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Gaetano Donizetti: LE DUC D‘ALBE – Aufnahme der beiden ersten (vollendeten) Akte

20.02.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0792938005423 Gaetano Donizetti: LE DUC D‘ALBE – Aufnahme der beiden ersten (vollendeten) Akte – Opera Rara 2 CDs – Entdeckung eines Opernjuwels des romantischen Belcanto

Das Label Opera Rara, das sich der Pflege des vergessenen Opernrepertoires des 19. Jahrhunderts verschrieben und verdient gemacht hat, kann diesmal mit Mut zum Fragment ein weiters Mal reüssieren. Unmittelbar nach Les Martyrs für die Académie Royal de Musique in Paris in Angriff genommen, sollte Le Duc d‘Alba eine weitere französisch gesungene Grand Opera werden. Die Arbeiten am halb fertigen Duc wurden durch Probenverzögerungen der Martyrs sowie die Komposition der Fille du régiment unterbrochen. Aus verschiedenen anderen Gründen, wie eine Rückkehr Donizettis nach Italien und Schwierigkeiten mit dem Sopranpart hat der Komponist die Oper schlussendlich bei seinem Tod 1848 unvollendet hinterlassen. Später hat Matteo Salvi die Oper in in italienischer Sprache fertig gestellt. Seit den 50-er Jahren gab es in dieser komplettierten Fassung eine Handvoll an Wiederbelebungsversuchen, u.a. Previtali RAI 1951 (auf CD erhältlich), Schippers (Spoleto 1959, ebenso als live Mitschnitt erhältlich), Renzetti (Florenz 1981) und Mazzola (Montpellier 2007).

Umso verdienstvoller ist es, dass jetzt Opera Rara die beiden großteils von Donizetti fertig gestellten Akte dieser Ende des 16. Jahrhunderts in Brüssel unter spanischer Herrschaft spielenden Oper erstmals in französischer Sprache in exzellenter musikalischer Umsetzung herausbringt und zur Diskussion stellt.  Zu hören ist der schöne Torso einer wahrlich großen Oper mit tragender Rolle des Chors und extrem anspruchsvollen Solorollen für Tenor (Michael Spyres als Henri de Bruges) und Sopran (Angela Meade als Hélène d‘Egmont). Klar, dass die beiden ein Liebesverhältnis haben und sich gegen die okkupierende Herrschaft der Spanier, verkörpert durch den Herzog von Alba (wunderbar Laurent Naouri), mit aufständischer Kraft stemmen. Die Oper kann also so wie Verdis Don Carlos als Versuch zu einer großen Freiheitsoper bezeichnet werden. Im zweiten Akt treffen sich die Aufrührer in Daniels Brasserie und es gibt Gelegenheit zu einem großen Liebesduett mit vielen von den beiden Protagonisten bravourös gemeisterten hohen und höchsten Noten. Die Dramaturgie will es, dass sie vom Befehlshaber der spanischen Soldaten, Sandoval (David Stout mit wohlklingendem Bariton), entdeckt und alle bis auf Henri verhaftet werden. Das verursacht allgemeines Chaos und der 2. Akt als auch die Aufnahme enden nach ca.90 kurzweiligen Minuten hier.

Die prächtig orchestrierte Musik findet im Hallé Orchester und dem Opera Rara Chorus (Einstudierung Stephen Harris) unter der kundigen Leitung von Sir Mark Elder überzeugende Anwälte. Auch sängerisch gibt es nichts zu beckmessern und neben den bereits erwähnten Solisten singt der Bass Gianluca Buratto einen saftigen Daniel Brauer und der Charaktertenor Robin Tritschler einen gut gezeichneten betrunkenen Balbueno. In kleineren Rollen gefallen Trystan Llyr Griffiths als Carlos und Dawid Kimberg als Tavernier.

Neben der mittlerweile allseits bekannten La Favorite ein weiteres überzeugendes Plädoyer für Donizetti als bedeutender Vertreter der Grand Opera.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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