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FRANKFURT: VANESSA von Samuel Barber. Premiere

03.09.2012 | KRITIKEN, Oper

Frankfurt: VANESSA von Samuel Barber 2.9.2012


Foto: Barbara Aumüller

Das könnte ein Ibsen’sches Drama sein. Doch der Texter, der italienische Komponist Gian Carlo Menotti, hat es nur in einer Erzählsammlung in Amerika, wohin er ausgewandert war, entdeckt, die Geschichte von Vanessa, die mit ihrer Nichte Erika bei ihrer Mutter hoch im Norden lebt und seit 20 Jahren auf ihren Geliebten Anatol wartet. Er kommt dann aber nicht selber, sondern sein Sohn, da er mittlerweile gestorben ist. Anatol verliebt sich sogleich in Erika, da diese aber eine bedingungslose Liebe fordert, bändelt er beim Schlittschuhlaufen auch mit Vanessa an. Als Erika ihm die Heirat verweigert, läßt er sich von Vanessa zum gemeinsamen Leben überreden. Als die Verlobung bei einer der wieder aufgenommenen Tanzabende bekannt gegeben wird, flüchtet Erika in die Winterlandschaft und wird zwar von Anatol noch lebend gefunden, ihr Baby, das sie in der 1.Liebesnacht gezeugt haben, stirbt aber. Das ‚ungleiche Paar‘ verläßt nun das Haus glücklich nach Paris, und Erika bleibt allein, da auch ihre Großmutter nicht mehr mit ihr redet.-

Menotti und Samuel Barber waren durch eine Künstlerfreundschaft verbunden, es ist schon bemerkenswert, daß der schon berühmtere Opernkomponist dem Amerikaner ein Libretto überließ, mit dem Barber 1958 an der Met einen ersten Opernderfolg landen konnte. In Frankfurt kam es nun zur Erstaufführung, da Intendant Loebe die Inszenierung, nicht unbedingt das Stück, eine Produktion der Malmö Opera von 2009, gefiel, und er sie deshalb an den Main transferierte und als 1.Saison-Premiere zur Aufführung bachte.

Sicherlich kein schlechter Griff. Regisseurin Katharina Thoma, die in Frankfurt bereits gearbeitet hat, kann das Beziehungsgeflecht in ihrer Personenregie immer spannend ausleuchten und durch Statisten-Doubles auch verklaren bzw. interpretieren. Dazu kommt ihr die Bühne von Julia Müer (auch mit gediegensten Roben als Kostüme) entgegen. Diese beinhaltet in der linken Hälfte die Innenhalle eines weißen designeten Empire Palazzo, der rechts direkt in eine arktische Außenwelt mit Gletscherplatten übergeht, worauf sich auch schon der stumme Konzertflügel befindet.

In drei Akten schafft Barbers Musik eine immer passende subtil ausleuchtende Atmosphäre zu erzeugen, Dabei gibt es Blechbläser gepanzerte dramatische Ausbrüche , aber auch klug aufgebaute melodische Klangfiguren zur Ausdeutung des intrikaten Geschens. Jonathan Darlington hat die musikalische Leitung übernommen und kann auch, wo gewünscht, mit dem Orchester einen massiv süffigen Sound erzeugen. In der Szene, in der sich Erika in den hohlen Flügel ‚einsargt‘, erzeugen die Musiker beklemmend klaustrophobische Klänge.

Björn Bürger als der Nicholas spielt fast anämisch witzig und singt einen fabelhaften Bariton dazu. Der Chor kommt sehr placiert, aber meist aus dem Off. Den alten Doktor singt in einer Art Studie Dietrich Volle mit robust tiefer Schönstimme. In dieser Rolle als Anatol kann Kurt Streit auch mit Vehemenz reussieren, so locker aber wie bei seinem Eintreffen mit tenoraler Akkuratesse wirkt er aber später nicht mehr. Über ein paar zurückhaltende Gesngsphrasen kommt der früher vielbeschäftigte Spinto der Helena Döse als resignierte alte Baroness nicht hinaus, Charlotta Larsson ist ein liebreizendes Persönchen und in der Titelpartie auch mit einem warm timbrierten Sopran begabt. Ihr weigstens gleichrangig, wenn nicht subtiler, da ja auch seelisch abründiger, die Erika der Jenny Carlstedt. Mit ihrem interessant timbrierten schön fließendem Mezzo agiert sie auf hohem Nivaeau, wenn sie sich am Ende auch in die vorherige Position ihrer Tante begibt.

Friedeon Rosén

 

 

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