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HAMBURG: LA BATTAGLIA DI LEGNANO / I DUE FOSCARI/ I LOMBARDI…“ – DREI WENIG BEKANNTE VERDI-OPERN

21.11.2013 | KRITIKEN, Oper

Drei wenig bekannte Verdi-Opern in Hamburg

Von Horst Schinzel

Eine Gewaltleistung kaum ohne Beispiel: Die hat Hamburgs Generalmusikdirektorin Simone Young ihrem Hause, ihrem Philharmonischen Orchester und dem Ensemble zugemutet, als sie mit dem amerikanischen Regisseur David Alden und dessen Team drei frühe Verdi-Opern unter dem Leitwort „Verdi im Visier“ innerhalb von vier Wochen neu herausgebracht hat- „La Battaglia di Legnano“, „I due Foscari“ und „I Lombardi alla prima Crociato“. Alle drei wenig gespielt und selbst Musikfreunden kaum bekannt. „Die Schlacht von Legnano“ aus dem Jahre 1849 war für Hamburg sogar eine Erstaufführung. „Die Lombarden auf dem ersten Kreuzzug“ aus dem Jahre 1843 haben vor einigen Jahren in Kiel die deutsche Erstaufführung erlebt. Nur „Die beiden Foscari“ von 1844 waren schon früher auf Bühnen im deutschen Sprachraum zu sehen. Verständliche Zwänge sind es, die Simone Young bewogen haben, die wirklich bemerkenswerten Inszenierungen nicht für das Repertoire vorzusehen. Innerhalb von vier Wochen waren von vornherein nur wenige Vorstellungen geplant. Und dies mit herausragenden Gästen. Wir haben die letzte Vorstellung der „Battaglia di Legnano“ besucht. Hier war für die weibliche Hauptrolle der Lida Alexia Voulgarido vorgesehen. Aber die war schon der Vorwoche erkrankt und musste einen Tag zuvor ganz absagen. Für sie sprang – großartig – Sara Galli ein. Und auch für Viktor Rud in der Rolle des Marcovaldo wurde wegen einer Indisposition um Nachricht geben. Er blieb recht blass, und dass er Zigaretten rauchte, war doch ein arger Anachronismus.

Verdi hat die Oper unter dem Eindruck der Erhebung der norditalienischen Provinzen gegen die Österreicher geschrieben. Eine Erhebung, die der Komponist leidenschaftlich Begrüßt hat. Und entsprechend zeugt sein Werk von Vaterlandsliebe und Zorn auf die Unterdrücker. Das war zu der Zeit, in der die Handlung spielt, der deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa. Der lag zu dieser Zeit seit etlichen Jahren im Dauerstreit mit den lombardischen Städten  Der wurde im Gegensatz  zur Oper sicher nicht durch nationale Gefühle angetrieben. Die reichen und fortschrittlich verwalteten Städte kämpften für ihre Eigenständigkeit. Mailand hatte das einige Jahre vor Einsetzen der Handlung mit der Zerstörung und Vertreibung seiner Bürger gebüßt. Eine Brutalität, die zum Abfall der letzten Verbündeten Friedrichs  und zum Schließen eines neuen Bundes der lombardischen Städte geführt hat. Dieses Geschehen wird in der Oper wiedergegeben, die mit  dem Sieg der  lombardischen Städte in der Schlacht bei Legnano in der Nahe des Comer See gipfelt. Friedrichs Heer wurde vernichtend geschlagen, wobei Freischaren – „Todesschwadronen“- eine bedeutende Rolle spielten

Der eigentliche Handlungsstrang aber  ist  das Liebessdreieck des Mailänder  Hauptmanns Arrigo (Yanghoon Lee), des Veroneser Offiziers Rolando (Giorgio Lauduro) und Lida (Sara GallI)  Lida war mit Rolando verlobt, aber der ist Jahre zuvor in der Schlacht von Susa schwer verwundet worden. Es heißt, er sei tot. Um versorgt zu sein, hatte Lida Arrigo geheiratet. Als Rolando plötzlich wieder auftaucht, erleidet  sie  schwere Konflikte. Die führen dazu, dass Arrigo an ihrer Treue zweifelt. Rolando wird in der Schlacht von Legnano schwer verwundet und stirbt, nicht ohne die Fahne der Lombardei zu küssen. Arroyo erkennt, dass Lida immer treu war. 

Der Bühnenbildner Charles Edwards hat diese Handlung in ein sehr getragen-feierliches Bühnenbild gestellt, zu dem insbesondere ein versenkbares Chorgestühl gehört.  Auf dem singt der Choi (Einstudierung Eberhard Friedrich) über weite Strecken vom Blatt. Spielt die erste Szene in einem Lazarett? Die Betten deuten darauf hin. Musikalisch ist der Abend ein großartiges Erlebnis, woran auch  wohl die Souffleuse Jennifer Condon ihren Anteil hat. Der dankt Generalmusikdirektorin Simone Young– die mit großen Gesten alles zusammen hält – beim Schlussbeifall ausdrücklich – recht ungewöhnlich! Sara Galli, Giorgio Conduro als  Rolando, Yonghoon Lee als Arrigo und Tigran Martirossian als Barbarossa gefallen mit ihren großen und gut geführten Stimmen, die auch auf die Länge keine Mühe erkennen lassen. Sie werden nicht nur mit lebhaftem Szenenbeifaill, dann zur Pause und geradezu stürmisch am Schluss gefeiert. Ein ungewöhnliches Erlebnis.!

 

 

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