Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

FRANKFURT: IWAN SUSSANIN. Premiere

27.10.2015 | Allgemein, Oper

Iwan Sussanin – Premiere in der Oper Frankfurt am 25.10.2015

Frankfurt Iwan Sussanin_Tomilnson, Magiera_04
John Tomlinson, Katharina Magiera. Foto: Barbara Aumüller

Die Oper wurde 1836 in Petersburg uraufgeführt und verzeichnete damals einen großen Erfolg, weil erstmals eine russische Oper und noch dazu in russischer Sprache aufgeführt wurde.

Diese Oper wird auch als Vater der klassischen russischen Musik bezeichnet, ein Belcantostück mit großen Chorszenen, Balletteinlagen und vor allem Melodien aus dem Volke. Von dem Komponisten stammt der Satz: „Es ist das Volk, das die Musik erschafft“. Ohne Glinkas Oper wäre Mussorgskys Boris Godunow undenkbar gewesen. Glinka war der erste Komponist, der traditionelle russische Elemente in seine Musik einfließen ließ. In ihr ist die russische Seele beheimatet.

Das Stück hat wenig Handlung, Den Mittelpunkt bildet der patriotische Widerstand des gesamten Volkes gegen die polnischen Besatzer. Die Rahmenhandlung bildet ein Liebespaar, das erst heiraten darf, nachdem, wie kann es auch anders sein, die kriegerische Bedrohung beendet ist. Der Held in diesem Stück ist Iwan Sussanin, der Vater der heiratwilligen Tochter, der, nachdem er die feindlichen Truppen in die Irre geführt hat, dafür mit seinem Leben bezahlen muss.

Die feindlichen Truppen sind eigentlich die Polen, historisch gesehen, spielt die Handlung am Anfang des 17. Jahrhunderts. Die Regie hat einen zeitlichen Wandel vollzogen und die Handlung zum Leidwesen vieler Besucher in die Zeit des zweiten Weltkrieges gelegt. Das wirkt manchmal komisch, wenn die Deutschen Truppen bei ihrer Balletteinlage unter typisch russischer Melodie agieren.

Am Schluss bei der Siegesfeier, werden die Soldaten wieder zu einfachen Bauern, indem sie sich ihrer Uniform entledigen.

Das Team für die szenische Ausarbeitung wird angeführt von Harry Kupfer mit seinem Bühnenbilder Hans Schavernoch. Dazu gehören noch Yan Tax verantwortlich für die Kostüme und nicht zuletzt Norbert Abels für die Dramaturgie.

Musikalisch wird unter Sebastian Weigle auf hohem Niveau gespielt, wenn man von einigen Ungereimtheiten, ausgehend vom Blech, in der Ouvertüre absieht. Bei den gesanglichen Leistungen muss man einige Abstriche machen. Hier haben die Frauenstimmen gegenüber ihren männlichen Kollegen eindeutig die Nase vorn.

Die junge ukrainische Sopranistin Kateryna Kasper verkörperte die Braut Antonida mit jugendlicher Sopranstimme. Den Ziehsohn in der Hosenrolle singt und spielt Katharina Magiera mit ausdrucksstarkem Alt. Der Bräutigam Bogdan Sobinin war der Tenor Anton Rositskiy mit gewöhnungsbedürftigen Tönen in der Höhe. John Tomlinson als Iwan Sussanin sang die Hauptrolle mit seiner in die Jahre gekommen „Wotanstimme“, die leider mittlerweile merklich an Qualität einbüßte.

Als absoluten Star an diesem Abend kann man zweifelsfrei den Chor der Oper Frankfurt mit seinem Leiter Tilman Michael nennen. Es ist ein Chor zusammen mit dem Extrachor, der die verschiedenen Szenen, einmal heldenhaftes Auftreten, dann wieder verzweifelte Bauern darstellend, glaubhaft und beeindruckend dem Publikum präsentiert.

Übrigens wurden erhebliche Striche am Werk vorgenommen, vielleicht um die Spannung zu erhalten.

Fazit: Wieder wurde in der Oper Frankfurt dem Publikum eine Rarität vorgestellt, die eine große Bereicherung in der Musikszene darstellt, auch wenn sie eventuell nicht so sehr publikumswirksam wie manch andere Repertoirestücke ist.

Franz Roos

 

Diese Seite drucken