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GENF: CAVALLERIA RUSTICANA / I PAGLIACCI

Neuinszenierung, zweite Vorstellung

20.03.2018 | Oper


Marcello Giordani, Roman Burdenko. Copyright: Carole Parodi

Cavalleria Rusticana / I Pagliacci in Genf, am 19.03.2018 (Premiere war am 17.3.)

 

Cavalleria Rusticana

Die Regie wurde Emma Dante anvertraut, welche die Aufführung für das „Teatro comunale die Bologna“ im Frühjahr 2017 realisierte und nun in Genf gezeigt wird. In Italien wurde dazumal das Werk zusammen mit La voix humaine von Francis Poulenc gezeigt. In Genf ging man den klassischen Weg und kombinierte altbewährt mit I Pagliacci. Hingegen wurde die beiden Werke von unterschiedlichen Teams realisieret.

Die ganz in schwarz gehalten Inszenierung wurde gespickt mit religiösen Klischees die regelrecht bis zum Überdruss und Exzess zelebriert wurden. Der leidende kreuztragende Christus, die weinenden Frauen am Kreuz und der römische Soldat der Christus auf seinem Leidensweg auspeitscht waren zentrale Nebenschauplätze der Handlung, die repetitiv immer wieder gezeigt wurden. Dieses Trauerspiel zieht die Regisseurin wie ein Passionsspiel bis zum Schluss durch. Am Ende rennen die drei weinenden Frauen zu Mama Lucia und beweinen sie um ihren ebenfalls verstorbenen Sohn. Die Idee ist schlüssig, wirkt aber zum Schluss sehr lächerlich, angesichts der weit aufgerissenen Münder der drei Frauen. Erstickend und erdrückend ist diese Inszenierung, obwohl sie an Ostern stattfindet so fühlt man sich den Abend lang an Karfreitag. Der Chor ständig in schwarz gekleidet und die Damen zusätzlich mit einem schwarzen Schleier versehen, wirken wie die weinenden Klageweiber zu Karfreitag, die den Tod des Herren bejammern. Einziges Bühnenbild (Carmine Marignola) sind zwei mobile Treppen und eine mobile Balustrade auf der sich Lola, Santuzza und Turiddu tummeln und von Statisten orientierungslos im Raum herumgeschoben werden.

Die Kostüme von Vanessa Sannino sind zeitgenössisch, schlicht und unscheinbar. Die Beleuchtung von Cristian Zucaro hätte etwas abwechslungsreicher sein dürfen und nicht nur aus grellen Scheinwerfern bestehen.


Copyright: Carole Parodi

Ganz erfreulich ist das Sängerensemble das mit Hingabe und stimmlicher Präsenz agiert. Oksana Volkova als betrogene Santuzza singt wunderbar, nicht schreiend, was fast etwas unüblich ist für diese Partie. Im Spiel ist sie eher reduziert und zurückhaltend. Marcello Giordani steht als Turiddu stimmlich in ihrem Schatten und forciert allzu stark mit tenoralem Furor. Ihm erliegt Melody Louledjian als gutaussehende Lola, die ihrem Gatten Alfio die Hörner aufsetzt, was den zu einem Ehrenmord antreibt. Roman Burdenko rächt sich in diesem Part mit enormer Präsenz und hervorragen toller Stimme.

I Pagliacci

Bildergebnis für genf pagliacci
Copyright: Carole Parodi

Gesanglich wie szenisch war dieser zweite Teil eine Wucht. Roman Burdenko war mit seinem hervorragend fokussierten Bariton und seiner Bühnenpräsenz und detailgetreue Umsetzung der Rolle des Tonio eine Bestbesetzung. Mit tenoraler Strahlkraft sang der Mexikaner Diego Torre einen äusserst berührenden und lyrischen Canio. Nino Machaidze war eine tadellose Nedda, welche die Rolle dramatisch wie gefühlvoll interpretierte und schönstimmig sang. Einwandfrei und voller Spielfreude war auch Markus Werba als Silvio und Migran Agadzhanyan als Beppo.

Serena Sinigalia inszenierte für Genf eine absolut spannende Aufführung. Sie erzählt die Geschichte in zwei verschiedenen Zeiten. Der Prolog in der heutigen Gegenwart; Tonio tritt in Jeans und Jacke auf die Bühne, während hinter ihm die Bühne für das Spektakel erst aufgebaut wird. Eine Holzbühne wird auf einem Kornfeld aufgestellt und die „comedia dell‘ arte“ nach alter italiensicher Manier kann beginnen. Colombina, Pagliacco und alle Artisten können auftreten und das spannende Spiel entflammt sich. Von der ersten bis zur letzten Minute bleibt diese Inszenierung spannend und knistert bei jeder Regung. Eine Umsetzung die Spannung erzeugt und zwischen den Protagonisten messerscharf herauspräpariert wurde. Eine Intensive und berührende Umsetzung!

Der Dirigent Alexander Joel sorgte am Dirigierpult des Orchestre de la Suisse Romande mit schwingenden Einsätzen für zwei inspirierte, dramatisch zugespitzte und gefühlvolle Aufführungen. Der hervorragende Chor ist bestens vorbereitet worden von Alan Woodbridge und glänzt gesanglich wie darstellerisch in beiden Werken.

Fazit: Cavalleria Rusticana wirkt blass und eindimensional mit allzu vielen Klischees behaftet. I Pagliacci ist grosses Theater und bestes Handwerk das knistert und hinreisst. In wunderschönen Bildern und Kostümen, unterhaltsam, berührend und bewegend umgesetzt.

 

 

 

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