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FRANKFURT/ Oper: LIEDERABEND MICHAEL SPYRES

19.06.2019 | Konzert/Liederabende


Mathieu Pordoy und Michael Spyres. Foto: Barbara Aumüller

Frankfurt: „MICHAEL SPYRES“

 Liederabend 18.06. 2019

Das Beste zum Schluss? Wahrhaftig mit einem elitären Recital krönte der international  gefragte und renommierte Tenor Michael Spyres die Liederabend-Serie an der Oper Frankfurt. 16 Preziosen von 16 Komponisten präsentierte der großartige Sänger in fünf Sprachen während seines vielseitigen Programms.

Im wahrsten Sinne bezeichnend als vokale Reverenz seines qualitativ überwältigenden Vortrags eröffnete Michael Spyres die Variationen ungewöhnlicher Preziosen  mit O Tuneful Voice (Haydn). In jugendlichem Überschwang und tenoralem Schmelz folgten Adelaide (Beethoven) und versonnen Rastlose Liebe (Schubert) in jeweils bestechender Artikulation. Besinnliche Nonchalance verlieh der Tenor „Lelios“ Lied Le pécheur (Berlioz) und servierte melancholische Anklänge zunächst zur melodischen Verwandtschaft der Puritani-Arie der Elvira beim Sonett La ricordanza (Bellini) mit Rezitativ und Cabaletta. Aus „Péchés de viellesse“ folgten Roméos schwärmerische Hymne Juliette, chére idole (Rossini) sowie euphorisch L´esule (Verdi) und sicherten dem sympathischen Sänger wahre Beifallstürme.

Abgesehen von den ersten drei Beiträgen kann man das Dargebotene im herkömmlichen Sinne nicht als Lieder bezeichnen, nein das waren Arien voll poetischer Stimmung, umflort von Liebesschmerz, versonnen Traumvisionen in exquisiter Dramaturgie und feinstem Gespür für detaillierte Nuancen interpretiert. Michael Spyres begeisterte gleichwohl zu filigran gesponnenem Belcanto-Stil seines herrlich timbrierten Materials geschmückt mit prächtigen Vokal-Couleurs sowie einem alles überstrahlenden Höhenglanz.

Beschwingt, sensibel, ausdrucksstark jedoch keineswegs vordergründig wurde der Künstler von Mathieu Pordoy in pianistischer Routine und Virtuosität vollendet begleitet.


Mathieu Pordoy und Michael Spyres. Foto: Barbara Aumüller

Köstlich ironisierend mit dem Schalk im Nacken  herrlich nuanciert vorgetragen erklang nach der Pause die Ballade Tom der Reimer (Loewe). Tiefgründig, feinsinnig, emphatisch verkündete Spyres Enfant, si j´étais roi, je donnerais (Liszt). Lockend, verführerisch folgte prächtig dargeboten Don Juans Serenade (Tschaikowski). Sinnlich, getragen, schmerzvoll in vorbildlicher Musikalität profilierte sich Spyres mit der Klage Gebet an das Leben  aus der Feder von Friedrich Nietzsche. Frech, burschikos kam The Circus Band (Ives) daher, melancholisch, wunderbar melodisch erklangen À Chloris (Hahn) und O del moi amato ben (Donaudy). Zwei Beiträge des englischen Sprachraums bildeten den offiziellen Abschluss des überwältigen Liederabends und zwar mit Down by the Salley Gardens (Britten) sowie dem schwungvollen Musical-Beitrag All the Things you are (Kern).

Mit großer Begeisterung und Bravorufen bedankte das Publikum die exzellenten Vorträge und wurde mit zwei Zugaben bedankt. Michael Spyres erklärte auf charmante Weise die Beiträge und würdigte seinen Heimatstaat Missouri mit dem traditionellen Folksong Oh Shenandoah, den Nebenfluss des Mississippi. Sodann konferierte der Sympathie-Träger sein letztes Lied von Caruso getextet und ganz in Manier des berühmten Tenors vorgetragen Serenata (Bracco).

Man wünschte sich ein baldiges Wiederhören mit Michael Spyres im Opernhaus!

Gerhard Hoffmann

 

 

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