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FRANKFURT: L’ORONTEA von Antonio Cesti. Neuinszenierung

03.02.2015 | Allgemein, Oper

Frankfurt: L’Orontea von A.Cesti  am 2.2.2015


Guy de Mey (Aristea), Sebastian Geyer (Creonte), Xavier Sabata (Alidoro; am Boden liegend), Matthias Rexroth (Corindo) und Paula Murrihy (Orontea). Foto: Monika Rittershaus

 Vor ziemlich genau 359 Jahren wurde das Dramma musicale L’Orontea von Antonio Cesti in Innsbruck uraufgeführt. Der sonst in Venedig beheimatete Komponist (1623-1669) gab der barocken Venezianischen Oper Schwung und fand aber dann in Innsbruck bessere Bedingungen vor, was die Anzahl der Instrumentalisten betraf. L’Orontea war ein damals beliebter Stoff und behandelt auf der Folie der der antiken Auseinandersetzung zwischen Ägypten und Phönizien die damals wie heute beliebten Liebeshändel, wie sie ja auch in der ‚Krönung der Poppea‘, jüngst im Bockenheimer Depot gegeben, behandelt werden. Auch mußte damals ein allegorisches Vorspiel präsentiert werden, das die Herzensangelegenheiten sozusagen auf höherer Stufe thematisiert, hier ist es ein Streitprolog zwischen Filosofia und Amore, den letztere zu gewinnen behauptet. Beweis soll am Hof der ägyptischen Königin Orontea erbracht werden.

 Die dreiaktige Oper mit Längen wird ganz vorzüglich mit dem barock reduzierten Museumsorchester und dem Monteverdi-Continuo-Ensemble musiziert. Den muskalischen Kern stellt der von Ivor Bolton geleitete, mit Theorbe, Barockgitarre, Gambe und Lirone bestückte und mit sensualem Klang begeisternde Corpus dar. Barockspezialist Bolton formt quasi das Melodramma mit seinen Händen, er modelliert und ziselliert dessen Klang in immer neuen fast ausufernden Gebärden. Und bei Cesti handelt es sich auch um einen stetigen Musikfluss, da Rezitativ und Arien meist ineinander übergehen.- Auf der Bühne geht es dabei sehr locker und munter zur Sache. Regisseur Walter Sutcliffe will eigentlich eine heutige Liebes- und Eifersuchts-Soap zeigen, wobei immer neue z.T. köstliche auch geschlechtsübergreifende Verwicklungen eine gewisse Spannung generieren. Dazu zeigt er große Barockroben (Orontea) und sogar Spät-Renaissancekleider mit Halskrause (Silandra) (Kostüme und Bühnenbild Gideon Davey), was einen merkwürdigen Kontrast aufbaut. Der Königshof setzt sich aus einzelnen hohen roten Räumen zusammen, die mal isoliert, mal zusammengeführt werden oder alle auf der Drehbühne kreisen. Besonders im 2.Teil scheint aber die etwas abstruse Handlung zu plakativ nachgespielt, so dass witzige Pointen auf der Bühne verschwinden oder auch durch Vervielfachung der lebendigen Amor-Putten, die anfangs neckisch die Szene begleiteten, durch deren Dauerpräsenz verpuffen.

 Gesanglich wird z.T. Großartiges geboten. Eine ganz köstliche Philosophin als gealterten Eremiten im Karl-Marx-Look stellt Katharina Magiera mit feinem Gesang. Ihr Widersacher Amore Juanita Lascarro kann auch in der Hosenrolle als Tibrino überzeugen. Eine weitere Hosenrolle ist Giacinta der Kateryna Kasper, die in andere Dienste geflohen war, Schreckliches erlebt hatte und wieder an den Hof als Dienerin zurückgekehrt ist. Auch sie verliebt sich in den scheint’s unwiderstehlichen Maler Alidoro und geht dafür wieder in Frauenkleidern. Hinreißend ihre Verführungsszene, wobei sie wohltimbrierte super elastisch angesungene Phrasen gestaltet. Corindo ist ein Liebhaber am Hof und wird von Matthias Rexroth mit gefühlvoll weichem Counter gezeichnet. Simon Bailey übernimmt den Diener Gelone mit seinem unschlagbar expressiven Baßbariton, Sebastian Geyer den Creonte als etwas dunklen Rastamann witzig und mit gut grundiertem Bariton. Xavier Sabata singt die männliche Hauptfigur des Alidoro und steuert ihr einen tragend sanften wohllautenden Counter bei. Seine Mutter Aristea ist Guy de Mey, ein wirkliches Gesangsphänomen mit gut in den Höhen impostiertem Tenor und Übergängen zum Counter. Dazu agiert er als liebestolle Frau, die auf die junge Giacinta als Hosenrolle abfährt. Als seconda donna Silandra kommt Louise Alder ins Spiel, die auch in Dessous zu brillieren versucht, und dabei einen angenehmen Sopran singt. Umjubelte Titeldarstellerin ist die irische Mezzosopranistin Paula Murrihy, die ihr ausbalanciertes Organ in allen Lagen vortrefflich zum Einsatz bringt und ihre Rivalin somit auch in Schach zu halten vermag. Eben wie eine Königin aus dem sonnenverwöhnten Ägypten statt von der ‚grünen Insel‘, wo sie sich aber ähnlich gut zurecht findet.

 

Foto: Monika Ritterhaus, vorne Ensemble, Hi’grund Statisterie                                                                                                                                Friedeon Rosén 

 

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