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FREITAG, 4. JÄNNER 2019

04.01.2019 | Allgemein, Tageskommentar

FREITAG,  4. JÄNNER 2019

 Foto: Website Staatsoper / Monika Höfler

ROLANDO VILLAZON SINGT – NICHT…

Dass nach einer Flut von Silvesterkonzerten und „dem“ Ereignis schlechthin, dem Neujahrskonzert aus Wien, nun auf dem Musiksektor Flaute herrscht, ermisst man daran, dass eine Umbesetzungsmeldung, also die schlichte Tatsache, dass ein einst berühmter Sänger nicht singt, es allerorten auf die Kulturseiten schafft….

Nun weiß man ja seit Jahren, dass Rolando Villazon immer singen will und immer öfter nicht kann. Was ist ihm seit dem „Hoffmann“ 2011 in München schon überzeugend gelungen, auch wenn er sein früheres italienisch / französisches Repertoire hinter sich gelassen hat und zu Mozart, zur Barockoper oder zur Moderne übergeschwenkt ist?

Nun, er hat wahrlich andere Betätigungsfelder gefunden – er inszeniert (und nicht wenig), er schreibt Bücher, er moderiert Fernsehsendungen. Und wenn man sich nicht irrt, dann ist er auch noch Intendant der Salzburger Mozartwoche. Die beginnt heuer am 24. Jänner, angesetzt ist Kollege Ramon Vargas, der schon die Wiener „Fledermaus“ abgesagt hat – es ist keine Wonne, ein Tenor zu sein… Sich selbst hat Villazon ja, wenn man durch die schrecklich unübersichtliche Website (dergleichen ist für den Benützer wertlos!!!) durchkommt, nicht besetzt…

Nun, jeder ist zu bedauern, wenn er eine gastroenterologische (laut Wikipedia: Magen/Darm-Trakt) Operation erleiden musste, wie die Staatsoper erklärt, um seine Don Giovanni / Ottavio-Absage im März zu begründen. Da Rolando es aber nicht lassen kann, will er zumindest im Mai in Berlin den Pelleas singen. Möge die Übung gelingen.

ANTON BRUCKNER UND OBERÖSTERREICH-
UND WIR ALLE

Es ist schön, dass immer noch das Bewusstsein einer kulturellen Identität waltet – auch einer regionalen. Nun, Oberösterreich hat mit Anton Bruckner, Adalbert Stifter und Alfred Kubin in allen Sparten der Kunst Namen der allerersten Qualität beizutragen, die A-Klasse sozusagen. Wenn 2024 der 200. Geburtstag von Anton Bruckner gefeiert wird, rauchen jetzt schon bei den Kulturdirektionen und Tourismusorganisationen von Stadt und Land, bei dem Bruckner Orchester Linz, dem Brucknerhaus Linz, der Anton Bruckner Privatuniversität, dem Oberösterreichischen Landesmuseum, dem Stift. St. Florian, den St. Florianer Brucknertagen, beim Anton Bruckner Institut Linz, dem Brucknerbund und der Dommusik Linz die Köpfe.

„Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen“, sagt Landeshauptmann Thomas Stelzer. Und er weiß auch, was heutzutage nötig ist – „Bruckners Werk ist identitätsstiftend für Oberösterreich. Daher suchen wir nach neuen Wegen, sein Werk und sein Leben zeitgemäß zu präsentieren, um die Bedeutung des Oberösterreichers Anton Bruckner auch in der Bevölkerung und vor allem in den Jugend breiter zu verankern.“

Ja, ohne die Jugend geht es nicht (wobei es gerade in Oberösterreich berühmte Musikschulen gibt) – und auch nicht ohne mediale Aufbereitung. Darüber zerbricht man sich in vielen Workshops den Kopf, um am Ende den Markenbildungsprozess in einem „Brand Manual“ zusammen zu fassen.

Hoffentlich haben alle Beteiligten, in der logischen Tendenz, sich heutig zu gerieren, nicht auf das Wichtigste vergessen: auf die unvergleichliche Musik des „Musikanten Gottes“, der ein bescheidener Mann (mit Zählzwang) und, wie ich glaube, eine wunderbare Persönlichkeit war. Das sollte doch eigentlich reichen – der Mann und sein Werk… was kann eine möglicherweise überhochmetzte Medienkampagne mehr erreichen?

 

KULTURHAUPTSTADT

Wir erinnern uns – Wien sollte einst eine Weltausstellung ausrichten und sagte „nein danke“. Was gar nicht dumm war, denn die Stadt birst immer vor Veranstaltungen (manchmal meint man, es seien mehr, als wirklich sinnvoll sind), und über Gästemangel kann man sich nicht beschweren. Das Habsburgische „Plus Ultra“ war also nicht angebracht. Ähnlicher Aufwand ist erforderlich, wenn man für ein Jahr lang europäische „Kulturhauptstadt“ wird. Länder kommen periodisch an die Reihe, das  hat die EU so eingeteilt, dass die Chancen gerecht verteilt sind (heuer sind es Italien und Bulgarien). 2024 ist Österreich, das schon Graz und Linz stellte, wieder einmal dran, und da finden harte Positionskämpfe der Bundesländer untereinander statt. Schon vor die Presse getreten sind Niederösterreich mit St. Pölten, wo man in Richtung Modernisierung in jeder Hinsicht viel geleistet hat, und die reizvolle Vorarlberger Phalanx Dornbirn, Feldkirch, Hohenems und der Bregenzerwald – dichteste Kultur und große Naturschönheit. Da wird der Österreicher, der nicht aus diesen Bundesländern stammt, sich besser des Urteils enthalten. Dabei haben sich Ischl & Salzkammergut selbst aus dem Rennen genommen, und da wären die Chancen wohl auch nicht schlecht gestanden!

Eines steht fest: Irgendein Ort, eine Stadt, eine Region in Österreich werden es sein, denn 2024 sind wir (neben Estland) eben an der Reihe…


Die Cupak-losen Zeiten gehen ihrem Ende zu. Noch einmal schlafen…
Wenn alles klappt wie vorgesehen und Anton Cupak am Samstag aus dem Spital kommt, wird er seine Leser voraussichtlich am Sonntag mit dem gewohnten Tageskommentar verwöhnen.

Renate Wagner

 

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