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FRANKFURT: UN BALLO IN MASCHERA

27.05.2013 | KRITIKEN, Oper

Frankfurt: „UN BALLO IN MASCHERA“ 26.05.2013


Foto: Wolfgang Runkel

Es ist immer wieder bewundernswert mit welcher Selbstverständlichkeit die Intendanz der Oper Frankfurt so großartige Talente aus dem Ärmel zaubert, so nun zur WA „Un Ballo in Maschera“ (G. Verdi) einer denkwürdigen Sternstunde vortrefflichen Belcanto-Gesangs.

In Anbetracht der glanzvollen Sängerriege vergaß man gut und gerne die absurden Regie-Verfremdungen (Claus Guth) im Wahlkampfbüro mit der aus dem Eimer orakelnden Putzfrau. Als Amelia glänzte ein bereits international renommierter Sopran aus Venezuela, Lucrecia Garcia bestach mit adäquatem Vokalmaterial, lupenreiner, bruchloser Höhe, betörenden Piani, bronzen schimmernd das Timbre in bester Mezza-Voce-Kultur, zudem agierte die technisch trefflich versierte Sängerin in dezenter Manier. Bernadett Fodor war stimmlich und darstellerisch als Ulrica eine monumentale Erscheinung, die junge Ungarin bot mit sauber verblendeten Registern, frei strömend pastosem Alt, gleichwohl ausdrucksstarker Mittellage sowie wohlklingenden Höhenaufschwüngen ein fulminantes Rollendebüt. Imposant führte Kamen Chanev seine anfangs unstet geführte Stimme in strahlende, sichere Oberregionen, glich fehlenden tenoralen Schmelz durch differenzierte Stilistik aus und bot in nuancierter Vokalgestaltung einen dunkel grundierten Riccardo. Etwas unflexibel erschien dagegen der Bariton seines Freundes Renato, kernig und strahlkräftig von Marco di Felice dargeboten.

Elizabeth Reiter verkörperte ein graues Büromäuschen, ließ vokal keine Wünsche offen und versah den Pagen Oscar mit silberhellen Koloraturen. Ohne Schwachpunkt ebenso besetzt die Rollen Silvano (Sungkon Kim), Samuel (Magnus Baldvinsson), Tom (Balint Szabo), Richter (Michael McCown), Diener (Ricardo Itturra) sowie der bestens fokussierte Opernchor (Matthias Köhler).

Die abwechslungsreiche Partitur bot dem bestens musizierenden und trefflich disponierten Opern- und Museumsorchester unter der fachkundigen Führung der Dirigentin Stamatia Karampini mehr als reiche Gelegenheit, seine kollektiven Qualitäten unter Beweis zu stellen. Straff in mitreißender Dynamik, sachlicher, nuancierter Orchestrierung vermittelte die junge, vielversprechende Maestra allerbesten, musikalischen Tiefgang und hielt zudem stets Chor und Ensemble in ausgezeichneter Balance.

Kurz und heftig der Schlussapplaus für diese musikalisch hochwertige Aufführung.

Gerhard Hoffmann

 

 

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