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GENF: LA GRANDE-DUCHESSE DE GEROLSTEIN – Krieg als flottes Weihnachtssujet

31.12.2014 | Operette/Musical

La Grande-Duchesse de Gerolstein in Genf vom 29.12.2014 (zweitletzte Vorstellung)

 Krieg als flottes Weihnachtssujet

 Es geht in diesem operettenhaften Werk um eine Fürstin, die vor langeweile Krieg anzettelt und den Soldaten Fritz zum adligen General macht, damit sie mit ihm ins Bett steigen kann. Doch Fritz will davon nichts wissen, weist sie zurück, wird degradiert und heiratet seine Wanda.

 Die Musik ist spritzig wie der Sekt. Die Story oberflächlich und langweilig, die Produktion gespickt mit witzigen Einlagen, schönen Kostümen, einem mehr als nur ansehnlichen Bühnenbild und flotten Sänger und Sängerinnen, die mit viel Charme dieser Aufführung viel abgewinnen können.

 Mit viel Charme und Witz lässt der Regisseur Laurant Pelly (der auch für die Kostüme zuständig war) die Sänger und Sängerinnen wie auch der Chor und das Ballett auf der Bühne agieren. Mit einem ausgeklügelten und charmanten Bühnenbild (Chantal Thomas) passte diese Produktion hervorragend in die Weihnachtszeit hinein; Balustraden, Treppen und Sofa-Möblierung sowie marschierende Soldaten und urkomischen Balletteinlagen (wo Männer die Frauenrollen der Balletttänzerinnen übernehmen und staksig komisch herumturnen) vervollständigen den positiven Gesamteindruck dieser gelungenen Produktion. Es gab viele Lacher für das Publikum.

 Auf der Bühne stand ein spielfreudiges Ensemble. Es zeigte, wie schön es singen kann, aber auch, wie fähig man war, mal dem Wort oder dem Spiel mehr Gewicht zu geben. Ruxandra Donose war eine hinreissende Grande-Duchesse. Fabio Trümpy (Fritz) wagte mit seinem zarten Tenor wahre Bocksprünge, und die mädchenhafte Wanda (Bénédicte Tauran) konnte ihren so edlen und warmen Sopran bis zur Überzeichnung führen. Mit Jean-Philippe Lafont als urkomischer General Boum, Boris Grappe (Baron Puck), Rodolphe Briand (Prinz Paul) und Michel de Souza (Baron Grog) waren auch die zweiten Rollen glänzend besetzt. Dirigent Franck Villard am Orchesterpult, zeigte dirigierend, dass er von der musikalischen Qualität von Offenbachs «Duchesse» überzeugt ist. Man hörte, wie fordernd diese Musik ist, staunte über ihre zarten Seiten. Bis zum Schluss hatte man nicht genug von den knalligen Rhythmen und man mochte ausgiebig applaudieren und freute sich über die mehrfach wiederholenden musikalischen Einlagen.

 Marcel Paolino

 

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