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FRISCH GEPRESST

20.08.2012 | FILM/TV

Ab 24. August 2012 in den österreichischen Kinos
FRISCH GEPRESST
Regie: Christine Hartmann
Mit: Diana Amft, Tom Wlaschiha, Alexander Beyer, Sunnyi Melles, Sylvester Groth u.a.

Ja, das kann natürlich passieren. Eine besoffene Nacht mit einem alten Schulfreund, und nachher weiß man nicht, was eigentlich… aber nehmen wir mal ruhig an, es war „alles“. Aber die neue Bekanntschaft, bald darauf geschlossen, ist auch sehr nett. Und dann ist Andrea Schmidt, die 30jährige Heldin des Romans von Susanne Fröhlich, den Regisseurin Christine Hartmann verfilmt hat, schwanger. Kann passieren. Aber von wem? Das ist nur eine der Fragen, die es hier zu klären gilt…

Und die deutschen Namen, die hier sowohl in der Filmhandlung wie unter den „Machern“ dominieren, sagen alles – wir haben es mit einer sehr deutschen Komödie zu tun. Und das ist heutzutage lange nicht mehr so lustig wie in den großen Zeiten von „Der bewegte Mann“…

Neulich hatten wir das Kinderkriegen auf Amerikanisch („Was passiert, wenn es passiert ist“), und das war nervig und blöd genug. Nun wird es auf Deutsch abgehandelt. Denn unsere Heldin, die mühsam ihr Dessousgeschäft führt, das eher altmodische Slips für alte Damen als sonst etwas anbietet, mag nämlich keine Kinder. Sie merkt es immer nachdrücklich, wenn ihre beste Freundin mit ihren nervigen kleinen Goldstücken auftaucht.

Was tun? Ja, das weiß der ganze Film nicht so recht. Beziehungsgenerve mit den beiden Männern (vor allem dem, den sie eigentlich mag), einerseits die Überlegung, sich auf das Kind nicht einzulassen, andererseits Mutterinstinkte (die müssen sein, tauchen ja auch im wahren Leben auf und verhindern vermutlich so manche Abtreibung) – und ein unendlich mühsames Gehoppel zum Happyend. (Vorher muss es in ihrem Geschäft dann auch noch ein paar wirklich chice Strapse geben.) Bei so viel Belanglosigkeit weiß man als Zuschauer nicht aus noch ein. Nein, die „locker-spritzige Komödie“ soll man sich von keinem Werbeslogan einreden lassen.

Heldin Diana Amft wird jenen, die nicht unbedingt fernsehen und schon gar nicht Sitcoms, wenig bekannt sein (sie war, wie man liest, „Gretchen Haase“, die Heldin von „Doctor’s Diary“). Sie ist insofern ein witziger Typ, da es ein Pummelchen wie sie im allgemeinen nur in die Nebenrolle der liebenswert-schusseligen Freundin bringt, während man die schönen Schlanken für die Hauptrollen besetzt. Allerdings kann man auch nicht sagen, dass diese „Andrea Schmidt“ sonderlich fesselnd ist: Ihretwegen wird wohl keiner ins Kino gehen. Und warum dann, wenn es ja doch nur ein sehr flaches deutsches Lustspiel ist?

Auch die Herren sind gegen den Strich besetzt: Alexander Beyer als der Millionärssohn und Tom Wlaschiha als der junge Anwalt könnten so, wie sie sind, auf der Straße an einem vorbeigehen – man würde ihnen keinen zweiten Blick schenken. Das ist natürlich auch nicht das Wahre für Schauspieler.

Bleiben die Nebenrollen, wo es zwei Juwelen gibt:  Sunnyi Melles spielt die Mutter der Heldin und liefert wieder einmal eine ihrer fraglos kostbaren „Zicken“-Studien. Allerdings sollte sie sich langsam fragen, ob die Angebote, die sie vom deutschen Film erhält, nicht etwas einförmig sind und sie absolut ins Klischee pressen. Und sie ist doch eine der genialsten Schauspielerinnen, die wir haben!

Und Slyvester Groth spielt die hilfreiche Seele im Miedergeschäft zwar gerade mit der Andeutung des Schwulen-Klischees, aber im Vergleich zum Jungvolk mit so viel köstlicher, souveräner, ironischer Persönlichkeit, dass es ein Vergnügen ist, ihn anzusehen.

Kurz,  der Nebenrollen wegen kann der – Theaterfreund ins Kino gehen. Mehr Gutes vermöchte man über diesen Film nicht zu sagen.

Renate Wagner

 

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