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GARS/ OPERN AIR: DER FREISCHÜTZ – surreale Romantik in Gars. Premiere

19.07.2014 | KRITIKEN, Oper

GARS/ Opernair: SURREALE ROMANTIK IN GARS : DER FREISCHÜTZ (18.JULI 2014)

Romantik mit einem Schuss Surrealismus war angesagt als die neue Intendanz unter Johannes Wildner im Burghof von Gars Freitagabend mit Carl Maria’s Weber „Der Freischütz“ in einer kargen „Nachkriegsschäden“ -Inszenierung von Georg Schütky (Ausstattung Christina Schmitt) gegeben wurde. Der österreichische  Schüler von Konwitschny und Neuenfels verkörpert also schon die 3.Generation der „Stücke-Zertrümmerer“. Dabei bleibt er jedoch wohltuend zurückhaltend – es gibt zwar jede Menge ironische Brechungen, Einlagen à la Geisterbahn und esoterische Fleißaufgaben. Aber im Zentrum steht eine Burg, in der einst Leopold III. spielte und eine einzigartige Akustik. Alles andere wird zur Nebensache. Wunderbar deshalb die Idee ein riesiges Horn-Ensemble zur Verstärkung der Premiere zu engagieren 38 Herren und zwei Damen  aus Waidhofen a.d. Ybbs spielen zur „Einstimmung“ – unter andrem den berühmten Jäger-Chor aus dem Freischütz. Und ansonsten dominierte  der „Freischütz“-Klang und die Produktion lebt von der verstärkerfreien Wiedergabe ebenso wie von der zum Teil hervorragenden Besetzung.

.Johannes Wildner, versteht es offenbar sein Ensemble zu motivieren. Seine „Klangvereinigung Wien“ meistert die zahlreichen  orchestralen  Klippen, die Sänger-Auswahl ist homogen, der Chor der Oper Burg Gars in Form. Ausgezeichnet der Titelheld Michael Bedjai. Nach einem schwachen  Auftritt gewinnt sein Max zunehmend an Profil. Schon in der Arie findet er die nötige Balance zwischen heldischer Verzweiflung und lyrischer Hoffnung. Und seine Agathe Bettina Jensen  ist – abgesehen von einer zu barocken  optischen Gesamtwirkung – ein „Zukunftsversprechen“ mit viel Gegenwart.. Legato, Piani, Ausbrüche – alles sitzt und hier hört man bereits eine zukünftige Elsa, Kaiserin oder Tannhäuser-Elisabeth heranwachsen. Die große Arie erinnert jedenfalls an die junge Rysanek, die 2.Arie an Gundula Janowitz!  Man sollte sich den Namen der deutschen Sopranistin also  merken. Wunderbar ist auch  das lyrische Annchen der Österreicherin (Volksoper) Claudia Goebl; Das ist Lebensfreude pur, die Stimme als Seelenbarometer! Problematisch ist hingegen der Caspar von Selcuk Cara. Der junge Mann hat Ausstrahlung, kann spielen. Er ist dem Caspar aber stimmtechnisch noch nicht ganz gewachsen. Ebensowenig wie  Andreas Scheibner dem Ottokar. Aber das Publikum war begeistert. Die für mich schönste Stimme hatte heuer in Gars  übrigens der Eremit von Yashushi Hirano. Der japanische Bass, der zu so manch seltsamer Esoterik gezwungen worden war, legte  im Finale eine neuerliche Talente-Probe ab. Vielleicht kann er dies 2015 bei Don Carlo noch weiter ausbauen.

Peter Dusek

 

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