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FRANKFURT/Opernhaus; L’ITALIANA IN LONDRA von Domenico Cimarosa. Ein köstliches Vergnügen allerhöchster Güteklasse

02.10.2021 | Oper international

Domenico Cimarosa: L’italiana in Londra • Oper Frankfurt • Vorstellung: 01.10.2021

 (2. Vorstellung • Premiere am 26.09.2021)

 Ein köstliches Vergnügen allerhöchster Güteklasse

Domenico Cimarosas „L'italiana in Londra“ in Frankfurt
Foto: Monika Rittershaus

 

 Die Oper Frankfurt bietet auch in dieser Saison wieder einen höchst interessanten Spielplan mit «Raritäten und sogenannten Repertoirewerken» (Intendant Bernd Loebe in der Vorschau auf die Spielzeit). Cimarosas «L’italiana in Londra» gehört zu jenen Opern, die neugierig machen und zu Unrecht vergessen sind.

Neugierig macht sie als Oper eines Komponisten, der obwohl er wesentlich mehr komponiert hat, heute nur noch mit einem Werk, das nur noch selten aufgeführt wird, bekannt ist: seiner 54. Oper, dem am 7. Februar 1792 im Wiener Burgtheater als Auftragswerk Leopolds II. uraufgeführten Dramma giocoso «Il matrimonio segreto». Mit dem am 29. Dezember 1778 im Römer Teatro Valle uraufgeführten und nachhaltig erfolgreichen Intermezzo in musica «L’italiana in Londra»  schaffte Cimarosa seinen internationalen Durchbruch und festigte seinen Ruf als führender Vertreter der neapolitanischen Oper. Neugierig machen natürlich auch die Gattung «Intermezzo», die hier auf die Aufführungstradition des Teatro Valle Sprech- und Musiktheater am gleichen Abend zu kombinieren hinweist, und der Titel, der sofort an «L’Italiana in Algeri» denken lässt.

Giuseppe Petrosellini erzählt im Libretto die Geschichte der Madame Brillante, die in London eine Pension führt und dort den niederländischen Geschäftsmann Sumers und den italienischen Lebemann Don Polidoro zu Gast. Seit einiger Zeit hat sich dort auch Livia, Tochter aus gutem italienischen Haus und auf der Suche nach ihrem flüchtigen Geliebten Milord Aresping. Bis am Ende Livia und Aresping und Madame Brillante zusammenkommen bietet das Werk alles, was eine Buffa zu bieten hat, inklusive eines Heliotropen, der unsichtbar machen soll.

R.B. Schlather lässt in seiner Inszenierung dem Ensemble vertrauensvoll Raum die Figuren zu entwickeln und das Ensemble nimmt die Chance glanzvoll wahr und findet genau das Richtige Mass an Komödiantik. Paul Steinbergs Bühnenbild wird von einem zylindrischen Aufbau, der Bar der Pension der Brillante und einer natürlich britischen Telefonzelle dominiert. Hier und in den farbenfrohen Kostümen von Doey Lüthi wird charmant mit nationalen Stereotypen gespielt. Joachim Klein setzt alles ins richtige Licht.

Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter Leo Hussain (Musikalische Leitung und Hammerflügel) bringt Cimarosas so farbige, an Accompagnati reiche Partitur höchst leidenschaftlich zum Klingen.

Die amerikanische Sopranisten Angela Vallone gibt eine leidenschaftlich, kraftvolle Livia, die aber auch zu wunderbar lyrischen Momenten fähig ist. Bianca Tognocchi als Madama Brillante umsorgt resolut, manchmal stimmlich zu resolut, ihre Gäste und geht mit grosser Bühnenpräsenz voll und ganz in ihrer Aufgabe auf. Theo Lebow gibt mit schwärmerischem, wunderbar höhensicheren Tenor den niederländischen Geschäftsmann Sumers, der am Ende, fast bemitleidenswert, leer ausgeht. Iurii Samoilow singt mit seinem fast heldischen Bariton einen Milord Arespingh, der von Anfang an erkennen lässt, dass er um «seine» Livia kämpfen wird. Bassbariton Gordon Bintner gibt mit einem Hüftschwung, der von Elvis stammen könnte, einen herrlichen Don Polidoro. Ihm nimmt man den Italiener sofort ab und keine der Figuren ist eher geeignet, die Sache mit dem unsichtbaren Heliotrop zu glauben.

Ein köstliches Vergnügen allerhöchster Güteklasse!

Weitere Aufführungen: 09.10.2021, 15.10.2021, 24.10.2021, 30.10.2021 und 05.11.2021

02.10.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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