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HEIDELBERG: „MARINA HEREDIA-ALEXANDER MELNIKOV- MAHLER CHAMBER ORCHESTRA – PABLO HERAS-CASADO“ –

09.04.2019 | Konzert/Liederabende

Heidelberg: „MARINA HEREDIA-ALEXANDER MELNIKOV-

                       MAHLER CHAMBER ORCHESTRA – PABLO HERAS-CASADO“  –  07.04.

Bunt wie ein Blumengruß präsentierte der „Heidelberger Frühling“ ein weiteres Symphoniekonzert: deutsche Romantik umrahmt von russischer Avantgarde und südländischem Kolorit.

Von der „Pulcinella-Suite“ (Igor Strawinsky), entstanden 1919 für die Ballets Russes in Paris, sagte ihr Schöpfer selbst, sie sei der Türöffner gewesen, durch die sein ganzes späteres Werk erst möglich geworden sei, weil sich Strawinsky hier mit der französischen Musik des 17. Und 18. Jahrhunderts auseinandersetzte. Das Werk ist anmutig verspielt, frei im „Barockstil“ gehalten, nahezu diatonisch, rhythmisch und zeitnah.

Pablo Heras-Casado am Pult des Mahler Chamber Orchestra dirigierte nun die neun Sätzchen des Divertimentos ganz im Sinne Alter Musik und animierte die exzellenten Musiker des Kammerorchesters mittlerer Größenordnung zu schwereloser Instrumentation.

Die Sinfonia, Serenata, Scherzino, Tarantella, Toccata, Gavotta, Duetto, Minuetto, Finale

erklangen herrlich transparent in zauberhaften Couleurs, dass es eine Freude war der dynamischen Hommage an Pergolesi zu lauschen.

Ich hatte schon mehrmals das Vergnügen Alexander Melnikov zu begegnen und erlebte ihn heute erstmals mit Ludwig van Beethoven. Der russische Pianist hatte das „Erste Klavierkonzert“ im Gepäck, erwies sich als feinfühliger Gestalter der Partitur und bescherte mir eine beglückende Hörerfahrung. Bereits zum einleitenden Allegro con brio wurde man einer frischen Musizierlust, Lebendigkeit, Intensität des Solisten gewahr, die absolute Fähigkeit die brillanten Figurinen der orchestralen Tutti pianistisch variierend zu untermalen. Zur Kadenz perlten die Akkorde, steigerten sich zum atemberaubenden technisch-furiosen Brillantfeuerwerk.

Hinreißende Phrasierungen schenkte Melnikov dem As-Dur-Largo des zweiten Satzes, eine sich entwickelnde sanglich-träumerische Melancholie und rückte die fließend artikulatorische Raffinesse seines Spiels schier in Chopin-Nähe. Vortrefflich pointiert in herrlichem Einklang mit dem Klavierpart servierte Pablo Heras-Casado mit dem bestens disponierten MCO die frischen klaren Themen in delikater orchestraler Formation.

In atemberaubender Rasanz, pianistischer Virtuosität, energisch pulsierender Brillanz erklang im stimmungsvollen Miteinander-Musizieren das finale Rondo. Geprägt von spieltechnischer Souveränität entfaltete der Pianist hochkonzentriert bis in die Fingersätze, sein überragendes Können. Mit Bravos und prasselndem Applaus bedankte das begeisterte Publikum die Wiedergabe und wurde mit dem elegisch präsentierten  1. Satz des „Prelude op. 32“ (Skrjbin)  belohnt.

Auf Anregung der Tänzerin Pastora Imperio entwarf Manuel de Falla während 1914/15 zur Vorlage des Dramatikers Gregorio Martinez Sierra das Ballett „El amor brujo“ welches 1915 in Madrid seine UA erlebte, ein Jahr später hatte es de Falla im Stile des Cante jondo als Gesangsstück umgearbeitet. In dieser Form erklangen heute die im Kolorit des einfachen andalusischen Gesangs mit maurischen Zügen geprägten Szenen zur Interpretation von Marina Heredia, die Sängerin machte Furore als gegenwärtig beste Flamenco-Sängerin.

Mit verhaltener Glut doch sinnlich in unterschwelliger Erotik präsentierte die spanische Sängerin ihre vokalen Vorzüge zwar nicht zu Attributen einer Konzert- oder Opernstimme sondern „erzählte“ von der Fabel um die Liebe der schönen Candela zu Carmelo und ihrem gemeinsamen Sieg über mystische Kräfte der Vergangenheit. Nun kannte ich die drei Episoden bisher in völlig anderer Formation, zunächst klang die heisere Voix mixte Heredias in meinen Ohren etwas befremdlich, doch überzeugte die Künstlerin durch emotionales Feuer, variable Couleurs, Aplomb und die Authentizität ihrer Vokalise ungemein.

Stimmungsmalerisch servierte Heras-Casado mit dem famos aufspielenden MCO die von rhythmischen Strukturen durchwebten Melodien, betonte orchestral teils expressiv vortrefflich jene in den Untertiteln skizzenhaften Charaktere der andalusischen Folklore, den Esprit, das Kolorit dieser temperamentvollen von arabischen Elementen durchwebten  Komposition.

Den langen herzlichen Beifall und die Bravos des Publikums belohnte die sichtlich erfreute und gerührte Künstlerin mit zwei Solo-Zugaben ohne orchestrale Begleitung. Zur Darbietung der Buleria-Alegria – Gesänge offenbarte sich  die variable Technik und instrumentale Verazität dieser farbenreichen Stimme auf ganz besondere Weise.

Gerhard Hoffmann

 

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