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HANS KOESSLER: CHORWERKE – Cantabile Regensburg, Matthias Beckert, Helbling CD

05.11.2016 | cd

Hans Koessler: Chorwerke – Cantabile Regensburg, Matthias Beckert, Helbling CD

Zum 90. Todesjahr des Komponisten eine musikalische Offenbarung

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Als Cousin Max Regers und Schüler von Joseph Rheinberger wuchs Koessler – ein Freund Johannes Brahms – in einem musikalisch höchst inspirierenden Umfeld auf. Franz Liszt berief ihn an dessen Königlich-Ungarische Musikakademie nach Budapest, um dort als einer der gefragtesten Kompositionslehrer eine ganze Generation ungarischer Komponisten zu prägen. Am ehesten ist er als Lehrer Béla Bartóks bekannt (mit dem es später auch Streit gab), studierte in München, bevor es ihn über Dresden nach Budapest verschlug. Dort gab er sein Wissen und seinen kompositorischen Genius an so wichtige Musiker wie Zoltán Kodály, Emmerich Kálmán, Ernst von Dohnányi, Léo Weiner und auch Fritz Reiner weiter. 

Musikhistorisch ist Koessler als Schöpfer von fantastisch schönen mehrchörigen Psalmen (46, 51, 60) als auch zahlreichen Gesängen für gemischten Chor a Capella bedeutsam, harmonisch und chromatisch höchst anspruchsvollen Klanggeflechten in der Nachfolge Wagners, Brahms‘ und Bruckners. Auf der neuen in der Klosterkirche Adlersberg aufgenommenen CD des ganz außerordentlichen Chors Cantabile Regensburg unter Matthias Beckert sind neben den Psalmen neun Lieder, drei ernste Chöre (Gebet auf den Wassern, Hymne an die Nacht, Heimatlos) sowie Altdeutsche Minnelieder zu hören. 

Was besonders einnimmt, ist die große Bandbreite an kompositorischen Stilmitteln, die Koessler gekonnt einsetzt, um die Texte als auch deren emotionale  Tiefenschichten intensivst ausloten zu können. Und so gerät diese CD mit lebensfroh aufjauchzenden bis Liedern von Abschied, Fern- und Heimweh als berührendes Manifest eines Künstlers, dem in seiner Wirkungsstätte Budapest nicht nur Gutes widerfuhr. Auch damals gab es nationalistische Strömungen, die es einem Ausländer nicht eben leicht machten. Selbstverständlich beherrschte Koessler alle traditionellen Formen, seinen Kontrapunkt ebenso wie alle Techniken des a capella Stils der Renaissance. 

Die etwa 40 Sängerinnen und Sänger der Chorvereinigung Cantabile Regensburg vollbringen wahre Wunder an Homogenität, klanglicher Finesse bei höchster Textdeutlichkeit und lupenreiner Intonation. Keine Stimmgruppe dominiert, der musikalische Fluss ist ungebrochen, die dynamischen Akzente erfolgen schlafwandlerisch. Der Chorklang ist duftig, durchsichtig und leuchtet sinnlich in allen Farben. Besonderes Lob gebührt den hohen Stimmen, die im Aufschwung strahlen wie Polarlichter. Aber auch die elegischeren Töne schmeicheln dem Ohr, sie trösten gleichsam über jeden Schmerz hinweg. Technisch wird makellos gesungen, die crescendi und decrescendi gehen wie am Schnürl. Da hat der Chorleiter Matthias Beckert wohl eine rundum gute Arbeit getan. Bravo!

Viele der vorgestellten Tracks sind Weltersteinspielungen, die Tonqualität ist dank der Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk (Aufnahmeleitung Andreas Fischer) herausragend.  Für Freunde schöner Chormusik aber auch für Chorleiter, die ihr Repertoire erweitern wollen, ist diese CD, die bei jedem Anhören noch hinzugewinnt, ein Muss!

Dr. Ingobert Waltenberger

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