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HASTA LA VISTA!

24.07.2012 | FILM/TV

Ab 27. Juli 2012 in den österreichischen Kinos
HASTA LA VISTA!
Belgien  /  2011 
Regie: Geoffrey Enthoven
Mit: Robrecht Vanden Thoren, Tom Audenaert, Gilles De Schrijver, Isabelle de Hertogh u.a.

Filme wie diese, die Behinderte in den Mittelpunkt stellen, sind grundsätzlich heikel. Gerade in unserer Welt der „politischen Korrektheit“, wo man ja so genau weiß, wie man mit dergleichen „richtig“ umzugehen hat und trotzdem nicht gescheiter ist als früher, eröffnet sich zwischen Kitsch und Peinlichkeit da ein weites Feld unglücklicher Zugangsmöglichkeiten.

Sagen wir gleich, dass die belgische Produktion „Hasta la Vista!“ diesbezüglich einen filmischen Glücksfall bedeutet. Es ist eine Tragikomödie von Rang, die den vom Schicksal so reich beschenkten Normalmenschen (jene ohne schwere körperliche Defizite) den Eindruck vermittelt, wie diejenigen sich fühlen mögen, die die schlechten Karten gezogen haben – und die sich dennoch auch etwas vom Leben wünschen und erwarten.

Drei Freunde: Lars (Gilles De Schrijver) sitzt im Rollstuhl und kann sich so gut wie nicht bewegen; Philip (Robrecht Vanden Thoren) braucht auch den Rollstuhl und wartet darauf, dass seine partielle Lähmung fortschreitet und zum baldigen Tod führt; und Joszef (Tom Audenaert) kann sich im Vergleich zu den Freunden zwar bewegen, ist aber fast blind – will er etwas sehen, muss er eine Art Gucker fest an ein Auge pressen…

Die drei haben einander und sie haben überfürsorgliche Eltern, die den drei jungen Erwachsenen (sie sind alle Anfang 20) entsprechend auf die Nerven gehen, weil diese nicht beschützt, sondern freigelassen sein möchten. Zum Beispiel, um einmal Sex zu erleben… Was ja nur ein Synonym darstellt für die Suche nach ein bisschen Glück.

Dass die drei ein Bordell aufsuchen wollen, das für Leute ihrer Bedürfnisse geschaffen wurde, macht den sensiblen Film von Geoffrey Enthoven teilweise zur Komödie, zumal die drei eine „Reiseleiterin“ in Richtung Spanien finden, die in ihrer schroffen Brummigkeit ein Komödienvergnügen erster Ordnung darstellt: Isabelle de Hertogh packt die drei kraftvoll in ihren Kleinlaster und setzt sich unsentimental mit ihren nicht immer einfach zu bewältigenden Bedürfnissen auseinander.

Man schließt die voluminöse Dame, die für Faxen nichts übrig hat, über kurz oder lang ebenso ins Herz wie die drei Jungen – bzw. ihre Interpreten, die ihre Rollen sowohl in der Darstellung der jeweiligen Behinderung wie auch im psychologischen Umriss geradezu hinreißend in den Griff bekommen. Denn Behinderte wollen von einer peinlich berührten Umwelt nicht immer daran erinnert werden, dass sie bedauernswerte Geschöpfe sind – und reagieren da manchmal ganz schön heftig und unfreundlich.

Der Regisseur erlaubt, er fördert den tragikomischen Humor, der sich um die drei jungen Männer und ihre Reise in den Süden ergibt, aber er gibt seine Figuren nie preis, er wendet ihnen vielmehr jene ganz „normale“ Anteilnahme zu, die jeder Mensch verdient. Und wenn das Bordell dann weit eher ein Problem als die erhoffte Wunscherfüllung darstellt (kein „Hasta la Vista, Baby!“) – so gibt es in diesem Film bei aller Traurigkeit genug Freundschaft, Liebe und gute Gefühle. Ohne dass auch nur eine Minute triefend mit dem Thema spekuliert worden wäre. Obwohl ein unerwartetes Happyend und ein „poetischer“ Tod wahrlich geeignet wären, die Taschentücher in Bewegung zu setzen.

Renate Wagner

 

 

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