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GEFÜHLT MITTE ZWANZIG

28.07.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

 FilmCover Gefühlt Mitte 20~1

Ab 31. Juli 2015 in den österreichischen Kinos
GEFÜHLT MITTE ZWANZIG
While We’re Young  /  USA  /  2015 
Regie: Noah Baumbach
Mit: Naomi Watts, Ben Stiller, Adam Driver, Amanda Seyfried u.a.

Ist es eine fremde neue Welt, in der wir leben? Wohl nur die älteren Jahrgänge – die Jungen sind mit dem Smartphone in der Hand geboren, den Kopfhörern in den Ohren, dem Checken vom Facebook im Viertelstunden-Takt. Nicht die Jungen sind heute fremd in der Welt der Etablierten, die Älteren sind fremd in der Welt, wie sie ist.

Und das ist nur eines von sehr vielen Themen, die Regisseur Noah Baumbach in seinen Film hineinwirkt, der so reich mit echter Alltagsproblematik durchwebt ist wie selten einer – und einen heiter-resignierten Ton durchhält.

Josh und Cornelia sind das kinderlose New Yorker Ehepaar in den Vierzigern. Ein bisschen Möchtegern-Künstler, er Dokumentarfilmer, sie auch in der Branche. Nicht so erfolgreich, wie man es in ihrem Alter gerne wäre, besonders in Hinblick auf den Schwiegerpapa, der einst ein besonders erfolgreicher Dokumentarfilm-Macher war.

Und so glücklich und frei, wie sie sich ohne Kinder fühlen wollen, sind sie auch nicht, was fangen sie mit der Freiheit schon groß an? Obwohl der Film das Klischee des Elternglücks an manchem Beispiel im Freundeskreis nicht nur ironisiert, sondern auch cool zertrümmert. Und doch…

Als wäre das alles nicht genug, treten mit dem Paar Jamie und Darby, beide in ihren Zwanzigern, zwei Vertreter der schönen neuen Digitalwelt vor sie hin, die auch eine so gänzlich diametrale Welt- und Lebensanschauung verkörpern und gleichzeitig hoch vergnügt in „Retro“ machen  – wer sind eigentlich die Aliens in dieser Welt? Wie viel Grundsätzliches prallt da auf- und gegeneinander?

Und – auch das ist eines der vielen elementaren Themen, die der Film anschneidet – kann man sich mit Äußerlichkeiten wie Mode und Gehabe innerlich verjüngen? Selbst wenn man sich selbst dazu zwingt, sich Mitte 20 zu fühlen, wie sieht man in den Augen der anderen aus? Wenn die Jungen da einmal ehrlich sind und sagen, was sie von den Älteren denken – da klaffen die Abgründe…

Naomi Watts und Ben Stiller sind zuletzt nicht dank ihres guten Aussehens die heutzutage ewig Jungen, die ihre Probleme gern unter den Tisch kehren – und, damit konfrontiert, aus dem Tritt geraten: Vor allem Stiller bringt die innere Verwirrung glänzend zum Ausdruck.

Das junge Paar bekommt von Adam Driver und Amanda Seyfried (sie erzeugt künstliche organische Eiscreme mit seltsamen Geschmacksrichtungen…) die Selbstverständlichkeit, mit der die „Alternativen“ im Angesicht der älteren Generation so seltsam erscheinen.

Manches an dem Film mag very american und ein bisschen Woody Allen sein. Aber bei dem Reichtum der angeschnittenen Themen und Motive wird jeder ein Element finden, wo er persönlich einsteigen kann…

Renate Wagner   

 

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