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HEIDELBERG: COSÌ FAN TUTTE

16.05.2014 | KRITIKEN, Oper

Heidelberg: Cosi fan tutte 15.5.2o14

 Das Theater Heidelberg hat Mozarts ‚Cosi‘ neu inszeniert, und es gelingt der Regisseurin Nadja Loschky, den tollen Dauerbrenner doch einigermaßen spannend auf die die Bühne des Maguerre-Saals zu bringen, während das Orchester Heidelberger Philharmoniker außer Diskussion steht. Sie spielen einfach beglückend natürlich einen ganz abgespeckten Mozart-Stil, frisch und zupackend unter der agilen Leitung des neuen Kapellmeisters Gad Kadosh.

 Gleich die Ouverture wird auf der Bühne bespielt: eine Art Polterabend der beiden Paare, weiße Hochzeitsroben in der Vitrine, bei der alle Gäste, von Don Alfonso angestoßen, den Raum verlassen, zuletzt die verbleibenden Freunde durch eine Reihe von Schnapsgläsern auf dem Boden quasi ins Koma verfallen und derart dahingetreckt von den pikierten Bräuten in diesem Zustand ertappt und aufgeweckt werden. Das Ganze spielt sich in einer etwas düsteren, innenarchtektonisch abwechslungsreichen Räumlichkeit mit kleiner Hinterbühne ab, die  im 2.Teil durch Hochziehen der Wände in eine Art Atrium mit Durchblick auf den Sternenhimmel mutiert (Bb.: Nina von Essen). Die anfänglich in 08 15- Gewandung aufttretenden Männer kommen wie dezente Clowns mit weißen Halbmasken, Ferrando mit nacktem Operkörper, Gulielmo mit schwarz glänzendem Jackett und geschlechtsbetonten Trikothosen (Kost.:Violaine Thel) zurück, so dass evident ist, daß es nur um Liebe gehen kann. Die Schwestern in roten engen Kleid mit Taillentüll (Fiordiligi) und blauem kecken Hosenensemle (Dorabella). Ihr Liebespfand ist das Chiffonhemdchen, das sie beim 1.Partnertausch Guglielmo überlässt. Der Chor tritt bei Loschky nicht auf, und die Rolle der Despina scheint noch aufgewertet als Partnerin Alfonsos, und sie ist als“alte“ Kammerzofe gezeichnet (Carolyn Frank mit etwas abgesungenem aber pointiert gesetztem Mezzo), die für die jungen Mädchen auch per se eine Autorität darstellt, und die die Hausarbeit und das Saubermachen den als Dienstmädchen behandelten Schwestern überlässt.

Bei der ‚Vorbereitung‘ der Liebesszenen hilft auch eine kleine Truppe von Statisten in Tiermasken mit, was eine Art Sommernacht suggeriert, während der Schluss mit der Rückverwandlung entsprechend hart wirkt und ganz zeremoniös inszeniert ist.

 Wilfried Staber gibt den Alfonso als sympathisch autoritären Spielmeister, der mit rauhem Baß nur die Rezitative singt, während die Arien und alle Ensembleszenen aus dem Orchestergraben von Yun Il Koo mit nicht gerade optimal fokussierter Stimmführung ertönen, insgesamt aber doch eine musikalisch adäquate Lösung. Ferrando ist der wohltuend berückend timbrierte Ipca Ramanovic, der mit geschnmeidigem Spiel Dorabella umwirbt. Namwon Huh gibt den Part des Ferrando mit süßlichem aber nicht besonders kraftvollem Tenor. Warum sich die um fast einen Kopf größere Irina Simmes plötzlich erotisch zu ihm hingezogen fühlt, verklart sich eher nicht so ganz. Beide erscheinen aber sehr gewieft im Spiel. Die Dorabella der jungen Debutantin Elisabeth Auerbach wirkt am Anfang etwas staksig, löst sich dann aber und und läßt z.T. schön silbrige (Mezzo)Soprantöne hören. Mit Fiordiligi zusammen ist sie ein gut eingespieltes Team. Irina Simmes punktet durch metalisch leuchtendes Soprantimbre, wenn ihr auch durch die zunehmende Schwere ihres Organs die Flexibilität in den Koloraturen etwas abgeht.                                 

Friedeon Rosén

 

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