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GRAVITY

02.10.2013 | FILM/TV

FilmPlakat Gravity

Ab 4. Oktober 2013 in den österreichischen Kinos
GRAVITY
USA  /  2013 
Drehbuch und Regie: Alfonso Cuaron
Mit: Sandra Bullock, George Clooney

Weltall ist schön, Weltall ist ein eigenes Kinogenre, aber nur Weltall? Man muss sich klar sein, wenn man in diesen Film des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuaron geht, dass man nichts anderes erlebt als Weltall, innerhalb und meist außerhalb einer Raumkapsel. Erst ganz, ganz am Ende darf die Hauptdarstellerin kurz Erdenboden unter den Füßen fühlen, aber dann ist der Film auch schon zu Ende…

Alfonso Cuaron hat keine geradlinige Hollywood-Karriere hinter sich, dazu ist er vielleicht zu eigenwillig. Seine Umsetzung der „Großen Erwartungen“ von Dickens war in Ordnung. Er durfte einen der „Harry Potter“-Filme inszenieren, drehte ein seltsames Sci-Fi-Produkt namens „Children of Men“ und hatte zwischendurch mit einem in Mexiko gedrehten Sozialdrama „Y Tu Mamá También – Lust for Life“ Erfolg.

An „Gravity“ hat er sehr lange gearbeitet, und selten hat man eine so eindrucksvolle Liste von Hauptdarstellerinnen gesehen – die letztlich abgesagt haben: Angelina Jolie, Natalie Portman, Scarlett Johansson, Naomi Watts, Marion Cotillard, Sienna Miller, Rebecca Hall und Olivia Wilde. Vielleicht erschreckte sie alle die Idee, dass die körperlichen Anforderungen einer „Weltraum“-Rolle (wenn auch sicherlich der Computer hilfreich war) groß sein würden, vielleicht wollten sie auch nicht die meiste Zeit in einem Raumanzug stecken.

Für Sandra Bullock, die nächstes Jahr 50 wird und für die große Rollen nicht mehr auf der Straße liegen, war es möglicherweise eine Herausforderung, einmal etwas gänzlich abseits ihrer doch meist heiteren Rollen angeboten zu bekommen. So spielt sie die Medizintechnikerin Dr. Ryan Stone, die in Begleitung von Astronauten-Veteran Matt Kowalsky ins All geschickt wird: Die Rolle von George Clooney ist so klein, und er darf faktisch nur in einer einzigen Szene sein Gesicht ohne Helm darüber zeigen, dass es wohl ein Akt des Mitleids oder Freundschaft war, seinen großen Namen als zweiten für dieses Projekt herzugeben. Die Aufgabe selbst hatte wohl keinen besonderen Reiz für ihn.

gravity sandra-bullock  gravity george-clooney

Vielleicht werden naive Erdenkinder gar nicht genau begreifen, was die beiden im All da sollen – irgendetwas an einer Raumstation reparieren? Jedenfalls verschwindet Kowalsky bald im All, denn das Shuttle der beiden, die sich auf Distanz halb beruflich, halb privat so einigermaßen unterhalten, wird zerstört. Der Gentleman rettet die Lady, die er in einer leeren Raumstation absetzt, bevor er fast auf Nimmerwiedersehen verschwindet – wenn er einmal noch erscheint, scheinbar fröhlich beim Tor hereinschwebend, so ist er doch nur ein Traum der einsamen Dame…

Von da an gehört der Film Sandra Bullock und ihrem entschlossenen Erleben allein, wobei man glauben muss, dass sie auf ihren Irrfahrten erst in einer russischen, dann in einer chinesischen Raumstation landet und immer imstande ist, sich zu retten. Na ja, die Handbücher – sie mögen ja beispielsweise in russischer Schrift sein, aber es gibt ja immer noch die Bilder, nach denen man sich richten kann. Und Sandra Bullock spielt zwar keine Superheldin, aber eine Frau, die nicht aufgibt – wenngleich es auch schwer fällt zu glauben, dass sie all die körperlichen Anstrengungen, die man im Kinosessel mitfühlt, überhaupt ertragen kann, von den logischen Ängsten, die sie schütteln, mal abgesehen…

Dass Cuarons Film teils hymnisch-begeisterte Kritiken bekommen hat, liegt wohl vor allem an der Machart, und da wiederum an den Szenen außerhalb der Raumschiffe. Drinnen kann man sich auf das Talent einer fast fremd und logischerweise gestresst aussehenden Bullock verlassen, dass man mit ihr zumindest bangt und hofft. Draußen gibt es wahrlich bestrickende Bilder des Weltall selbst und der in allen Variationen herumschwebenden, gegen Raumschiffe und sonstiges knallenden, sich haltenden und verlierenden Menschen – weiß der Himmel, wie der Kameramann das gemacht hat, wie solche Szenen echt oder künstlich gezaubert werden konnten, wobei 3 D hier so sinnvoll ist wie selten. Da steckt oft ein gewaltiges Potential an Bild-Magie, -Poesie und –Schönheit darin, mitsamt dem philosophischen Impakt über die Verlorenheit des Menschen im All.

Trotzdem: Übertrieben spannend oder fesselnd ist „Gravity“ nicht. Aber als besonderen Film muss man es doch allemale  bezeichnen. 

Renate Wagner

 

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