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HANNOVER: NDR RADIOPHILHARMONIE mit Michael Sanderling und Truls Mørk

19.01.2018 | Konzert/Liederabende

Michael Sanderling und Truls Mørk bei der NDR Radiophilharmonie in Hannover 18. Januar 2018

Zum ersten Mal haben Michael Sanderling, der seine Karriere als Cellist begann, und  Truls Mørk gemeinsam mit der NDR Radiophilharmonie im Großen Sendesaal des NDR in Hannover musiziert. Eine gelungenere Kombination ließe sich wohl kaum vorstellen, kann sich Sanderling eben auch aus der Perspektive des Solisten in die Cello-Literatur einfühlen. So geriet die Aufführung des h-Moll-Cellokonzertes von Antonín Dvořák zu einem Glücksfall gegenseitig inspirierten und geschlossenen Musizierens.

Mit warmem, rundem Ton erfüllte Mørk Dvořáks Konzert mit viel Erdigkeit und starken Emotionen, ohne dabei in Sentimentalität zu verfallen. Die virtuosen Anforderungen konnte er nahtlos in diese Klangvorstellung integrieren, so dass die so unterschiedlichen Facetten des Soloparts alle wie unter einem weiten Bogen gespannt klangen und seiner Interpretation eine ganz unmittelbare Dichte und Konzentration verliehen. Dem Norweger war einerseits anzumerken, wie viel Erfahrung er mit diesem Stück hat, doch bedeutete das andererseits keineswegs, dass Routine aufkam. Truls Mørk atmete mit seinem Instrument, holte die Töne aus der Tiefe von dessen Korpus. Ganz ohne äußerliche Affekte gelang es ihm, die auch stilistisch so verschiedenen Seiten des Konzertes, zwischen Anklängen an die tschechische Volksmusik und spätromantischer Intimität, in wunderbaren Einklang zu bringen.

Michael Sanderling war ihm dabei mehr als ein aufmerksamer Begleiter, der vor allem stets dafür sorgte, dass Mørk auch in den größten Wogen des Orchesters nicht unterging. Er animierte die ausgesprochen klangschön und konzentriert spielende NDR Radiophilmarmonie zu einer Wiedergabe, die vor allem die üppigen instrumentalen Farben herausstellte und so für eine ausgesprochen differenzierte Wiedergabe der Partitur sorgte.

Nach der Pause stand Schuberts große C-Dur-Sinfonie auf dem Programm. Auch auf diese Komposition hatte Michael Sanderling die Musiker der NDR Radiophilharmonie bestens vorbereitet und entlockte dem Orchester eine beeindruclende Fülle an Farben und instrumentaler Details. Wie sehr Schuberts späte Sinfonie, die sich doch unüberhörbar von den ersten unterscheidet und allein mit ihrer Länge die vorangegangenen übertrumpft, durch ihre strenge Architektonik in der Nähe Beethovens steht, wie sehr sie ebenso bereits auf den Sinfoniker Brahms vorausweist, hat Sanderling mit großer Klarheit herausgearbeitet. Und das, ohne die Individualität der Sinfonie in Frage zu stellen und insbesondere in der Gestaltung von Thematik und Melodik die typische Idiomatik Franz Schuberts nicht minder deutlich in den Mittelpunkt stellte.

Das Publikum bedankte sich für diesen fabelhaften Abend mit intensivem Beifall.

Christian Schütte

 

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