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Gerhard Volfing: DIE TEMPLER UND IHRE BURGEN

01.11.2012 | buch

Gerhard Volfing: 
DIE TEMPLER UND IHRE BURGEN
Kreuzritterfestungen in Österreich und im Nahen Osten
200 Seiten, Pichler Verlag, 2012 

Autor Gerhard Volfing ist kein „gelernter Historiker“ von Beruf, sondern Techniker und Projektmanager, aber sein Interesse an den Templern ist verbürgt – er hat schon einige Bücher in einem Kleinverlag über sie veröffentlicht. Nun ist es ihm gelungen, mit seinem neuesten Buch unter die Fittiche des großen Styria-Konzerns zu schlüpfen und kann seine neuesten Entdeckungen nun auf Hochglanzpapier und reichlich farbig bebildert präsentieren.

Die Einleitung gibt einen sehr gut lesbaren Überblick über den 1119 gegründeten Templerorden, der während der Kreuzzüge in kürzester Zeit „Karriere“ machte (nämlich die Akkumulation von viel Geld und Beziehungen), dann aber, wie man weiß, auf Initiative des französischen Königs Philipp („der Schöne“ genannt) brutal ausgelöscht wurde – die Hinrichtung von Großmeister Jacques de Molay am 18. März 1314  läutete das Ende der Templer ein, denen der Autor mit offensichtlicher Bewunderung gegenübersteht.

Neu an seinem Buch ist nun die ausführliche Beweisführung, dass es sich bei der Burg Lockenhaus im Burgenland (Musikfreunde kennen den Ort durch die dort jahrelang abgehaltenen Konzerte von Gidon Kremer) um eine Templerburg handelte. Darüber spricht man zwar angeblich in der Umgebung, aber man kann nicht sagen, dass es allgemein bekannt wäre. Volfing argumentiert nicht nur mit historischen Fakten (tatsächlich könnten sich die ungarischen Templer, die von den Ereignissen in Paris nicht schnell erfuhren – kein Fernsehen, kein Internet -, hier noch nach der Verfolgung in Frankreich gehalten haben), sondern auch mit Fotos: da sind die Quadersteine, mit denen sie traditionsgemäß bauten, da findet man ihr Tatzenkreuz ziemlich erkennbar an einem unterirdischen Schlusstein, und Wandgemälde, so weit sie noch erhalten sind, können durchaus als Templer-Bildnisse gedeutet werden. Das Kapitelhaus (eindrucksvoll!) soll zur Templer-Bluthalle geworden sein, wo die letzten ihr Leben ließen…

Da Lockenhaus nicht ein ganzes Buch gefüllt hätte, erweitert der Autor die Kenntnisse des Lesers um wenig bekannte Templerfestungen im ehemaligen „Heiligen Land“, heute Syrien, die er offenbar mit einer Gruppe Freunde (ihr Foto ist am Ende des Buches zu sehen) besucht und genau erforscht hat. Allerdings ist es, offen gesagt, eine Johanniterburg, die im Nahen Osten am meisten beeindruckt, und darum hat Volfing auch Krak des Chevaliers in sein Buch aufgenommen. Und weil die Assassinen als Vorläufer aller Selbstmordattentäter enorm an Beachtung zugelegt haben, ist auch noch die Assassinenburg Masyaf behandelt. Aber eindeutig ist die „Identifizierung“ von Lockenhaus als Bestandteil der Templer-Geschichte der interessanteste Teil des Buches.

Renate Wagner

 

 

 

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