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HEADHUNTERS

10.04.2012 | FILM/TV

Ab 13. April 2012 in den österreichischen Kinos
HEADHUNTERS
Hodejegerne  /   Norwegen, Dänemark  /  2011
Regie: Morten Tyldum
Mit: Aksel Hennie, Synnove Macody Lund, Nikolaj Coster-Waldau u.a.

Die Skandinavier sind da, nicht nur Mankells Wallander landauf, landab im Fernsehprogramm und Stig Larsson mit der unwiderstehlichen Lisbeth Salander. Auch dieser Krimi von Jo Nesbo erweist sich als spannende Filmvorlage, selbst wenn die Gesetze der Logik nicht immer völlig geachtet werden. Aber es ist eine von der Story und den Figuren her fesselnde spannende Geschichte.

Vor allem Roger Brown, der titelgebende Headhunter, interessiert deshalb, weil er nicht statisch bleibt – er wandelt sich von einem wahren Arschloch zu einem Mann, der vom Leben lernt. Das beschert ihm aber auch genügend Troubles. Nicht dass man sie ihm nicht gönnte, zumindest anfangs. So, wie Darsteller Aksel Hennie – blond, geschniegelt und aufgeblasen (eine norwegische Ausgabe eines Niko Pelinka) – daherkommt, vor Hochmut, Selbstgefühl und Überheblichkeit platzend, ist er einer der Erfolgs-Yuppies, die es wohl nicht nur in Filmen gibt. Mit großer Geste vermittelt er Personal und macht offenbar Millionendeals (wir arme Durchschnittsmenschen haben ja keine Ahnung, wie es in den höchsten Etagen zugeht). Und nebenbei – man traut es ihm voll zu – stiehlt er Kunstwerke. Man kann schließlich nie genug Geld haben.

Aber es läuft nicht alles glatt, nicht im Leben und nicht in Romanen, und auf einmal wird unser chicer Held zum Gejagten, weil er den klassischen Fehler gemacht hat, sich selbst für zu klug und einen anderen für dumm zu halten. Dass der „Rubens“, auf dessen Spur man ihn so raffiniert setzt, dass er meint, auf eine Goldader gestoßen zu sein, kein echter Rubens ist, findet er bald heraus. Und während man mit Roger Brown die Welt der eleganten Häuser und Büros verlässt und in ziemlich schäbiges Milieu abtaucht, ein ländlich-unheimliches Norwegen, wo es hart auf hart geht (zumal, wenn Russen mitmischen!), fängt einem der Kerl sogar an, leid zu tun: Dieser Aksel Hennie ist wirklich ein glänzender Schauspieler.

Wie kennen die anderen Darsteller hierzulande nicht, Synnove Macody Lund als seine Ehefrau (es könnte kein eleganteres, schöneres, schlankeres, blonderes skandinavisches Model geben), Nikolaj Coster-Waldau als Gegenspieler und andere mehr. Morten Tyldum inszeniert vielschichtiges Milieu und differenzierte Psychologie gleich überzeugend, und so sieht man am Ende über ein paar Lücken in der Logik hinweg. Man nimmt sogar das Happyend in Kauf – der Held wurde schließlich geläutert… Kenner des Original-Romans reklamierten die Verfilmung als zu oberflächlich. Wer ihn nicht kennt, begnügt sich mit flotter Action.

Renate Wagner

 

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