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FREIBURG: DER NUSSKNACKER nach Tschaikowski. Junges Theater Tanz Freiburg

20.12.2015 | Ballett/Tanz

Junges Theater Tanz Freiburg: „Der Nussknacker“ nach Tschaikowski – Pr. (WA) 19.12.2015

 Ganz Freiburg auf der Bühne

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Foto @ Maurice Korbel

 Da kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus: Über 100 Menschen der School of Life and Dance im Alter von 8 bis 75 Jahren tummeln sich auf einer Bühne nach der Choreografie von Graham Smith in einer ganz eigenen Interpretation des berühmten Balletts. Dafür wird an den Musikern gespart: Gerade mal 8 Stück der Holst-Sinfonietta trudeln zu Beginn einer nach dem anderen ein und beginnen – unter der ausgezeichneten Leitung von Klaus Simon – die unsterbliche Musik von Tschaikowski zu spielen, die dafür von Bo Wiget kongenial umgeschrieben wurde. Und tatsächlich: Nach kurzer Zeit fehlt einem das grosse Orchester überhaupt nicht mehr.

 Denn bei der Weihnachtsparty auf der Bühne geht ganz schön ab, und das durchaus moderner (und realistischer) als bei Tschaikowski: Pubertierende Mädchen langweilen sich und machen Selfies, junge Damen verschwinden mit jungen Herren auf einen Quickie, die Spieldosenballerina kommt als übergrosse Hello-Kitty-Figur daher und der eher furchteinflössende Patenonkel Drosselmeyer (Balduin Bollin) liegt mit seinem ersten Geschenk an Clara, einem furchteinflössenden Frankenstein-Monster, ziemlich daneben.

 Clara (Helena Radeke) schläft ein und träumt ihren wilden Traum eines Kampfes zwischen Nussknacker und Mäusekönig (oder ist es eine Ratte?). Wild mischen sich dabei altbekannte Szenen mit neuen, und Viva Schudt (Ausstattung) musste allen gerecht werden. Und das wohl mit einem beschränkten Budget. Umso erstaunlicher sind die Effekte, welche die Reifröcke der Schneeflöckchen, die Armeedschungel-Outfits der Tannen im Wald und die knappen Kleidchen der Haremsdamen beim arabischen Tanz erzielen. Nussknacker, Mäusekönig und Lebkuchenmänner stehen mit ihrem traditionellen Kostümen ganz ungewohnten Auftritten zum Beispiel einer Gruppe von Superhelden gegenüber, die von einem Trampolin auf eine Matratze fliegen (wobei man vor dem Vorhang nur den Flug sieht) oder einer Drag-Queen mit gelber Perücke, die unter ihrem riesigen Rock kleine gelbhaarige Kinder auf die Welt bringt.

 Clara (Helena Radeke) wacht glücklicherweise irgendwann aus ihrem verrückten Traum auf und siehe da: Es ist Weihnachten. Nicht nur in Freiburg. Aber in Freiburg ganz besonders.

Alice  Matheson

 

 

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