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„HAYDN OPERA GALA“

28.01.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0845221052557 „HAYDN OPERA GALA“ mit dem WDR Rundfunkorchester Köln – Capriccio 2 CDs

Recht betagte Aufnahmen von Highlights aus den Haydn Opern „L’Infedeltà Delusa“ (2009) und „La Vera Costanza“ (2011) unter zwei unterschiedlichen Dirigenten bilden die Basis der vorliegenden Neuedition. So weit so gut. Ärgerlich ist aber die Tatsache, dass diese Kompilation laut Marketingleuten des Labels offenbar eine Operngala sein soll. Die einzige Klammer des Unterfangens bildet die Mitwirkung des WDR-Funkhausorchesters Köln und ach ja, dass man Haydn spielt. An sich ist ja jede Initiative, Haydn Opern einen neuen Impetus zu geben und aus dem „faden Eck“ zu holen, wichtig und lobenswert. Bislang ist das auf enzyklopädische Art und Weise nur Antal Dorati (dem für die beiden genannten Opern Künstler wie Jessye Norman, Helen Donath, Edith Mathis oder Barbara Hendricks zur Verfügung standen) gelungen. Erstklassige und interpretatorisch neue Wege gehende Einspielungen von Haydn Opern verdanken wir in jüngerer Zeit insbesondere Nikolaus Harnoncourt (z.B.: Armida, Orlando Paladino, Il mondo della luna). Auf ihn geht auch der bemerkenswerte Satz über die schlaffe Rezeption von Haydn Opern durch Konzertveranstalter und Publikum zurück: „Alles, was wir an ihm schlecht finden, liegt an uns, nicht an ihm.“ 

Was ist nun eine Gala? Eine Gala bedeutet semantisch ein großes Fest oder ein Empfang, meist von offiziellem Charakter. Also ein an einem Tag stattfindendes Event, dessen besonderer Charakter sich nicht zuletzt in der Außergewöhnlichkeit des Gebotenen manifestiert. Also sicher nicht die Zusammenstellung zweier doch Jahre auseinander liegender Konzerte. Was den Repertoirewert der zwei Haydn Komödien anlangt, so ist dieser hoch und zweifellos „galawürdig“. Nur findet mangels adäquater musikalischer Umsetzung leider kein großes Fest statt. Weder die Ausschnitte vom 17.1. 2009 aus L’Infedelta Delusa“ unter dem Dirigenten Markus Poschner mit Simone Kermes, Chen Reiss, Andreas Scheidegger, Jürgen Sacher und Ivan Paley noch jene anderen vom 19.2.2011 aus „La Vera Costanza“ unter Manuel Hernandez-Silva mit Juanita Lascarro, Chen Reiss, Thomas Michael Allen, Rainer Trost, Paul Armin Edelmann, Wolfgang Holzmair, Siphiwe McKenzie-Edelmann erreichen wirklich Festspielformat. Die Aufnahmetechnik erreicht höchstens Mittelmaß. 

Im Booklet wird im Aufsatz „Haydn Explosiv?“ erklärt, dass Haydn als Schöpfer der dt. Hymne wohl der meistgespielte Komponist in deutschen Landen ist. Um anschließend darüber zu sinnieren, ob die Brandkatastrophe von 1779 in Fertöd oder die Befangenheit zwischen Gluck und Mozart oder eher die mangelnde Dramatik seiner musikalischen Versuche für die Bühne Gründe dafür waren, dass seine Opern lange Zeit in Vergessenheit gerieten. Eine klare Antwort darauf geben auch die vorliegenden CDs nicht. Bei beiden Opern handelt es sich um Buffo Werke im Konfektionsstil (einmal mit einem unbemittelten Geschwisterpaar, einmal mit einer klugen Fischerin im Zentrum des Geschehens), allerlei Verwechslungen, Verkleidungen und Verwicklungen und natürlich einem Happy End, wo „jeder Topf den passenden Deckel“ findet. Diese Opern sind für die Bühne unrettbar verloren, können aber mit einem außergewöhnlichen musikalischen Ansatz und eben solchen Solisten konzertant durchaus reüssieren. Ob das vorliegende Album trotz einzelner schöner Momente in diesem Sinne gute Dienste leistet, mag ich anzweifeln. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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