steht ein sonor getragener, teils leicht schnarrender (Baß)bariton zu Verfügung, mit dem er seine Larmoyanz und den beginnenden Wahnsinn zu starker Geltung bringt. Seine Königin stellt Zlata Khershberg mit einem einnehmend timbrierten jungdramatischen Mezzosopran , den sie glasklar silbern zu führen versteht. Nach ihrem an Theseus gerichteten „My time’s too short“/sic! hat sie aber leider nichts mehr zu singen.                                                                 

Friedeon Rosén

 

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