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GENF/ Grand Théâtre de Genève: DIE ZAUBERFLÖTE. Premiere

25.12.2015 | Oper

„Die Zauberflöte“, Premiere vom 23.12.2015 am Grand Théâtre de Genève

par
Andreas Wolf, Pretty Yende. Copyright: Carole Parodi

 Bevor die Premiere begann, traten der Direktor Tobias Richter und zwei Damen der Stadtverwaltung vor den Vorhang um sich für die 2’000’000.-Franken Budgetkürzungen zu rechtfertigen, welche für die gesamten Kulturausgaben beschlossen wurden. Die linearen Kürzungen führten nämlich dazu, dass zuvor Vandalen Akte die Fassade des Opernhauses mit Motorenöl verunreinigten und somit einen immensen Schaden herbeigeführt haben. Die Fassade besteht aus Sandstein und die vorherrschenden Skulpturen ebenfalls. Somit wird die Restaurierung nicht ganz einfach werden, wenn Motorenöl eingesetzt wurde.

 Kommt hinzu, dass es die letzte Premiere im angestammten Haus ist. Die Oper wird erneut einer Sanierung unterzogen, weil die Bühnentechnik immer noch nicht so recht funktionieren will. Bei den Vereinten Nationen wird ein Provisorium aufgestellt. Das heisst, man hat in Paris ein altes Theater gekauft (ebenfalls ein Provisorium) und stellt es in Genf auf. Über die Kosten wurde in Genf viel diskutiert und die Zeitungen berichteten regelmässig darüber.

Anstatt der ursprünglich angesetzten Inszenierung von Daniel Kramer wird aus künstlerischen Gründen eine Zauberflöten-Produktion von Jürgen Rose vom Theater Bonn übernommen.

 Die Inszenierung ist gefällig, schlicht und akzentuiert das Wesentliche. Sympathisch sind die kurzen Szenenwechsel welche die Längen im zweiten Teil nach der Pause reibungsloser und somit schneller ablaufen lassen. Das Bühnenbild ist schlicht und die Kostümierungen und Maskierungen sind originell. Erinnern etwas an Krieg der Sterne, an überirdische Menschen.

 Musikalisch zeigte sich ein nicht ausgewogenes Ensemble, mit einigen Hochs und Tiefs.

 Joachim Bäckström war ein guter aber nicht glanzvoller Tamino. Ihm fehlten die ausgeprägten Lyrismen und die schauspielerische Fähigkeiten. Jeremy Milner war ein noch schlankstimmiger, fein singender Sarastro. Mandy Frederich erntet vielerorts gute Kritiken. Trotz Vorschusslorbeeren meisterte sie die mörderische Königinnen-Partie respektabel aber nicht wirklich überzeugend. Ihre Interpretation war eher flach und konzentrierte sich auf das Wesentliche.

 Die Sensation des Abends war Pretty Yende die mit Jubel und Ovationen bedacht wurde. Ihre Stimme ist für die Pamina eher eine Luxusbesetzung. Sie wirkte nicht wie das kleine schüchterne Mädchen, sondern trat als selbstbewusste Frau auf, die ihr Schicksal eher vorausahnte als naiv in etwas ungewissen hineinzutappen. Ihre Stimme spricht mit wunderbarer Leichtigkeit an, verfügte über ein traumhaftes Piano und ebenso über wunderbare Lyrismen.

 Und Papageno war Publikumsliebling! Andreas Wolf verkörperte einen perfekten Vogelhändler und verfügte über viel Witz und Charme.

 Am Pult des Orchestre de la Suisse Romande stand der junge ungarische Dirigent Gergely Madaras, der sein Debüt am Grand Théâtre de Genève gab. Sein anfänglich etwas schleppendes Dirigat entfachte sich im Verlauf des Abends zu mehr Schwung und Temperament. Wohl mit etwas mehr Erfahrung und Routine kann dieser junge Dirigent sicherlich auf eine hoffnungsvolle Karriere zählen.

Marcel Paolino

Zum Interview mit Pretty Yende

https://www.youtube.com/watch?v=kRPmK3soZLI

 

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