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GENF/ Grand Théâtre de Genève: LA WALLY. Premiere

19.06.2014 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

GRAND THÉÂTRE DE GENÈVE: LA WALLY, Premiere vom 18. Juni 2014


Foto: Grand Théâtre de Genève

 Von La Wally ist bis heute vor allem die Arie der Titelheldin «Ebben ne andrò lontana» bekannt. Die Geschichte ist schnell erzählt: Vor der Zwangsverheiratung flüchtet Wally zunächst in die Isolation des Hochgebirges und kämpft dann als reiche Hoferbin emanzipiert um die Liebe des Jägers Hagenbach. Doch als das Paar nach langem Ringen endlich auf dem Gletscher zusammenfindet, macht eine herabstürzende Lawine ihr Glück zunichte.

 Am Grand Théâtre de Genève war diese letzte Premiere der Spielzeit 2013/14 mit Spannung erwartet worden. Nie in der Geschichte der Genfer Oper wurde dieses Werk gegeben. Der Regisseur Cesare Lievi und sein Ausstatter Ezio Toffolutti verzichteten in der Umsetzung vielleicht auch deshalb bewusst auf Aktualisierung, und brachten dafür eine konventionelle Regie und schöne Bildtableaus auf die Bühne. Eine weissgraue Gletscherwelt, Wolken und Schnee, eine Stube in den Bergen und die Gletscherspalte wurden sorgsam angefertigt und waren schön anzusehen. Die Kostüme entsprachen den österreichischen Trachten jener Zeit. Eine schöne Inszenierung ohne jeglichen Hang zu modernem, psychologisierendem Regietheater!

 Ainhoa Arteta dominierte als Wally die Bühne, machte jede ihrer Szenen zu stimmigen, bewegenden Auftritten. Ihre schön fokussierte, ausdrucksstarke Stimme vermochte die starke Kämpferin wie auch ihre Verletzlichkeit auszudrücken. Ihr tenoraler Partner Yonghoon Lee als Hagenbach lief in der dramatischen Schlussszene zu ganz grosser Form auf und es war plötzlich nachvollziehbar, weshalb sich die Wally nach anfänglich unsympathischen Gehabe zu diesem Mann hingezogen fühlte. Ihm kam alles Leichtgängig über die Lippen. Vom heldisch-tenoraler Gewichtheberei kaum etwas zu spüren. Er wirkte darstellerisch unbeschwert, sehr froh darüber den Sturz in die Gletscherspalte überlebt zu haben.

In der Rolle des Gellner brillierte Vitaliy Bilyy mit seinem trotz des enormen Stimmvolumens geschmeidigen, alle Facetten eines verletzten wie brutal agierenden Gegenspieler ausstrahlenden Bariton.

Ihre wunderbaren Leistungen bestätigten Ivanna Lesyk-Sadivska (Walter) die Entdeckung des Abends, Ahlima Mhamdi (Afra) und der vor Altersbosheit nur so strotzende Bálint Szabó als Strominger. Bestens vorbereitet, präzise und sich fulminant in die Naturgewalten steigernd spielte das das Orchestre de la Suisse Romande unter der profunden Leitung von Evelino Pidò. Der bestens einstudierte Chor bot wunderbare Piani und Gesangskultur vom feinsten.

Über folgendem Link kann man das Video einsehen: https://www.youtube.com/watch?v=lHqhDGQovvs#t=13

 Marcel Paolino

 

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