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GENF/ Grand Théâtre de Genève: RIGOLETTO

07.09.2014 | KRITIKEN, Oper

Grand Théâtre de Genève, Rigoletto am 6.8.2014

 Lustvoll zelebriertes Sängerfest mit viel Akrobatik und schönen Bildern. Lisette Oropesa als Gilda und Andrzei Dobber als Rigoletto in den Titelpartien tragen den gelungenen Abend.

 Robert Carsen (Regie) Radu Boruzescu (Bühne) und Miruna Boruzescu (Kostüme) haben eine witzige Produktion entworfen, die mittels einer ausgefeilten Personenregie spannend und sehenswert ausgefallen ist. Die ganze Oper findet in der Zirkusmanege statt. Rigoletto ist ein Zirkusclown, schön geschminkt und mit weissem prächtigem Kostüm. Gilda lebt in einem Zirkuswagen und lässt sich in der Arie „ caro nome“ auf einem Hocktrapez hoch über der Manege durch die Lüfte gleiten, bei einem wunderschönen Sternenhimmel. Die Akrobaten (Bruce Chatirichvili, Colin Cluzaud, Romain Guiniot, Jérémie Guiot, Mensor Harhoura, Antoine Lafon) bringen sehr viel Witz und gekonnte Bewegung ins Spiel. Köstlich wie die Artisten sich auf der Leiter kunstvoll herumräkeln oder wie ihre akrobatischen Einlagen perfekt daherkommen und oftmals zum Schmunzeln beitragen.

 Carsens Personenführung lässt den Protagonisten nicht viel Raum für die eigene Charakterisierung der Rollen, sie verfolgen ein klares Regiekonzept. Der Herzog ist ganz strahlender, gutgelaunter Verführer, Rigoletto hinter der Fassade des Possenreissers ein zutiefst anrührender Vater. Seine Gilda eine larmoyante und zutiefst rührende in ihrem Spiel ans Herz gehende Darstellerin. Sie verkörpert die reine, behütete Tochter, die in der Musik so wunderbar vorgegeben ist. Einfach Wundervoll!

 Als Rigoletto überzeugt Andrzej Dobber. Reich ist seine Farb- und Ausdruckspalette, exemplarisch seine Sprachbehandlung und phänomenal seine Höhe.

Der junge Sänger Georgy Vasiliev präsentieren sich recht gut. Er stattet den leichtlebigen Herzog mit verführerischem tenoralem Glanz und Schmelz aus und macht mit seinen recht guten Spitzentönen kleine Schwankungen in der Tongebung und neigt zu Forcierungen (manchmal singt er etwas allzu lautstark).

Dass er den Hit «La donna è mobile» wenig differenziert hinschmettert, liegt nicht nur an ihm sondern auch stark am Dirigat. Zweifellos versucht Alexander Joel den Staub aus der Partitur herauszufegen und legt viele Details frei. Die Raffinesse des ersten Aktes weicht gegen Schluss aber immer mehr einer nicht packenden, zuweilen etwas langweiligen Begleitung. Hervorragend der Chor (Alan Woodbridge)

 Lisette Oropesa ist eine sehr koloratursichere, innig zarte Gilda, welche die Kantilenen gleichsam mit dem Silberstift zeichnet. Dabei kommt die Liebe zum Vater allerdings glaubhafter zum Ausdruck als die Leidenschaft für den Herzog die Gilda ihr Leben opfert. Sie gestaltet ihre grosse Arie im ersten Akt fein, als zurückgenommenen, lyrischen Monolog. Im dramatischen zweiten Teil, wo sie sich anstelle des Herzogs vom Meuchelmörder Sparafucile (sehr überzeugend: Sami Luttinen) ermorden lässt, begeistert die Sopranistin mit dramatischen Tönen.

 Sehr gut besetzt ist die kleine Partie der Maddalena: mit der gut aussehenden und stimmsicheren Ahlima Mhamdi.

Marcel Paolino

 

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