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FRANKFURT: GÖTTERDÄMMERUNG – kein Ring für die Rheintöchter

17.05.2016 | Oper

 OPER FRANKFURT: Götterdämmerung, aber kein Ring für die Rheintöchter. 16.5. 2016

Various, Frankfurter Opern- Und Museumsorchester, Chor Des Extrachores Der Oper Frankfurt - Götterdämmerung - (DVD)

Mit der Götterdämmerung überraschte die Regie (Vera Nemirova, Bühnenbild Jens Kilian, Kostüme Ingeborg Bernerth) mit einer fulminanten, stark bildhaften und einfallsreichen szenischen Darstellung. Das beginnt schon im Vorspiel, wenn die Nornen (1. Norn Bernadett Fodor, 2. Norn Claudia Mahnke und 3. Norn Lise Davidsen) mit ihrem Seil alle bisher beteiligten Götter und Personen (Rheintöchter: Jessica Strong, Jenny Carlstedt, Katharina Magiera) einbeziehen. Dazu bildet die große Ringscheibe den entsprechenden Rahmen.

Siegfried und Brünnhilde (Vincent Wolfsteiner und Rebecca Teem) sind jetzt ein Liebespaar, das sich gegenseitig in einer Badewanne verwöhnt. Nach seinem Treuebekenntnis geht Siegfried auf Erlebnistour und trifft über Umwege  (Siegfrieds Rheinfahrt findet auf einem Schlauchboot statt) auf die Gesellschaft der Gibichungen.

Die Inszenierung  beschreibt die Gibichungen (Simon Bailey als Gunther  und Anna Gabler als Gutrune) als eine kalte, lieblose und machtbesessene Gesellschaft, die eine Ehe mit politischen Zielen verbindet, wobei Bewusstsein störende Getränke bei Bedarf eingesetzt werden. Das ist aus bühnentechnischen Gründen  nicht machbar. Andeutungsweise wird dies durch Video (Vera Nemirova und Katja Gehrke) angedeutet.
Einen Höhepunkt bilden Hagens Mannen, die ihren Chef hochleben lassen. Hagen (hervorragend Falk Struckmann) ist hier kein Bösewicht, sondern wird von seinem Vater Alberich (Jochen Schmeckenbecher) durch eine Art Hypnose manipuliert.

Am Ende, wenn die Weichen für Siegfrieds Tod gestellt sind, kommt es zu einer beeindruckenden Szene. Auf der Scheibe wird die Hochzeit gefeiert und unterhalb der Scheibe sieht man die angedeutete Gibichungenhalle, in der alles eingefädelt wurde.

Nach Siegfrieds Tod (eine äußerst emotionale Interpretation von Vincent Wolfsteiner) im 3. Aufzug, hört man anfangs im Orchester noch die letzten Herzschläge des Helden. Beim folgenden “Trauermarsch” stockt dem Besucher förmlich der Atem, so bewegend schildert das Orchester rückblickend Siegfrieds Heldentaten, eine grandiose Leistung des Orchesters.

Die  letzten drei Worte “zurück vom Ring” singt nicht Hagen, sondern der aus dem hell erleuchtenden Zuschauerraum kommende Alberich mit goldenen Anzug. Auch gibt Brünnhilde den Ring (Symbol von Macht) nicht den Rheintöchtern zurück, sondern wirft ihn symbolisch dem Publikum zu.

Ein gewaltiger Lichtstrahl erhellt plötzlich den Zuschauerraum, was den Untergang der Götterwelt bedeuten soll. Alberich in seinem Goldanzug soll das Publikum daran erinnern, dass der Kapitalismus mit all seinen negativen Begleiterscheinungen bleibt. Diese Erfahrung hat auch der Komponist Richard Wagner gemacht, als  er sich textlich um das Jahr 1848 mit dem Ringprojekt (Siegfrieds Tod) befasst hat. 

Von der Logik ist das richtig, aber ob das vom Besucher gut geheißen wird, steht auf einem anderen Blatt. 
 Resümee für die Wiederaufnahme des “Ring des Nibelungen”.

Die Regie hat immer darauf geachtet, bei der musikalischen Interpretation nicht störend einzugreifen. Dafür erhält sie das größte Kompliment.

Szenisch haben die Götterdämmerung und Rheingold den besten Eindruck hinterlassen. Bei der “Walküre” kann man eigentlich nichts falsch machen, wenn musikalisch auf hohem Niveau gespielt wird. Beim Siegfried war die szenische Ausarbeitung etwas einfältig. Entscheidend ist aber, dass die Ausarbeitung spannend wirkt, in sich geschlossen ist, ohne übertriebene Personenführung auskommt und an den passenden Stellen der Humor nicht zu kurz kommt.  Nur auf die Szenen mit dem Schlauchboot und den Transparenten könnte man gerne verzichten.

Für die musikalische Leitung der Ringaufführung war der GMD Sebastian Weigle verantwortlich. Herr Weigle hat mehrere Jahre in der Staatkapelle Berlin  als 1. Solohornist gespielt. Er kennt deshalb den Umgang mit dem Graben aus mehreren Seiten. Er ist kein diktatorischer Dirigent, sondern er versteht sich eher als ein  “Primus inter Pares”, trotzdem ist er eine anerkannte Autorität. Das ist vielleicht das Geheimnis für die kontinuierliche hohe Qualität und den eigenen Charakter dieses Orchesters. 
 Auffallend war, dass das Orchester zur Hälfte abgedeckt war. Ob das aus sicherheitsrelevanten oder  klangtechnischen Gründen geschehen ist, weiß man nicht. Jedenfalls vermittelt es ein positives Klangerlebnis.   
Alle Gesangssolisten haben auf hohem Niveau gesungen.

Ein besonderes Lob an den Chor (Herr Tilman Michael).  

Den abschließenden Beweis für den Erfolg dokumentierte an allen vier Aufführungen das Publikum mit ihrem donnernden Applaus.
Franz Roos

 

 

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