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GREAT VERDI VOICES – Bayerischer Rundfunk Klassik CD……

18.02.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

4035719003130 GREAT VERDI VOICES – Bayerischer Rundfunk Klassik CD – Juwelen höchster Gesangskunst mit L. Price, Varady, Cappuccilli, Bergonzi, Bonsisolli, Bruson, Auger, Jurinac, Rothenberger, Gedda, M. Price, Atlantow, Taddei 

Zwischen 1962 und 1984 entstanden jene Rundfunkaufnahmen, die auf der vorliegenden CD unter dem Titel „Great Verdi Voices“ zusammengestellt sind. Alle bieten eindrucksvolle Hörerlebnisse einer Zeit, wo Verdi-Gesang noch mit hoher Selbstverständlichkeit kultiviert und gepflegt wurde. Ihre zumeist schon legendären Interpretinnen und Interpreten, deren höchst individuelle Stimmen die jeweiligen Rollen zu persönlichen Marken edelten, liefern jedenfalls Lehrbeispiele an Stilistik und großer Emotion gleichermaßen.

Die vom Bayerischen Rundfunk produzierten Aufnahmen, die zumeist bei Konzerten in München mitgeschnitten wurden, teilweise aber auch als Studioproduktionen entstanden sind, bieten einen aufschlussreichen Einblick in die Entwicklung der Verdi-Rezeption, wie sie sich in mehr als zwei Jahrzehnten vollzogen hat. Dafür, dass italienische Opern in Deutschland in den 60-er Jahren noch in deutscher Sprache gesungen wurden, steht beispielhaft Anneliese Rothenberger, welche eine aufregende und aufwühlende Violetta-Arie singt – die einzige der auf der CD enthaltene  Aufnahmen, die nicht in der Originalsprache erklingt.

Etliche Aufnahmen bieten zudem interessante Alternativen zu Studioaufnahmen. So etwa Leontyne Price mit der Arie der Elvira aus Verdis Ernani. Etwas freier interpretiert, entfaltet sich ihr Luxussopran vor allem in den Höhen auf das Prächtigste. Die für mich großartigste Leistung liefert für mich Julia Varady mit der Arie der Lady aus dem 2. Akt von Macbeth. Im Nachhinein betrachtet ist es ein Riesenversäumnis der Plattenindustrie, dass Varady viele ihrer großen Verdi Rollen nicht im Studio für die Nachwelt festhalten konnte. Von den Tenören überzeugen Franco Bonisolli mit einer fetzig und höhensicher gesungenen Stretta aus Il Trovatore, José Carrerras mit der Arie des Corrado aus dem 1. Akt des Corsaro und natürlich der wild-virile Wladimir Atlwantow mit dem Tod des Otello aus dem 4. Akt der gleichnamigen Oper. Wer bei Piero Cappuccilli (Arie des Rigoletto aus dem 2. Akt) oder Giuseppe Taddei(Monolog des Falsatff) nicht zu schwärmen beginnt, dem ist ohnedies nicht zu helfen. Die edlen Sopranstimmen der Sena Jurinac (Don Carlo 4. Akt) und der Margaret Price (Aida 1. Akt) sind für mich auch kaum zu toppen. Arleen Auger singt einen quirligen Oskar aus dem Maskenball. Weniger glücklich bin ich mit dem Rigoletto-Herzog von Nicolai Gedda und der Ernani Kostprobe des jungen Neil Shicoff.

Das Münchner Rundfunkorchester  liefert die orchestrale Basis u.a. unter kundigen Dirigenten wie Carlo Franci, Heinz Wallberg, Kurt Eichhorn, Lamberto Gardelli, Giuseppe Patané und Horst Stein.

Für Melomanen ist diese CD, die auch aufnahmetechnisch überwiegend höchsten Ansprüchen gerecht wird, ein Muss.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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