Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

FRANKFURT: LA SONNAMBULA. Wiederaufnahme

21.04.2018 | Oper


Ioan Hotea, Brenda Rae. Copyright: Barbara Aumüller

Frankfurt: „LA SONNAMBULA“ – WA 20.04.2018

Die Premiere der „La Sonnambula“ (Vincenzo Bellini) fand zur Opernsaison 2014/15 statt, nun erlebte das Juwel des Belcantorepertoires ihre 1. WA an der Oper Frankfurt. In unverfälschter Konsequenz zur Textur inszenierte Tina Lanik die Story um die nachtwandlerische Amina, Herbert Murauer schuf dazu die Kulisse einer Schweizer Dorfstraß e, links und rechts in Fels gehauene Häuserzeilen, ein schräges Plateau variiert eingesetzt schuf doppelte Spielebenen, die transparente Scheibe im Hintergrund gewährte Ausblicke auf Schneegipfel sowie zum vorzüglichen Lichtdesign (Olaf Winter) stimmige Illuminierungen. Komplettiert wurde die ansprechende Optik durch die neutralen Kostüme (Stefan Hageneier) und bot den Protagonisten ausgezeichneten Spielraum zur vortrefflichen Entfaltung.

Die junge koreanische Dirigentin mit bereits internationalem Renommee Eu Sun Kim leitete schwungvoll das Frankfurter Opern- und Museuemsorchester durch die Partitur. Fein ziseliert erklang das Vorspiel und Kim blieb dieser Lesart im Verlauf treu stets mit wachem Blick zur Bühne. In weich-biegsamen Formationen präsentierte sich der von zarter aber energischer Hand geführte Klangkörper in allen Instrumentalbereichen in schlichtweg traumwandlerisch sicher und bestechender Musizierfreude.

Wie bereits zur Premiere glänzte heute wiederum Brenda Rae in der Titelpartie und setzte zugleich Vokalmaßstäbe vom Feinsten. Zum mädchenhaft-verinnerlichten Spiel steigerte sich die sympathische Sängerin in eine staunenswerte sonnambule Stimmsicherheit, bezauberte mit wunderbar innig ausgestalteten Bögen und immer wieder mit farbenreichen und sicher platzierten Spitzentönen. In bestechender Form demonstrierte Rae fein abgestufte Dynamik, lyrische Kantilenen von bezaubernder Reinheit, erwies sich kurzum als uneingeschränkte Virtuosa allererster Güte. Orkane der Begeisterung fegten die Künstlerin schier von der Bühne.

Als labiler Elvino bot Ioan Hotea den strahlenden Gegenpart und erwies sich als ideale Besetzung dieses Parts. Zur (regielich auferlegten) darstellerischen Kontroverse vereinte der rumänische Tenor jedoch mit seinem perfekten Legato, seinen glanzvollen Höhenaufschwüngen, seinem herrlich-ansprechenden Timbre, der eleganten Vokalise den viril korrekten Belcantisten.

Silberhell, beweglich, rein im Ton (vom zuweilen Klirrfaktor abgesehen) in ausgezeichneter Stimmtechnik sang sich Elizabeth Sutphen als eifersüchtig-intrigante Lisa in die Herzen der Zuhörer – ein vielversprechendes Soprantalent.

Kihwan Sim ließ sich als erkältet ansagen, doch dem war seinem runden, sonoren, herrlich strömenden Bass nichts anzuhören. Souverän in bester Phrasierung seines herrlichen Organs schenkte der Sänger dem Conte Rudolfo vokale Noblesse.

Darstellerisch zu Überpointierung der Mutterrolle genötigt erwies sich Katharina Magiera mit farbenreichem Altregister als ideale Teresa. Herrlich-weiche bass-baritonale Nuancen vernahm man von Thesele Kemane (Alessio) und tenorale Töne steuerte Jaeil Kim als Notar bei. In vokaler Agilität, rhythmischer Akkuratesse glänzte wiederum der von Tilman Michael bestens vorbereitete Frankfurter Opernchor.

Prasselnder Szenenapplaus, Bravos und Jubel ohne Ende, spontane Standing Ovation für eine bravourös-glanzvolle Aufführung wie sie nördlich der Alpen wohl kaum zu finden ist. Mit Sicherheit werde ich zum Wiederholungs-Täter – ein absolutes MUSS für Belcanto-Freunde!

Weitere Vorstellungen: 28.04. / 05. + 10.05. (18h) / 12.05. sonst um 19:30h.

Gerhard Hoffmann

 

 

Diese Seite drucken