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FRANKFURT: OTELLO

26.05.2012 | KRITIKEN, Oper

Frankfurt: „OTELLO“ am  25.05.2012

 Erweckte die Umbesetzung der männlichen Hauptpartien in Giuseppe Verdis „Otello“  meine Neugier, doch wurde sie schnell gedämpft. Als einsam leuchtender Stern am Himmel der Oper Frankfurt erwies sich ZELJKO LUCIC (Jago), der Ausnahmesänger  entfaltete großen, vollen Stimmklang der Sonderklasse, süffisant tröpfelt er das Gift der Eifersucht, der Zweifel in Otellos Ohren, entwickelt langsam und bedächtig die Inkarnation des Bösen. Sein weich strömender Belkantobariton prunkt in wundervollen Piani, büßt selbst in auftrumpfender Expressivität nicht von seinem traumhaften Timbre ein und bot somit  auch darstellerisch die  beste Leistung des Abends mit diesem realistisch-beklemmenden Charakterportrait.  Mit schauspielerischen Qualitäten punktet auch  FRANK VAN AKEN als selbstzerstörerische, gequälte Kreatur, doch blieb der Heldentenor vokal weit hinter meinen Erwartungen zurück, überzeugte lediglich in den leisen Momenten des Otello, es fehlte die formelle Struktur, die Stimme klang angestrengt und van Aken mogelte sich mehr schlecht als recht über die tenoralen Attacken der Partie. Nun sind Stimmen eine Frage des persönlichen Geschmacks und ELZA VAN DEN HEEVER war meine Sache nicht. Auch sie vermochte nur mit leisen Tönen zu berühren, schenkte Desdemonas  Lied von der Weide und Ave Maria zu weilen Seele und Tiefe, doch neigte ihr unstet geführter Sopran zum Tremolo und kantigen Höhen. Ein wahrer Lichtblick hingegen: WOOKYUNG KIM (Cassio) einem vielversprechenden, jungen Tenor mit schönem Timbre und strahlenden Aufschwüngen. TANJA ARIANE BAUMGARTNER´s  Prachtmezzo,  erschien für die kleine Rolle der Emilia als Luxusbesetzung.  Ordentlich  fügten sich die Stimmen von FRANZ MAYER (Montano), THORSTEN GRÜMBEL (Lodovico), KHIWAN SIM (Herold) und SIMON BODE (Rodrigo) ins absurde Geschehen. In detaillierter Intonation glänzte der CHOR-EXTRA- UND KINDERCHOR. Mit kleinen Diskrepanzen der Blechbläser begann das FRANKFURTER OPERN- UND MUSEUMSORCHESTER unter der Leitung von ERIK NIELSEN, doch fand der Klangapparat zunehmend zum lyrisch fließenden Grundduktus und den brachial, dynamischen Orchestereruptionen.  Zur unästhetischen Bühnenoptik möchte ich mich nicht äußern. Mit Ovationen für Lucic und leistungsbedingtem Applaus bedankte sich das Publikum.                                                      

 Gerhard Hoffmann

 

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