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HAMBURG: SENZA SANGUE von Peter Eötvös / HERZOG BLAUBARTS BURG von Béla Bartok. Premiere B

10.11.2016 | Oper

Ungarischer Opernabend in Hamburg:

„Senza Sangue“ von Péter Eötvös und

„Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartok (Premiere B: 9. 11. 2016)

Die Staatsoper Hamburg wartet zurzeit mit einem ungarischen Opernabend der besonderen Art auf. Man koppelte Béla Bartoks berühmtes Werk „Herzog Blaubarts Burg“ (1918 in Budapest uraufgeführt) mit der Deutschen Erstaufführung des Einakters „Senza Sangue“ (1016 beim Festival d’Avignon szenisch uraufgeführt) von Péter Eötvös und ließ es vom russischen Regisseur Dmitri Tcherniakov inszenieren, der auch das Bühnenbild schuf.

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Die Oper „Senza Sangue“ spielt vor und in einem Straßen-Café (Foto: Monika Rittershaus)

Die Handlung in Kurzfassung: In „Senza Sangue“ („Ohne Blut“) findet eine Frau nach langer Suche einen Mann wieder, mit dem sich ihr Leben schicksalshaft verbindet. Als junges Mädchen hatte sie einen Mordanschlag durch Rebellen auf ihren Vater und ihren Bruder überlebt, weil einer der Mörder sie gefunden, aber verschont hatte. Das Leben der Frau wurde zu einem einzigen Rachefeldzug, nun hat sie den letzten Täter gefunden. Wie damals möchte sie den Blick in seinen Augen sehen und erhofft sich von ihm Absolution von ihren Taten. Sie lädt den alten Mann in ein Café, wo sie mit ihm über die Umstände des damaligen Überfalls spricht. Der bald erschöpfte und zermürbte Mann erwartet, dass sie ihn nun töten wolle. Doch die Frau hat nicht vor, ihn zu töten, sondern fordert den Mann auf, mit ihr in das nächstgelegene Hotel zu gehen, um miteinander zu schlafen. –  In „Herzog Blaubarts Burg“ liebt Judith Blaubart, doch sein Ich verbirgt sich hinter den Türen der düsteren Burg seines Inneren. Wenn sie geöffnet sein werden, hofft sie, wird Licht und Luft in seine Seele strömen. Doch für alle Türen reicht seine Bereitschaft nicht. Blaubart sperrt Judith als vierte Frau zu den anderen, die er ermordet hat und schließt alle Türen. Es ist wieder dunkel. 

 Die beiden Opern wurden von Tcherniakov so inszeniert, dass sie ohne Pause ineinander übergehen. Die sieben Szenen der Oper „Senza Sangue“, die in italienischer Sprache gesungen wird, spielen vor und in einem Straßen-Café und enden mit dem Gang in ein Hotelzimmer, wo Judith mit Blaubart im Bett liegt. „Herzog Blaubarts Burg“ wird in ungarischer Sprache gesungen (die Übertitel sind jeweils in englischer und deutscher Sprache) und spielt statt in einer düsteren Burg mit sieben Türen in einem hell erleuchteten Zimmer mit einer Tür und einem Fenster. Dass der Text des Librettos des Öfteren nicht passt, stört den Regisseur nicht, der gerne Opern so verändert, dass – wie in München – die Erben dagegen klagen.

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Herzog Blaubarts Burg als hell erleuchtetes Hotelzimmer mit Claudia Mahnke und Bálint Szabó im Bett (Foto: Monika Rittershaus)

 Nun könnte man zur Hamburger Produktion sagen, dass sich das Verlangen Judiths nach den Schlüsseln zu den sieben Türen und die Szenen im Bett zwischen Judith und Blaubart nur im Kopf der beiden abspielen, aber es passt einfach nichts zusammen. Sie blickt ins Publikum und sieht eine Folterkammer und kurz danach ein Waffenarsenal. Dann träumt sie im hell erleuchteten Zimmer vermutlich von seinen funkelnden Reichtümern und dem blühenden Paradiesgarten der Lüste und von den Ländereien des Herzogs, ehe sie einen stillen See erblickt, den See der Tränen. Und als der Herzog ihr die Namen seiner einstigen Frauen aufzählt und Judith seine neue Frau nennt, zieht sie sich rasch an und ergreift die Flucht. Vor Herzogs Blaubarts Burg?

 Dass der Opernabend dennoch ein musikalischer Genuss wurde, ist dem Philharmonischen Orchester Hamburg unter der Leitung des Komponisten Péter Eötvös zu danken, der beide Partituren in allen Nuancen zum Erklingen brachte. Und auch den jeweils zwei Darstellern in den Einaktern. Die Rolle der Donna in „Senza Sangue“  sang die Sopranistin Angela Denoke, dem Wiener Publikum aus vielen Opernproduktionen bekannt, die Rolle des Mannes der berühmte russische Bariton Sergei Leiferkus – beide virtuos.

 Nicht weniger grandios waren in „Herzog Blaubarts Burg“ die beiden Darsteller: Der rumänische Bass Bálint Szabó, der als Herzog seine sonore Stimme ausdrucksstark zur Geltung brachte und auch schauspielerisch glänzte, und die deutsche Mezzosopranistin Claudia Mahnke, die ihre Rolle der Judith mit großem stimmlichem und darstellerischem Einsatz hervorragend bewältigte. Ebenfalls eine Glanzleistung!

 Das Publikum dankte den beiden Sänger-Paaren DenokeLeiferkus und MahnkeSzabó sowie dem Dirigenten und Komponisten Eötvös mit nicht enden wollendem Applaus und vielen Bravorufen. Verdientermaßen!

 Udo Pacolt

 

 

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