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Gerhard Tötschinger: VIVA L’ITALIA

30.12.2012 | buch

Gerhard Tötschinger: 
VIVA L’ITALIA
Erlebtes – Erdachtes – Erlesenes
224 Seiten. Amalthea Verlag 2012 

Die Bücher von Gerhard Tötschinger sind oft eine Freude. Da hat einer Spaß am Reisen und gleichzeitig an der Kultur, die ihm dabei begegnet. Und er teilt es auf so lockere Art mit, dass die Wissensvermittlung zum Vergnügen wird. Was will man mehr?

Er war auf den Spuren der Habsburger unterwegs, auf den Spuren von Haydn und vieler anderer mehr: Diesmal ist Italien an der Reihe, und da das Verdi-Jahr nun angebrochen ist, kommt dieser auch prominent in „Viva l’Italia“ vor, wo sich „Erlebte-Erdachtes-Erlesenes“ so angenehm mischt. Die Stimme des Italien von heute erhebt sich in Tötschingers dialogischen Auseinandersetzungen mit seinem Freund Ruggero, der trotz Berlusconi, Staatsschulden und Co. nicht bereit ist, seine Heimat aufzugeben („Jedes Volk gerät in Momente, sagt Umberto Eco, da es seinen Verstand verliert. Und dabei denkt er an Mussolini, an Hitler und er denkt auch an die Wahlen, die Berlusconi an die Macht gebracht haben.“). Da kommt sehr viel von der Gegenwart zur Sprache.

Wenn Tötschinger durch Italien reist, herrscht eine glanzvolle Vergangenheit. Er nimmt uns mit, bunt durcheinander, in kulinarische Vergangenheit (Lukullus! Er brachte „Kirschen für Rom“ aus dem Orient, wie ein deutsches Erfolgslustspiel hieß, in dem immerhin Gründgens spielte), und wenn er schon bei den Römern ist, weint er später zu Recht über ein verfallendes Pompej und empfiehlt den Reiz von Ostia…

Zurück zum Essen und in die Gegenwart, wo Italien seine Krise der Gastronomie wohl wieder überwunden hat. Reden wir über Pasta (mit der Erwähnung, dass „Makkaroni mit Käse“ die Lieblingsspeise von Beethoven war!).  Da gehören auch die Märkte dazu, und Tötschinger kennt sich aus, seine Tipps könnten in Reiseführern stehen. (Etwa die Märkte von Palermo, die schon den orientalischen Souks verwandt sind.) Aber es gibt auch andere uritalienische Themen – etwa über die Carabinieri…. oder österreichisches Crossover, etwa, wie viele große österreichische Firmen ihre engen italienischen Beziehungen hatten…

Er erzählt von Federico Fellini, den er unendlich verehrt hat, wobei man sagen muss, dass dies ein sehr persönliches Buch ist, bei dem der Autor sein Licht nicht unter den Scheffel stellt (er geht ausführlich auf seine verschiedenen kulturellen Tätigkeiten ein, in Todi in Umbrien war er einmal sogar eine Art Intendant, gelegentlich darf auch Christiane Hörbiger im Foto und im Text als Frau an seiner Seite mitwirken).

Der Opernfreund findet sich hier auf den Spuren von Puccini („Gianni Schicchi“ ist Tötschingers  Lieblingswerk, von seiner Begegnung mit Giuseppe Taddei liest man ausführlich), auf jenen von Verdi (nicht auszudenken, wie der Verdi-Tourismus 2013 explodieren wird), aber man ist auch bei Donizetti in Bergamo, wo auch Simon Mayr so erfolgreich war… Italien und die Musik, eine unendliche Geschichte.

Und schließlich wird auch noch (obzwar kein Musiker) Giuseppe Garibaldi ein großes Kapitel gewidmet und dem großen Papst Johannes XXIII. auch. Und Giovanni Guareschi, dem „Don Camillo“-Schöpfer (angeblich die Lieblingsfilme des derzeitigen Papstes)…. Und, und, und. Was soll man dazu sagen als – „Viva l’Italia“, das Land, das die Österreicher – Tötschinger an der Spitze – bekanntlich so innig lieben.

Renate Wagner

 

 

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