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GETAWAY

26.11.2013 | FILM/TV

 

FilmPlakat Getaway

Ab 29. November 2013 in den österreichischen Kinos
GETAWAY
USA  /  2013 
Regie: Courtney Solomon
Mit: Ethan Hawke, Selena Gomez, Jon Voight u.a.

Eines darf man mit Sicherheit nicht: An den Klassiker von 1972 denken, als Sam Peckinpah Steve McQueen und Ali MacGraw nach einem Bankraub flüchtend über die Leinwand hetzte… Davon gab es übrigens schon ein Remake: Kim Basinger und Alec Baldwin dachten, da sie (damals) privat ein Ehepaar waren wie einst McQueen und MacGraw auch, sie seien ideal dafür geeignet. Sie waren es nicht. Aber was sich nun unter dem offenbar nicht geschützten Titel „Getawy“ präsentiert, hat mit keinerlei Vorbild zu tun. Denn wäre es so – dann wäre das Vorbild wahrlich kein Remake wert.

Merke, der allergrößte Teil des Films spielt – im Auto. Die Kamera guckt mal von da, mal von dort, aber sie hat meist Ethan Hawke und dann an seiner Seite Selena Gomez im Visier. Und dann rasen sie per Auftrag sinnlos durch die Gegend… Nun, Kinodrehbücher sind nicht immer gescheit, auch in „Speed“ musste Sandra Bullock den Bus immer auf hoher Geschwindigkeit halten, weil Verbrecher es von ihr verlangten. Aber ein bisschen Sinn sollte die Vorgabe schon machen. Hier vermisst man diesen völlig.

Ethan Hawke spielt den ehemaligen Rennfahrer Brent Magna. Weil man in Bulgarien drehen wollte (das ist vermutlich eine Frage des Budgets), kommt er dorthin heim und möchte seine Frau sehen. Doch stattdessen erhält er einen Anruf – sie ist entführt worden, und er muss jetzt alles tun, was man ihm sagt. Er tut es widerstrebend, und Gott sei Dank kann er das berufsbedingt gut: Er muss ein bestimmtes Auto stehlen und brutal und rücksichtslos damit herumrasen und seine ganze Kunst aufwenden, um nicht massenhaft Leute dabei zu töten. Warum die Dinge von ihm verlangt werden, kapiert man ohnedies nie (und will sich auch nicht die Mühe nehmen, es zu tun). Eine geheimnisvolle Stimme am Telefon (im Original Jon Voight, zu sehen bekommt man ihn nie) gibt Anweisungen – und verrät auch am Schluss, was dahinter gesteckt ist. Nur ist die Lösung so kapital doof, dass man sie kaum für möglich hält.

Damit Brent Magna mit den albernen Aufgaben, die man ihm abverlangt, nicht ganz allein ist, drückt ihm das Drehbuch noch ein junges Mädchen drauf: Sie wird „The Kid“ genannt und von der mittlerweile 21jährigen Selena Gomez gespielt, die immer noch wie ein Teenager aussieht und diesmal nicht auf ihre Sängerinnen-Qualitäten zurückgreifen muss. Sie ist einfach ein Gör von heute, das dem Rennfahrer schlecht erzogen am Pelz klebt, bis sie – wenn er seine entführte Frau wieder hat – ihrerseits gerettet werden muss… Aber eigentlich geht es nur darum, im Auto herumzurasen – viel mehr hat Regisseur Courtney Solomon nicht zu bieten.

Wahrscheinlich wollte man eine „Fast & Furious“-Paraphrase drehen, denn diese Filme mit dröhnenden Autos haben viel Geld gemacht. Aber sie hatten eine Menge Helden, echte Action, starke Sprüche. Hier hat man nur Ethan Hawke, der höchstens andeutungsweise charismatisch ist, wenn er mit Julie Delpy einen sensiblen Dichter spielt, dem man aber keinen  harten Rennfahrer abnimmt. Der Film war, vermutlich wegen des Drehorts und der wenigen Darsteller, billig. Sein Geld hat er in den USA auch Monate nach dem Star noch nicht eingespielt. Guter Rat: Nicht auf den europäischen Markt hoffen…

Renate Wagner

 

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