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HEIDELBERG: CABARET- Musical von John Kander. Neuinszenierung

22.04.2015 | Operette/Musical

Heidelberg: Cabaret 21.4.2015. Neuinszenierung

 Andrea Schwalbach hat sich für ihre Regie von ‚Cabaret‘, dem berühmten Musical von John Kander, einen der so belieben Einstiege gewählt: Der Conferencier des berühmt-berüchtigten Berliner Kit-Kat Clubs sitzt vor seinem kleinen ‚Tempel der Erinnerung‘ mit den vielen vergilbten braun-weißen Fotos seines wilden Jugendtreibens mit einem „Käfig voller Narren und Todgeweihter“ (A.Schwalbach). Die Überlebenden schweigen/schwiegen oft aus Scham über das Erlebte/Erlittene, so auch der Conferencier, der früher ein großer Showmaster war, jetzt sitzt er allein in dem kaputten Theater.  Nur die Tänzerin Sally Bowles ist eine Überlebende, da ihr die Freiheit über alles geht und sie ihr Überleben nicht bereut. Mit dem Schriftsteller Clifford Broadschaw, der über das wilde Berlin schreiben wollte, hatte sie ein Paar gebildet, dieser hatte  sich bei Frl.Schneider in einem günstigen Zimmer einquartiert. Die clevere aber szeneaffine Hauswirtin tut sich mit dem jüdischen Gemüsehändler Schultz zusammen, nach der Verlobungsfeier im Kit-Kat trennt sie sich aber wieder, da sie die Zeichen der Zeit für sich und ihr Geschäft ‚richtig‘ deutet. Warum aber der Jungnazi Ernst Ludwig eine Tänzerin, die bei der Feier im Dirndl auftritt, mit der Pistole hinrichtet, ist so nicht ersichtlich, auch wenn es auf den Straßen 1929 viel Gewalt gegeben hat. Die meist in Unterwäsche agierende Truppe stammt aus der Dance Company Nanine Linning Heidelberg, und sie tanzen und steppen ganz vorzüglich und singen über Microports. Die Unterkünfte werden durch mehrstöckige Gestänge gebildet, zu den Auftretenden zählen auch 2 Transvestiten und ein Orang-Utan, der später als‘ Sensenmann‘ geoutet und abgeführt wird. Der Hintergrundsprospekt ist ein vergrößertes Foto von damaligem Berliner Hinterhofambiente (Bühnenbild Nanette Zimmermann). Die  mit Strapsen garnierte Unterwäsche und ansonsten sehr freakige Fummelklamotten sind von Nora Johanna Gromer, die Choreographie liefert Thomas McManus. Chor und Orchester werden von Dietger Holm schwungvoll dirigiert.

 Aus dem tollen Ensemble sind Winfrid Mikus als Schultz, Nicole Averkamp als Frl.Schneider, Hendrik Richter als Cliff Bradschaw und Steffen Gangloff als Conferencier hervorzuheben. Last not least Claudia Renner als Sally, die eine super Performance steppt und natürlich auch die schönsten Songs („Lady Peaceful“, „Cabaret“) mit gepfeffertem drive hinlegt.                                               

Friedeon Rosén

 

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