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HANNOVER/ Congress-Zentrum: DIE SCHÖPFUNG von Joseph Haydn

06.02.2018 | Konzert/Liederabende

Haydns Schöpfung mit Thomas Hengelbrock in Hannover

am 5. Februar, Kuppelsaal im Hannover Congress Centrun

Thomas Hengelbrocks letztes Gastspiel in Hannover ist noch gar nicht lange her. Erst im Oktober gastierte er mit seinem NDR Elbphilarmonie Orchester im Kuppelsaal. Bei seinem jüngsten Konzert war er jedoch in seiner Funktion als Gründer und Leiter des Balthasar-Neumann-Ensembles und –Chores zu erleben. Als Spezialist für historische Aufführungspraxis hat sich Hengelbrock mit beiden Formationen einen Platz in der ersten Reihe erarbeitet. In Hannover war ein denkwürdiges Zeugnis dieser mehr als 20 Jahre währenden Arbeit zu erleben.

Joseph Haydns Schöpfung gehört nicht nur zu den wichtigsten oratorischen Werken des – späten – 18. Jahrhunderts, es zählt zweifelsohne zu den Höhepunkten in Haydns Schaffen. Mit großer Präzision deutet Haydn den Text, was ihn von einer musikdramatischen Seite zeigt, die seine Opernwerke mitunter nicht zum Vorschein gebracht haben. Die Pracht und Fülle, die das Werk ausstrahlt, die dramatische Kraft, die in ihm steckt, und nicht zuletzt die differenzierte und farbenreiche Instrumentation machen es für die Interpreten zu einer ebenso anspruchsvollen wie dankbaren Aufgabe. Thomas Hengelbrock animierte die Musiker des Balthasar-Neumann-Ensembles zu einer klaren und pointierten Wiedergabe, die Konzentration und Klangkultur, mit der das Orchester spielte, ließ keine Wünsche offen. Das war vor allem für den Balthasar-Neumann-Chor eine verlässliche Grundlage, auf der die Sängerinnen und Sänger Haydns vielschichtigen Chorsatz eindrucksvoll und in allen Stimmgruppen mit homogener Geschlossenheit intonierten.

Den Gesangssolisten verlangt Haydn sowohl deklamatorische Fähigkeiten – in den Rezitativen – als auch lyrische Beweglichkeit in den Arien und Ensembles ab. Camilla Tilling, Lothar Odinius und Tareq Nazmi als Gabriel, Uriel und Raphael nahmen sich ihrer Aufgaben ganz vorzüglich und mit klarer Diktion an, im dritten Teil ergänzten Marie-Sophie Pollak und André Morsch als Eva und Adam das Solistenensemble.

Der berechtigt enthusiastische Beifall machte Thomas Hengelbrock und seine Musiker nicht lange warten, den Abend mit zwei Zugaben abzurunden: dem Gesang der Engel aus Mendelssohns Elias sowie dem berühmten Abendlied von Rheinberger.

Ein starker, eindrucksvoller Abend.

Christian Schütte

 

 

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