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FRANKFURT: LIEDERABEND CHRISTIANE KARG

Frankfurt: Liederabend Christiane Karg 12.2.2013


Foto: Wolfgang Runkel

 Christiane Karg, für mich die prezioseste Verpflichtung ins Frankfurter Solistenensemble seit Diana Damrau, hat gestern einen Liederabend an der Oper Frankfurt gegeben.

 Sie stellte sich ein Konzeptprogramm unter der Überschrift „Femmes“ zusammen; als große Anhängerin der französischen Liedliteratur wählte sie bewußt diesen französischen Titel. Dabei ging es bis über die Hälfte des Programms mit deutschsprachigen Komponisten los. Schuberts „Frauen“ mit ‚Das Mädchen‘ von Friedrich Schlegel, ‚Lieb Minna‘ (A.Stadler) und ‚Gretchen am Spinnrad‘ (Goethe) stellten die ganz verinnerlichte, im Biedermeier-Widerschein gesehenen Frauen dar, allerdings mit einem Schuß Ironie bei ‚Lieb Minna‘. Auch „Wolfs Frauen“ zeigen mit ‚Die Spröde‘, ‚Die Bekehrte‘, beide von Goethe gedichtet, noch den verinnerlichten Ton, der erst bei Mignon ‚Kennnst du das Land‘ in seinen kühnen Harmonieumdeutungen aus dem verinnerlichten Schema ausbricht. Christiane Karg gestaltet das mit ihrem schönen, sanft gerundeten Soprantimbre einmalig zu der äußerst sensitiven Klavierbegleitung von Gerold Huber.

In einem 2.Teil stellt die Sängerin „Ophelia“ dar, und dabei die Komponisten Brahms und R.Strauss gegeneinander, die aber hier gar keinen so großen Gegensatz bilden. Die weitgehend unbekannten Brahms-Ophelien sind als Gelegenheitskomposition zu sehen, die dieser der Schauspielerfrau eines befreundeten Wiener Theaterimpresario zueignete. Abgeschlossen wird dieser Teil eines morbid krankhaften Frauenbildnis‘ durch ‚La mort d’Ophelie‘ von C.Saint-Saen, der dadurch gleichzeitig in die Frauenlieder der französischen Komponisten überführte. Gerade die von Christiane Karg vorgestellten Reynaldo Hahn und Henri Duparc stellen den ausdrücklichen Typus der ‚Melodies‘ im Gegensatz zu deutschen Liedern und Arien dar. Der in Südamerika geborene R. Hahn, langjähriger Freund von Marcel Proust, war in Paris „der“ Komponist der Belle Epoche, allerdings mehr auf dem ‚unterhaltenden‘ Sektor. Mit Lydé (Charles Leconte de Lisle), Seraphine (nach Heine) und „A Chloris“ (Theophile de Viau) stellte Karg markante Frauenbilder vor. H.Duparc (1848-1937) ist ein ganz dramatischer Liederkomponist und in seinem umfangreichen Schaffen in der Gattung Hugo Wolf an die Seite zu stellen. MIt „Phidylé“ (auch Ch.L.de Lisle) gelingt ihm eine ‚unendliche melodie‘, die ihre Spannung auch durch die synkopisch-rythmische Durchgestaltung auf den Siedepunkt treibt. Mit ‚Romance de Mignon‘ schlägt C.Karg den Bogen nochmal zurück und stellt mit diesem Duparc gleichzeitig ihre hohe Qualität als Opernsängerin ins Licht. Mit ihrem Begleiter Gerold Huber, der auch in den impressionistisch anmutenden Passagen bestens auf sie reagiert, gibt sie ein hochklassiges Duo ab.

 Als Zugaben bringt sie in Anklang an ihre letzte Frankfurter Bühnenrolle Melisande’s Song von Fauré und Solveigs Schlaflied von Edward Grieg.

Friedeon Rosén

 

 

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