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HEIDELBERG: ARIADNE AUF NAXOS

20.05.2012 | KRITIKEN, Oper

Heidelberg:  ARIADNE AUF NAXOS am 19.5.2012

 Im Heidelberger Opernzelt kommt jetzt als letzte Premiere und gleichzeitig als Abschied von GMD Cornelius Meister Strauss‘ Ariadne heraus. Die Inszenierung von Lorenzo Fioroni zefällt in zwei scharf voneinander abgehobene Teile. Im Vorspiel haben wir es mit barockem Schiebekulissen Theater mit Schloß,vorfahrenden Autos und spritzig sprühendenden Personenauftritten zu tun, und das ganze mündet  in die Explosion zu Kriegsbeginn 1914, Entstehungszeit der Oper von Strauss/Hoffmannsthal. Die anschließende Oper findet dagegen in einer heruntergekommenen Theatergarderobe statt, das ganze Personal  agiert hier eher phlegmatisch, und es könnte durchaus im Hier und Jetzt spielen. Der Bühnenbildner für diese Ambiente heißt Ralf Käselau, und sie sind wirklich gut auf den Punkt gebracht. Rätsel gibt aber die derart heterogene Inszenierung auf. Gut scheint es, die im Vorspiel sich anbahnende Katastrophe des Komponisten mit derjenigen der Gesellschaft zu verknüpfen. Auch fällt dem Regisseur in der Oper einiges Erhellendes ein, so wenn Ariadne am Boden sinnlose Markierungen (für ihr weiteres Leben?) klebt oder Bacchus mit Notenpult sich sängerisch in Szene setzen will, während die Komödientruppe mit Zerbinetta Bier trinkend herumlungert. Die Kostüme (Sabine Blickenstorfer) sind im ersten Teil vorwiegend Großroben und Fracks, im zweiten Teil Alltagskleidung. So agiert Ariadne in Pumphosen und weißem Anorak, Bacchus hat sich zwar ein dunklen Ausgehanzug geleistet, aber die Komödianten treten mit allem auf, was der deutsche Fernsehabend so zu bieten hat.

 Cornelius Meister schürft bei seiner Abschiedsproduktion sehr tiefgehend und holt mit den Philharmonikern alles an wesentlichen Klängen, die diese Partitur zu bieten hat, schönst stimmungsvoll heraus.Die düsteren Elemente  /Totenreich erscheinen wirklich fahl gespielt,  während die Mut machenden partien geradezu stürmisch aufbrausen. Für die Zerbinettas Passagen ist ein dazu notwendiger neckischer Ton bestens getroffen.

 Zerbinettas Harlekin-Quartett besteht aus drei hochkarätigen Ensemble-Sängern bis auf Haris Adrianos (Harlekin).  Alle agieren pointiert. Die Zerbinetta selber der Sharleen Joint ist ein gewandtes hübsches Persönchen, ihre an sich schöne Stimme erscheint aber zu eng geführt für die Koloraturen, sie gewinnt noch nicht an vollem Ausdruck. In der Barockoper gelang das überzeugender. Echo  (Annika Ritlewsky) ist regielich dazu verdammt, in Strumphose herumzulaufen und das Dummchen zu spielen, was sie aber mit liebem Gesang wegsteckt. Najade wird von der guten Choristin Ulrike Machill, Dryade von der Kammersängerin Carolyn Frank gegeben. Den Tanzmeister singt Angis Wood mit gleißendem Tenor, den Musiklehrer James Homann mit expressivem Bariton. Anne Peshes singt mit aufblühendem fein timbriertem Mezzo, schade, dass sie schon im Vorspiel „verblüht“. Ihr Pendant ist in der Oper Bacchus Ta’u Pupu’a, der, von den Dryaden sofort als der ‚Richtige‘ erkannt, hier auch stimmlich Furore machen kann: Butterweicher Ansatz, leicht und prägnant in den Höhen, bereits eine super Gesangskultur. Seine Ariadne Yannick-Muriel Noah gewinnt an sopraniger Geschliffenheit, legt sich in die Aufschwünge hinein und ist als Dunkelhäutige, die sich gut bewegt, auch visuell aus dem drögen Einerlei harausgehoben.                                         

Friedeon Rosén

 

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