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GENF: IPHIGÉNIE EN TAURIDE von Chr.W.Gluck.

30.01.2015 | Allgemein, Oper

Iphigénie en Tauride von Christoph Willibald Gluck am Grand Théâtre de Genève vom 29.01.2015

Iphigenie
Anna Caterina Antonacci, Bruno Taddia. Copyright: Carole Parodi

Eine Göttin zeigt Grösse. Gerade steht Agamemnon, König von Mykene, im Begriff, seine Tochter Iphigénie der zornigen Diana zu opfern, da entscheidet diese sich zur Milde und entführt die Jungfrau auf die Insel Tauris. Bis jetzt, und das seit fünfzehn Jahren, verrichtet Iphigénie dort das Amt der Priesterin. Weil dem Herrscher Thoas geweissagt wurde, ein Fremder werde ihn töten, hat er Iphigénie den Befehl erteilt, jeden Ankömmling in Dianas Tempel zu töten. So auch jene Schiffbrüchigen, die nun an Tauris Küste geworfen werden, Orest und Pylades, der Bruder Iphigénies samt Freund. Durch Orest erfährt Iphigénie von den grausigen Taten, des Gatten- und Muttermord, die Klytämnestra und Orest verübten. Daraufhin schreibt sie der Schwester Elektra und bestimmt Orest als Überbringer des Briefes. Der Muttermörder aber, vom Gewissen geplagt, verlangt, dass Pylades statt seiner freigelassen werde. Doch der Freund unternimmt alles um Orest zu retten. So kommt es zum tödlichen Wettkampf, bei dem die Prophezeiung erfüllt wird und Thoas fällt. Die Sanftmut der Göttin sorgt dafür, dass daraus kein weiterer tödlicher Streit entbrennt. Diese Oper ist antikes Drama pur, angereichert mit einer unglaublich berührenden Musik.

Innen und aussen, Musik und Bühne, Mensch und Puppe, das sind die Gegenpole die diese Inszenierung prägen. Lukas Hemleb (Regie), Alexander Polzin (Bühnenbild) und Andrea Schmitt – Futterer (Kostüme) , setzten auf Ästhetisierung, Feingefühl und Distanz. Das Thema Seelenleben und was geht im inneren der Protagonisten vor wird stark visualisiert mit Puppen in Doppelrollen. Sie zeigen Emotionen, Zerrissenheit und Gefühle wo die Protagonisten Haltung, Überlegenheit und Stärke vermitteln sollen.

Anna Caterina Antonacci gestaltet die Titelpartie der Iphigénie souverän und differenziert, vor allem beherrscht sie die dramatische Seelenregung und die kultivierte Gesangsgestaltung. Tolle Leistungen erbringen Bruno Taddia als wohltönender, zu feiner dynamischer Abstufung fähiger Oreste und Alexey Tikhomirov als Barbarenkönig Thoas. Hervorragend wird das Ensemble ergänzt von Steve Davislim (Pylade) und Julienne Walker als Diane.

Dirigent Hartmut Haenchen, ein ausgesprochener erfolgreicher Barockopern Dirigent, führt das Orchester sehr flexibel und stilbewusst und sorgt für ausgewogene Klangfarben. Der Chor ist stets präsent, zuverlässig und hervorragend vorbereitet durch den Chorleiter Alan Woodbridge. Das Publikum im nicht ausverkauften Haus klatschte lautstark und ausdauernd.

Marcel Paolino

 

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