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FRANKFURT: HÄNSEL UND GRETEL. Premiere

13.10.2014 | KRITIKEN, Oper

Frankfurt: Hänsel und Gretel  12.10.2014


Louise Alder (Gretel) und Katharina Magiera (Hänsel). Foto: Monika Rittershaus

Eine Premiere ‚Hänsel & Gretel‘ von Humperdinck im zuende gehenden Jahr mutet stark danach an, daß die Frankfurter Oper zu Weihnachten ihre Zuschauerzahlen erhöhen möchte. Wenn man aber auf den Besetzungszettel schaute, las man den Regisseurname Keith Warner, und daß dabei keine leichtgewichtige Inszenierung herauskommen würde, die zur Abwechslung mal die eine mit einer anderen Inszenierung austauschen würde, war damit zu erwarten. Dazu kommt der Zusammenhang mit der in der letzten Spielzeit ind Repertoire genommenen „Königskinder“ von Humperdinck, die ja eher selten gespielt werden. Zudem war das Dirigat mit Sebastian Weigle bei der Premiere auch Chefsache.

Es ist eine ganz hochkarätige Inszenierung herausgehkommen. Im Vorspiel exponiert auch eine Puppenspiel-Pantomime im Puppenspieltheater das Märchen, die so realistisch gespielt und von den Kindern, die dann in die Oper überwechseln, bestaunt wird (Puppenspieler: Thomas Korte, Christof Fleischer, Hans Bolz). Die ‚dräuenden‘ Wagner-artigen Musikteile werden von Sebastian Weigle ganz zurückgenommen duftig vorgegeben und vom Orchester dunkelfarben gespielt. (Die Durchkomposition ist ja sicher auch für Mozart gewohnte Kinder ein neues Erlebnis.)

Das imposante Bühnenbild von Jason Southgard besteht aus dem Giebel-betonten Haus des Besenbindes Peter, in dem an den Seiten Betten für die Kinder aufgereiht sind. Wenn Hänsel und Gretel nach der Zankszene mit der Mutter in den Wald geschickt werden, fährt das hintere Giebelteil ab, und die Phantasmagorien des Waldes werden sichtbar (u.a. auch Kinderwalküren und kleine Ritter unter Führung Wagners), während die vorderen Betten von Hänsel und Gretel teilweise an ihrer Stelle bleiben, was den Wald auch als Traum der Geschwister suggeriert. Später bildet das Grimm-Märchen in großen Buchstaben die Hinterwand. Die 14 Engel schreiten in ganz weißem Outfit als gestorbene Verwandte des 19.Jahrhunderts eine Treppe herunter und tragen die kranken Kinder auf den hinteren Betten hinaus, was dem Regieteam in der Pause auch heftige Buhs einträgt. Sozialkritik ist in der Märchenoper scheint’s nicht gefragt. Die Hexe ist als Tunte mit Glatze, einmal mit Frauen-, ein andermal mit Männerkleidern dargestellt. Ihr Hexenhaus besteht aus drei wunderlichen voll eingerichteten Etagen. Nach der Liquidierung der Hexe im Ofen erscheinen die befreiten Kinder in schönsten Kostümen (Kost.: Julia Müer) zusammen mit den Eltern, die sich offenbar auch aus ihrer Misere herausgewunden haben, zum Schlußgesang.


Die Knusperhexe (Peter Marsh). Foto: Monika Rittershaus

Das Taumännchen singt das Opernstudio-Mitglied Nora Friedrichs schönstimmig wie eine Gouvernante, die die zwischendurch erwachsen gewordenen Geschwister aus dem ‚Traumhaus‘ in den ‚Wald‘ zurückführt. Den Sandmann gibt Elisabeth Reiter mit glatten langen Haaren wie einen Wassermann mit lieblichem Soprangesang. Die Hexe könnte man sich auch mal von einem Mezzosopran gesungen vorstellen wie es E.Humperdinck vorgegeben hat. Aber ein Buffo- bzw Charaktertenor gibt wohl für die krasse Rolle mehr her, wie auch hier Peter Marsh, der durch das Tuntenhafte noch mehr die Negativ-Charge bedient. In den Kurzrollen der Eltern können Alejandro Marco-Buhrmester mit markant-geschliffenem Bariton und Heidi Melton mit kernigem Sopran überzeugen. Bei Katharina Magieras Hänsel steht schon ganz das ‚männliche‘ im Vordergrund, und sie singt mit glockig timbriertem Alt. Ihre Gretel Louise Alder ist wieder eine vielversprechende  Sopranentdeckung der Frankfurter Oper. Ihr steht eine zuerst verhalten süß timbrierte Stimme mit leichtem angenehmen Vibrato zur Verfügung, die sie zusammen mit ihrem lässig quicken Spiel schön aufleuchten und in große Sopangirlanden ausschwingen zu lassen vermag.                                                 

Friedeon Rosén

 

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