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GENF: PORGY AND BESS

22.02.2015 | Allgemein, Oper

Porgy and Bess in Genf vom 19.2.2015

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Foto: Carole Parodi

Mit „Porgy and Bess“ hat der amerikanische Komponist George Gershwin 1935 eine ernste American Folk Opera komponiert und zwar ein Werk über Schwarze mit Schwarzen. Zu dieser Zeit waren die Schwarzen noch immer Menschen dritter Klasse. Mit diesem Meisterwerk holte der Musiker schwarze Sängern auf die Theaterbühne. Das Meisterwerk Gershwins ist eine Geschichte aus Tragik und Leidenschaft. Trotz vieler Aufführungen war das Stück nicht von Anfang an überall ein grosser Erfolg. Erst in den 40er Jahren wurde sie weltweit berühmt und gilt heute als die grosse amerikanische Oper ohne Konkurrenz. Sie wird untermalt von Spirituals, Blues- und Jazzelementen und klassischer Musik.

Die ebenso liebevoll wie konventionell gemachte Inszenierung des New York Harlem Theater war im Grand Thèâtre de Genève zu Gast. Sie belegt schon Kultstaus und wurde von den USA in die Welt hinausgetragen und vielerorts in Europa gezeigt und jetzt auch in der Rhone Stadt. Wieso etwas neudeuten, wenn es eine publikumswirksame Aufführung gibt, die Werktreue wiederspiegelt und mit hervorragenden Solisten besetzt ist? Man könnte es nicht besser machen, im Gegenteil: Inszenierungen die den Ursprung der Geschichte verfälschen und alles neudeuten gibt es zuhauf. Da tut es wieder einmal gut eine unverfälschte gar altmodische Aufführung zu sehen.

Dieses aufwendige Theaterereignis präsentiert das New York Harlem Theatre seit Jahren auf den Bühnen der renommiertesten Opernhäuser der Welt. Seine herausragenden Starsolisten, sein stimmgewaltiger Chor und sein exzellentes Orchester bietet damit eine echte Rarität. Denn das in der gesamten Opernliteratur beispiellose Werk darf zur Wahrung seiner Authentizität ausschliesslich mit schwarzen Darstellern zur Aufführung gebracht werden. Diese Verfügung verleiht der Inszenierungen wahren Seltenheitswert. Ganz besonders gilt dies jedoch für die Produktion des New York Harlem Theatre, die Gershwins bewegendes Meisterwerk in der Inszenierung der Broadway-Berühmtheit Baayork Lee in unübertroffener Genauigkeit Ausdruck verleiht.

Der Bariton Terry Cook ist ein treuherziger, stimmlich souveräner Porgy, Morenike Fadayomi eine körperlich und stimmlich üppige Bess, die mit ihren eindringlichen Sopran zum Star des Abends wird. Der agile Tenor Jermaine Smith scheint mit Weste und Melone nahtlos mit seiner Rolle des fiesen Sportin‘ Life verwachsen, der in seiner zynischen Gottlosigkeit vor den gläubigen Schwarzen ganz entspannt den Jahrhundert-Hit „It Ain’t Necessarily So“ singt. Bei kleineren Rollen wie der „Summertime“-Sängerin Heather Hill als Clara sowie Mari-Yan Pringle als Fischersfrau Serena nehmen Schönheit und Tragfähigkeit der Stimmen eine zentrale Rolle ein.

Der gewaltige Chor und das auf Hochform vorbereitetes Orchester vom New York Harlem Theater durch den Dirigenten Baayork Lee runden diese mehr als nur gelungene Aufführung ab. Standing Ovations und Jubel im ausverkauften Theater.

Marcel Paolino

 

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