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FRANKFURT/Oper: AUS EINEM TOTENHAUS. Neuinszenierung

22.04.2018 | Oper

Bildergebnis für frankfurt aus einem totenhaus
Gal Fefferman, Gordon Bintner. Copyright: Barbara Aumüller

Frankfurt: Aus einem Totenhaus  21.4. 2018 -Neuinszenierung

Zu Beginn sehen wir den Journalisten Alexandr Gorjancikov und eine junge Frau, wohl seine Sekratärin (Gal Fefferman) an der Rampe an ihren Laptops sitzen. Plötzlich werden sie von den Häftlingen nach hinten weggezogen und verhaftet. Die junge Frau im roten Kleid, die bei Regisseur David Hermann als einzige Frau neben der Dirne vorkommt, verbleibt während des gesamten Stücks meist im Bühnenhintergrund. Auch sonst hält sich Hermann nicht immer an den Buchstaben der Vorlage von Janacek und Dostojewski. Die „Adlerszene“ am Anfang scheint übergangen. Die 100 Hiebe für den Neuankömmling werden durch  Unbrauchbarmachung seiner Schreibhände ersetzt, die in Schienen gelegt werden. Bei dieser OP wird der Lagerarzt durch den jungen Aljeja (Hosenrolle) positiv assistiert. Ihm bringt der Journalist dafür später Lesen und Schreiben bei. Da weiter keine Handlung besteht, erzählen die Lagerinsassen ihre meist tödlich endenden Liebesgeschichten. Während einer Vergewaltigung der „Sekratärin“ durch die Lagerinsassen wird Gorjacikov in einen Glasschrank gesperrt. Hermann inszeniert in einem furiosen Tempo, und besonders die körperlichen Attacken der Gefangenen erscheinen in ihrer ‚Simulation‘  minutiös einstudiert. Dazu dient auch eine schnell fahrende Drehbühne, die immer wieder neue Szenenplätze wie ein Karussell ansteuert. Für die längere Simultanszene am Ende ist die Bühne allerdings zur Ruhe gekommen,wenn in drei Segmenten simultan gesungen und gehandelt wird. Dabei bereitet der Lagerarzt eine neue OP mit einer gezackten Schere an Siskov vor. (Bb.:Johannes Schütz)

Die Kostüme bei den Gefangenen bestehen aus blauen Arbeitsanzügen, Russenkittel mit weiß gestickten Nähten. Auch Platzkommandant und Lagerarzt warten in feschen Arbeitsoutfits mit russischen Assessoirs auf (Michaela Barth).

Die Musik gerät dabei manchmal fast zu beiläufig wie Filmmusik. Dabei ist sie doch doch für Janacek fast seine größte, und wie Peter Gülke meint: „das Orchester wirkt wie ein Ensemble menschlicher singender, rufender, schreiender Stimmen. Der Dirigent des  Abends, Tito Ceccherini, sagt, „ein Gewebe aus Ostinati durchziehe  die Oper wie eine Reihe von Pfeilen, die auf Naturstein gemalt sind“. Nichtsdestotrotz legt auch das Orchester eine gültige Darbietung vor in dieser pausenlosen Eruption von Klängen über 1 1/2 Stunden. Die großen spieltechnischen Anforderungen werden einwandfrei bewältigt, und Ceccherini erreicht bei den oft wahnsinnigen Tempovorgaben eine ausgezeichnete Balance der Singstimmen oben und seiner Spieler im Graben.

Gordon Bintner singt den Gorjancikov mit einem äußerst wohlklingenden dabei samt-deutlich timbrierten Baßbariton. Die Gefangennahme muss sein Leben verändern, bei dem, was er in relativ kurzer Zeit im Lager durchmacht. Den Aljeja singt in der Hosenrolle Karen Vuong mit leuchtend großstimmigem Sopran. Den Siskov gibt bei dieser Vorstellung Johan Reuter anstelle Hans-Martin Kränzles mit glattem getragenem Bariton in dieser längeren Erzählung. Als Skuratov kann AJ Glueckert tenoral an seine gute Leistung als Flamand in Capriccio anknüpfen. Luka Kuzmic/ Filka Morozov übernimmt ebenfalls tenoral Vincent Wolfsteiner, kann aber hier als ehemaliger Frauen-Ausspanner nicht so groß auftrumpfen. Einen pathetisch strengen Platzkommandanten stellt bassal Barnaby Rea. Bei der Minirolle der Dirne kommt Barbara Zechmeister zum Mezzo-Einsatz. In weiteren Nebenrollen u.a. als Pope, junger und verbitterter, großer und kleiner Häftling kommen Gurgen Baveyan, Ralf Simon, H-J Lazar, Iain MacNeil, Mikolaj Trabka, Thesele Themane, Ingyu Hwang, Dietrich Volle und Brandon Cedel zum Einsatz. Die namenlosen Gefangenen werden von den Chorherren der Oper Frankfurt auch mustergültig übernommen.          

Friedeon Rosén

 

 

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