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FRANKFURT: TANNHÄUSER. Wiederaufnahme

20.10.2013 | KRITIKEN, Oper

Frankfurt: „TANNHÄUSER“ – Wiederaufnahme am 19.10.2013

Erhitzte die Inszenierung von Vera Nemirova des „Tannhäuser“ (Richard Wagner) zur Premiere anno 2006 noch die Gemüter, sieht man die Sache heute weitgehend gelassener und die WA wurde mehr schmunzelnd aufgenommen. Die Verlegung der Akte 1 und 3 in den Welt-Jugend-Kirchentag jener jungen frömmelnden Gemeinde, mit späterer Entfaltung der sinnlichen Triebe und Formierung zur bieder-braven, pubertären Massenorgie, wirken diese Bilder sowie die Begegnung Venus/Tannhäuser eher lächerlich denn provokant. Diese Produktion erhält ihre spannendsten Momente im zweiten Bild, beim Gesangswettbewerb einer Brauerei, den üblichen Rüpeleien des Titelhelden mit seinen Mitstreitern sowie der fortwährend Harfe zupfenden Elisabeth. Befremdlich dagegen, dass Wolfram die Verzagte während der Abendstern-Anbetung durch Erdrosselung „hinüber geleitet“. Den meist leeren Bühnenraum (Johannes Leiacker) zierte eine Straßenlaterne, zum zweiten Bild gesellen sich vier mächtige Stufen und Platz für den Chor hinzu, die Kostüme auch aus Leiackers einfallsloser Hand waren hauptsächlich von dunkler Farbe und wie immer straßentauglich. Stimmungsvoll dagegen das Lichtdesign (Olaf Winter).

Drei interessante Rollendebüts gab es bei Gesangsolisten: Allen voran Annette Dasch (Elisabeth) überzeugte mit einer glanzvollen Leistung, seit Hannelore Bode hörte ich diese Partie nicht mehr so wunderschön, innig, lyrisch weich, ja auch teils entrückt. In traumwandlerischer Sicherheit entfaltet Frau Dasch ihren in allen Lagen herrlich aufblühenden Sopran, beeindruckt mit zarten Couleurs, sowie den alles überstrahlenden Aufschwüngen. Bravo – eine zu Recht umjubelte Glanzleistung. Erstmals in seiner Karriere sang auch Lance Ryan den Tannhäuser, sein Tenor klang hell timbriert, legt mit leicht lispelnder Tendenz ein eigenwilliges Charisma in die Interpretation, gewinnt im zweiten Akt an vokaler Substanz und überzeugt mit einer kraftvollen, differenziert vorgetragenen Romerzählung. Ich persönlich hätte dieser bestens artikulierenden Stimme mehr dunkle, tiefere Schattierungen gewünscht und fand die einzelnen Buh´s beim Schlussapplaus völlig unangebracht. Diese hätten wenn überhaupt, eher der völlig unbedarften, vokal unerotischen und fehlbesetzten Venus (Tuija Knihtilä) zugestanden. Aufhorchen ließ der Wolfram-Debütant Daniel Schmutzhard mit edel timbriertem, angenehm weichem Bariton, dem traumhaft gesungenem Abendstern und erhielt wohlverdient zusammen mit seiner Gattin Dasch die Ovationen des Abends. Hell, strahlend erblühte der Tenor von JunHo You und adelte die leider kleine Partie des Walther, sehr nobel im Klang, ausgezeichneter Gesangstechnik, sonoren Bass-Tiefen und bester Bühnenpräsenz gestaltete Andreas Bauer den Landgrafen. Stimmschön absolvierten der Kabensopran Cedrik Schmitt den Hirt, die Edeldamen Magdalena Tomczuk, Jadranka Petrovic, Maria Waschk-Gemünd, Claudia Grunwald ihre kurzen Parts, weniger klangvoll dagegen die Herren H.J. Lazar, Franz Mayer, Magnus Baldvinsson (Heinrich, Reinmar, Biterolf).

In trefflichen Abstufungen des gewaltigen Fortissimo zum fast gehauchten Pianissimo, setzte der bestens einstudierte Opernchor (Matthias Köhler) bravouröse Glanzlichter. Nach einer zupackend gespielten Ouvertüre steigerte der Dirigent Constantin Trinks das Opern- und Museumsorchester in schier nachlässiges Musizieren, unüberhörbar die Koordinierungsdefizite, man vermisste schmerzlich die dynamischen Spannweiten der Partitur, die orchestrale Balance. Irritierende Klänge vernahm da mein Ohr und sehnlichst wünschte ich mir den GMD ans Pult.

Leistungsgerechte, heftige Zustimmung des Publikums.

Gerhard Hoffmann
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