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FRANKFURT: DREI EINAKTER von Ernst Krenek. Premiere

01.05.2017 | Allgemein, Oper

Frankfurt: Drei Einakter von Ernst Krenek  30.4. 2017 Premiere

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Der Diktator“: Sarah Jakubiak, Davide Damiani. Copyright: Barbara Aumüller

Die Oper Frankfurt bringt drei Einakter von E.Krenek „Der Diktator„, tragische Oper op.49, „Schwergewicht oder Die Ehre der Nation „, burleske Operette op.55 und „Das geheime Königreich“, Märchenoper op.55, auf den Spielplan. Diese Einakter des  ‚Jazzoper‘-Komponisten  der 20er Jahre sind durch ihre Hauptpersonen untereinander verbunden und wurden am 6.Mai 1928 am Staatstheater Wiesbaden uraufgeführt. Von den Diktatoren seiner Zeit, von den kulturell goldenen 20er Jahren und wohl auch von Shakespreares Stücken inspiriert, hat sich Krenek, der mit „Karl V.“ auch eine große historische Oper vorlegte, seine Libretti selber gedichtet. Im Diktator unterzeichnet die Titelgestalt im Urlaub eine neue Kriegserklärung. Es erscheint eine Dame vom Offiziers-Genesungsheim, es ist die Frau des bei einem Giftgasangriff erblindeten Offiziers, und schießt drei mal auf den Diktator. Dieser bleibt aber am Leben  wohl wegen kugelsicherer Weste. ‚Maria‘ verliebt sich in ihn und fühlt sich vom Diktator auch plötzlich körperlich angezogen.Dessen Ehefrau eilt aber ins Zimmer und tötet Maria mit deren eigener Pistole. Bei „Schwergewicht“ wohnt der Diktator einer Theatervorstellung bei. Es wird ein Komödie um den Meisterboxer Ochsenknecht, seine Frau Evelyn und ihren Liebhaber Gaston gegeben. Als die Schauspieler den verhaßten Despoten im Publikum entdecken, wollen sie ihn niedermachen. Improvisiert erscheint eine Schauspielerin Himmelhuber, der es durch ihre Reize gelingt, den Diktator auf die Bühne zu holen. Trotz Intervention seines Sicherheitspersonal läßt sich der Potentat in einen runden drehbaren Gymnastikapparat schnallen, aus dem er sich nicht befreien kann. Ochsenknecht legt eine Ladung Sprengstoff… In ‚Das geheime Königreich‘ wird der sich nun König nennende Diktator weiter von Revolutionen bedroht. Er bekennt, daß er versagt hat, und überläßt seine Krone dem Narren, nicht der machtgeilen Königin, die sich mittels iher Hofdamen den Reif aber doch dem Narren abgewinnt. Sie läßt den Rädelführer frei, der Narr rettet die Königsfamilie aber durch einen Geheimausgang. Die Königin verwandelt sich in einen Baum, als der Rebell im Wald nach dem Reif greift. Der König wird von den Rebellen verschont, weil er den Narrenmantel trägt. Weise und gleichzeitig „verrückt“ geworden will der König jetzt über die Natur ‚herrschen‘.

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Schwergewicht oder Die Ehre der Nation): v.l.n.r. Michael Porter (Gaston), Simon Bailey (Adam Ochsenschwanz), Davide Damiani (Der Diktator), Nina Tarandek (Anna Maria Himmelhuber) und Ludwig Mittelhammer (Professor Himmelhuber). Copyright: Barbara Aumüller

Nur vordergründig klingt Krenek in diesen Kompositionen als Neutöner, die ‚atonalen Setzungen‘ verflüchtigen sich oft schnell und geben einem fast spätromantischen Musik-Kosmos Ausdruck. Dabei fällt auf, wie originär und meisterlich er das große Orchester handzuhaben weiß. Die Musik des Jonny-Erfinders erscheint vielfach genial und wird vom Orchester unter dem ‚Neue Musik-Versteher‘ Lothar Zagrosek wunderbar zum Klingen gebracht. Es schleichen sich nie Längen ein. Besonders blechbetont und gewaltig wirkt die Musik beim ‚Diktator‘, im ‚Schwergewicht‘ herrschen buffoneske Scherzo-Elemente vor, während im ‚Königreich‘ auch leise magische Naturklänge aufscheinen.

Soweit geht Regisseur David Hermann nicht, auch ein Einheitsbühnenbild zu verwenden, die Bühnenbilder unterscheiden sich sogar signifikant. Seine Regie beflleißigt sich einer naturalistischen Erzählweise mit viel Bewegung. Beim ‚Diktor‘ wirkt das Bild fast schon wie ein Bauhaushotelzimmer mit hohen Händen und gedrungen geometrischer Architektur. Bei der Burleske sehen wir unten die 1.Zuschauerreihe vom Sicherheitsleuten mit Helmen besetzt.. Davor ein hohes Bühnenpodest, darüber der magische Apparat. Im ‚Königreich‘ gibt es einen romantischen oben offenen wie durch ein Fliegerbombe beschädigten Palast mit Ober- und Unterstock als Schlafraum. In der 2.Szene einen romantischen Wald, der an der Hinterwand schräg gespiegelt wird, was tolle Verzerreffekte generiert. (Bb.: Jo Schramm) Die Kostüme von Katharina Tasch sind beim Diktator für Maria klassisch lang, im ‚Schwergewicht‘ a là 20er Jahre deftig chaotisch. Der König erinnert mit seinen weißen in die Stirn fallenden Haaren und mit seiner blond aufgetakelten, im ‚Königreich‘ mit enganliegendem grünlich goldenen Hosen-Rock-Ensemble vielleicht an ein gewisses Präsidentenpaar…

Der Diktator/König wird von Davide Damiani bestens verkörpert und stellt ihm einen sonoren, bei soviel Aktion sich nie überschlagenden Bariton zur Verfügung. Als Charlotte kommt mal wieder Juanita Lascarro zum Zug und kann ihrer Gestaltung auch gesanglich einen pittoresken leicht satirischen Zug beigesellen. Dabei ist ihre Stimme auch dramatisch gewachsen, hat sich aber die Koloraturfähigkeit noch bewahrt. Den Offizier im ‚Diktator‘ bewältigt Vincent Wolfsteiner mit ganz obstinatem Tenor, klasse! Die Attentäterin Maria, Sara Jakubiak, kann in der kurzen Rolle überzeugen. Im „Schwergewicht“ gibt Simon Bailey einen Ochsenschwanz mit brillantem Bariton. Als seine Frau kommt Barbara Zechmeister zum Zug. Michael Porter ist der Tanzmeister/Liebhaber mit feinem Tenor. Als Prof.Himmelhuber hat Ludwig Mittelhammer einen aufregenden baritonalen Einsatz. Ins Zeug legt sich auch seine Tochter Nina Tandarek mit verführerischem Mezzo. Als Journalist/Regierungsrat (auch Revolutionär im ‚Königreich‘) vervollständigt der bewährte Tenor Michael McCown. Im Geheimen Königreich kommt noch Ambur Braid (Königin) mit ganz intensiv gezogenen Sopranphrasen und als Narr Sebastian Geyer mit getragenem dunklem Bariton sowie Peter Marsh/tenoraler Rebell, Dogus Günay als Revolutionär und Michael Porter als Wächter zum Einsatz.                                                              

Friedeon Rosén

 

 

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