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GRUBER GEHT

27.01.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Gruber geht~1

Ab 30. Jänner 2015 in den österreichischen Kinos
GRUBER GEHT
Österreich  /  2015 
Regie: Marie Kreutzer
Mit: Manuel Rubey, Bernadette Heerwagen, Doris Schretzmayer, Patricia Hirschbichler, Ulrike Beimpold u.a.

Die Damen haben sich vorgenommen, die Männer klein zu kriegen – ein ewiges Projekt, das auch immer wieder mal gelingt. Aber wie? Diesmal verfilmt Marie Kreutzer einen Roman von Doris Knecht. Beiden ist gemeinsam: Gruber muss es gezeigt werden. Man kann heutzutage kein zynischer Selfie sein, nein, das geht einfach nicht, da sind politisch korrekterweise andere Qualitäten gefragt.

Nun, was kann man einem aalglatten Yuppie, dessen Selbstvertrauen nicht zu brechen ist, antun? Man stellt ihm – hallo, Jedermann! – den Tod vor Augen. Der nimmt heute die Gestalt von Ärzten an, die einem erzählen, man hätte Krebs und gute Chancen, bald seinen Abschied zu nehmen. Da geht auch der Härteste in die Knie. Sogar Gruber. Den man übrigens kaum besser besetzen kann als mit Manuel Rubey: Snakefucker schüttelt der nur so aus dem Ärmel.

Weil er natürlich beziehungsunfähig ist,  muss man ihn erst einmal an der Möglichkeit einer Beziehung versagen lassen: Die Berlinerin Sarah, mit dem seltsamen Beruf eines DJ und solcherart offenbar zwischen Großstädten unterwegs (!), läuft ihm zwar höchst schnoddrig über den Weg, aber letztendlich ist sie konventionell wie alle Weibchen (sagen die Weibchen, die den Roman schrieben und den Film machten): Sie will ein Nest, Mann und Kind. Bernadette Heerwagen wirkt ziemlich intelligent, sie sollte es besser wissen als so weinerlich zu werden. Damit kann man Gruber, der seine eigene Familie – die Mutter mit dem leidenden Gesicht (Patricia Hirschbichler), die Schwester mit dem vorwurfsvollen Gesicht (Doris Schretzmayer, keine Serien-Hauptrollen mehr) – nur mit Mühe erträgt, nicht kommen. Also, alles wie üblich? One Night Stand und Bye Bye?

Nein, da kommt der Krebs. Nun müsste man befürchten, dass es grauslich wird. Aber außer einer ekelhaften Ärztin (Ulrike Beimpold, abseits ihres Klischees) wird es eigentlich nicht so schlimm. Bisschen Krankenbett, bisschen Chemotherapie, das geht für den Kinobesucher schmerzlos vorbei. Gesundung! Gruber geht nicht, Gruber darf bleiben! Dann allerdings ist der Held gebeutelt genug, geht in die Knie. Liebe und Waschtrog. Man hält es nicht aus.

Geläutert, gewandelt, gebessert? So wird aus einem möglicherweise glaubhaften Ansatz ödes Klischee, öde Literatur, ödes Kino. Wir sind nicht Hollywood, um mit lächelnd winkendem Zeigefinger so simpel  demonstrieren zu müssen, was ein gesellschaftlich akzeptierter, konventioneller Lebensentwurf ist…

Renate Wagner

 

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