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GENF/ Théâtre des Nations: ALCINA

21.02.2016 | Oper

Alcina in Genf am 19.2.2o16 im Théâtre des Nations

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Nicole Cabell (Alcina), Kristina Hammarström (Bradamante)Copyright: Magali Dougados

 Das Grand Théâtre de Genève ist im Umbau. Eigens dafür wurde ein Provisorium auf dem Platz der Nationen beziehungsweise am Sitz der Vereinten Nationen aufgestellt.

 Seit Anfangs Jahr ist die Oper Genf geschlossen und wird es für zweieinhalb Jahre bleiben. Die Renovationsarbeiten die auf 66 Millionen Franken veranschlagt wurden, dienen dazu, das altehrenwerte Haus auf Vordermann zu bringen. Sicherheitsvorschriften welche die Arbeitssicherheit der Mitarbeitenden verbessern sollen und die Ertüchtigung der Lüftungsanlage machen diesen aufwendigen Umbau unumgänglich.

 Von Paris hat man einen ausgedienten Theaterbau aus Holz übernommen welches für die nächsten Jahre das Opernhaus in Genf ersetzen wird. Das modular zusammensetzbare Théâtre Éphémère der Comédie-Française wurde für rund 10 Millionen Franken eingekauft. Notabene, Kosten welche von privaten Mäzenen getragen werden. Das Provisorium hat Platz für 1118 Personen, rund 400 Plätze weniger als in der Oper auf der Place Neuve. Als erstes Bühnenwerk wurde die Alcina von Händel aufgeführt.

 Alcina ist eine Zauberin, die ihre Kräfte in den Dienst der Verführung stellt. Mit ihren trugbildhaften Zaubersprüchen lockt sie Ritter auf ihre Insel und verwandelt sie kurz darauf in wilde Tiere oder Felsen. Doch zuletzt wurde die Verführerin selbst verführt. Sie verliebt sich in den Ritter Ruggerio, den sie sein vorheriges Leben vergessen macht. Alcina, in ihrer eigenen Falle gefangen, kann den eigenen Niedergang nicht aufhalten. Ruggerio verlässt sie und kehrt zurück in die Arme seiner geliebten Bradamante. Der Zauberin, die nun ihrer Mächte beraubt ist, bleiben nur ihre bitteren Tränen.

 Die Inszenierung ist überaus gelungen. Alles findet in einem gediegenen Salon statt. Überall sind ausgestopfte Tiere zu sehen sowie eine Vielzahl von exotischen Pflanzen schmücken den Raum. Das Einheitsbühnenbild dominiert die Aufführung den ganzen Abend lang, die knapp drei Stunden andauerte.

 Nicole Cabell (Alcina) bekommt eine hohe Lobpreisung. Wunderbar funkeln die vielen larmoyanten Arien wie das einmalige Glitzerkleid der Protagonistin. Es gab aber auch zahlreiche Bravo-Rufe und tosenden Applaus für die ausgewogene Ensembleleistung in der Regie von Barbora Horakova Joly und unter der bravurösen musikalischen Leitung von Leonardo Garcia Alarcon. Das Bühnenbild von David Bösch stellte einen Raum voller Zauberkräfte für Alcina dar. Kostümbildnerin Bettina Walter gab der Kleidung einen romantischen Zuschnitt.

 Siobhan Stagg (Morgana) überzeugte nicht nur stimmlich, sondern auch mit einer exzellenten schauspielerischen Leistung. Die wunderbare Kristina Hammarström (Bradamante) und eine kontrollierte gut fokussierte Monica Bacelli (Ruggiero) komplettierten das Quartett der vier einmaligen Hauptfiguren.

 Die Musiker des Orchestre de la Suisse Romande spielten wie aus einem Guss und erwiesen sich auch auf neuen Instrumenten als Spezialisten der Alten Musik. Die Barockzeit war im Orchester mit Lauten, Gambe und Cembali vertreten. Das Publikum dankte auch hier mit viel Applaus.

Marcel Paolino

 

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