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GRAZ: EIN WALZERTRAUM

16.01.2012 | KRITIKEN, Oper

Wiener Walzerseligkeit an der Grazer Oper: „Ein Walzertraum“ von Oscar Straus (Vorstellung: 15. 1. 2012)


Foto: Dimo Dimov

 An der Grazer Oper steht nach 39 Jahren wieder einmal die Operette „Ein Walzertraum“ von Oscar Straus auf dem Spielplan. Diesmal in der Urfassung von 1907, die seit Jahrzehnten nicht mehr gespielt wurde. Das Grazer Philharmonische Orchester, das die vielen musikalischen Ohrwürmer der Operette dem Publikum präsentierte, wurde von Marius Burkert geleitet, der sich um das Orchestermaterial bemüht hatte und in einem Artikel im Programmheft über die Schwierigkeiten der Beschaffung dieser Urfassung schrieb. Daraus ein Zitat, das die Liebe des Dirigenten zu diesem Werk widerspiegelt: „Ich empfinde eine große Hochachtung vor Oscar Straus, diesem genialen Meister der späteren Wiener Operettenkunst und schätze mich glücklich, ihm mit unseren Anstrengungen um sein ursprüngliches Werk meine Referenz zu erweisen.“

 Die Handlung – von den Librettisten Felix Dörmann und Leopold Jacobson nach einer Novelle aus Hans Müllers Buch der Abenteuer geschrieben in Kurzfassung: Leutnant Niki war in Wien während eines offiziellen Besuchs als Begleiter von Prinzessin Helene eingeteilt worden. Sie verliebt sich und überzeugt ihren Vater, in Niki den idealen Prinzgemahl gefunden zu haben. Die Ereignisse überschlagen sich, und ehe Niki es recht begreifen kann, findet er sich im fernen Fürstentum Flausenthurn als Bräutigam wieder. Als er erkennt, dass seine einzige Pflicht darin zu bestehen scheint, für Nachkommen zu sorgen, tritt er schon in der Hochzeitsnacht in einen „Ehestreik“ und vergnügt sich mit einem zufällig am Ort gastierenden Wiener Damenorchester, dessen Dirigentin Franzi Steingruber aber ihrer Liebe entsagt, als sie erkennt, dass der Leutnant schon vergeben ist. Happyend am Schluss.

 Michael Schilhan arbeitete in seiner Inszenierung auf humorvolle Art die sprachlichen, aber auch andere Gegensätze zwischen den Bewohnern des deutschen Fürstentums und den Österreichern heraus, was beim Grazer Publikum recht gut ankam. Manche Klamaukszenen musste man dabei leider in Kauf nehmen. Die Gestaltung der Bühne und die Entwürfe der Kostüme oblagen bei Rainer Sellmaier, der für Farbenpracht und stimmungsvolle Bilder sorgte. Die vielen Tanzszenen wurden von Allen Yu operettenhaft choreographiert. Als Leutnant Niki konnte Thomas Sigwald mit seinem wienerischen Charme und seinem tenoralen Schmelz überzeugen. Dass er sich der Prinzessin Helene, von der hübschen Sopranistin Margareta Klobučar prächtig dargestellt, so lange verweigerte, konnte man fast nicht verstehen! Überzeugend auch die Sopranistin Sieglinde Feldhofer als jugendlich kecke Franzi Steingruber, Dirigentin der Damenkapelle.

 Aus dem Ensemble sind noch zu erwähnen: Götz Zemann, der einen bärbeißigen Fürst von Flausenthurn gab, Fran Lubahn als komische Oberkammerfrau Friederike von Insterburg sowie Juraj Hurny und David McShane als sehr steife Bedienstete. Süß anzuschauen Ute Walluschek-Wallfeld als Cellistin Annerl und Uschi Plautz als urkomische Tschinellenfifi.

 Das Publikum, das nicht mit Szenenbeifall geizte, delektierte sich an den bekannten reizvollen Melodien, wie „Ich habe einen Mann, einen eigenen Mann“, „O du lieber, o du gscheiter, o du ganz gehauter Fratz“, „Piccolo, Piccolo, tsin-tsin-tsin“ und die Titel gebende Nummer „Leise, ganz leise klingt’s durch den Raum, liebliche Weise, Walzertraum“

 Udo Pacolt, Wien – München

 

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