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FRANKFURT: OBERTO von G. Verdi – konzertant

21.02.2016 | Oper

Frankfurt: OBERTO von Verdi – konzertant  20.2.2015

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Schlussapplaus. Copyright: Wolfgang Runkel

An der Oper Frankfurt wurde jetzt die erste Oper G.Verdis ‚Oberto Conte di San Bonifacio‘ in einer konzertanten Aufführung gespielt. Dieser heute so gut wie nie in Operspielplänen auftauchende Opernerstling von einem der größten italienischen Komponisten ist es wert, einmal vollständig zu Gehör und auch zu Gesicht gebracht zu werden. Es handelt sich um einen Wurf des 26jährigen Verdi, ein ‚Dramma‘ in 2 Akten, an dessen Libretto schon der später wichtige Verdi-Dichter Tenistocle Solera mitgearbeitet hat. Es geht um eine romanhaft historische Begebenheit in Norditalien des frühen Hochmittelalters, die schnell einen Bekanntheitsgrad erlangte, so daß Dante einer der beteiligten Personen in seiner Divina Comedia erwähnte. Im Konflikt zwischen Ghibellinen (Kaisertreuen) und Guelfen (Papstanhänger) wird der Conte Oberto aus seiner Heimatstadt Verona verbannnt. Seine dort gebliebene Tochter Leonora verliebt sich in Riccardo, Graf von Salinguerra, wird von ihm aber zugunsten Cunizas aus dem Geschlecht Ezzelinos da Romano verlassen, die er auch heiraten will. Leonora wendet sich mit ihrem zurückgekehrten Vater Oberto an den Hof Cunizas, und sie erreichen die Aufhebung der Hochzeit. Oberto fordert aber Riccardo wegen „Schändung“ seiner Tochter zum Duell haraus, das dieser  erst wegen des Altersunterschiedes ablehnt, sich aber dann doch dazu aufreizen läßt, und Oberto erschlägt. Der sich wieder Leonora zuwendende Riccardo verläßt nach deren Verweigerung das Land, und Leonora nimmt auch seine Güter nicht an, sondern geht ins Kloster.

Nach einer noch im relativ konventionellen Rahmen verbleibenden Ouverture reizt Verdi die die Formstrukturen der Opera seria aus und schafft eigentlich schon wirklich etwas Neues, besonders was die dramatischen Zuspitzungen betrifft. Außerdem hält er sich nicht an die vorgegebenen Längen, was er in den folgenden frühen Opern dann wieder getan hat, und siehe: die kompositorische Qualität setzt sich auch in den längeren Passagen der Arien und Cabaletten spielend durch. Das Opernorchester spielt mit ganz großem Engagement und ist dabei auch wirklich gefordert. Dem jungen Italiener Jader Bignamini merkt man an, daß er diesen Verdi in dessen Heimat sich verinnerlicht hat und lässt die hinreißende Musik auch in ihrer exakt federnden Rhythmik aufspielen. Eine tolle Entdeckung.

Dre Chor gerät neben den starken Solisten etwas ins Hintertreffen, und Verdi hat später gerade seine Chorarbeit sehr verfeinert und nicht immer so schematisch Männer- gegen Frauenchöre gesetzt. Karen Vuong kommt als Imelda nur bei einer Passage im 1.Akt mit ihrem schönen Sopran zu Gehör, ist am Ende aber in den Ensembles und bei den (Damen)chören beteiligt. Die Cuniza tut sich ja durch ihren eher schnellen Verzicht auf Riccardo hervor, und sie wird von Dante auch als leichtlebige, ja mannstolle Frau beschrieben. Claudia Mahnke zeichnet sie mit ihrem glatten leicht fließendem Mezzo ganz sensibel. Den Vater Oberto singt der junge Koreaner Kihwan Sim mit berückendem Baßbariton ganz gewaltig im Ausdruck. Sergio Escobar ist durchaus eine neue Tenorhoffnung. Er nimmt den Riccardo gar nicht so heldisch, sondern kann in seinem starken Legato mit einem weichen bis sinnlichen Timbre aufwarten, das in den Höhen oft herrlich aufblüht. Eine Sonderklasse stellt auch seine Tochter, Verdis 1.Leonora dar. Maria Agresta, die wohl schon an der Met Furore gemacht hat, singt mit inbrünstiger Power einen durch alle Register herrlichen Sopran.                                                                                   

Friedeon Rosén

 

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